„Ich lebe meinen Beruf“

Trotz Handicaps: Monika Jänsch lässt sich in Brockum zur Gärtnerin ausbilden

Monika Jänsch (2. von links) ist glücklich, eine Ausbildung auf dem „Hof Tomte“ zu machen. Ihr Ausbilder ist Robert Franz (links), Hofbetreiber sind Gernot Jacob (4. von rechts) mit Juliane Völkle (rechts). Lukas Bock Leão (2. von rechts) und Philipp Müller (3. von rechts) sind Mitglieder des Teams in Praktikum und Ausbildung.
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Monika Jänsch (2. von links) ist glücklich, eine Ausbildung auf dem „Hof Tomte“ zu machen. Ihr Ausbilder ist Robert Franz (links), Hofbetreiber sind Gernot Jacob (4. von rechts) mit Juliane Völkle (rechts). Lukas Bock Leão (2. von rechts) und Philipp Müller (3. von rechts) sind Mitglieder des Teams in Praktikum und Ausbildung.

Monika Jänsch ist 19 Jahre alt. Sie stammt aus Berlin. Trotz Handicaps absolviert sie in der Solidarischen Landwirtschaft auf dem Hof Tomte bei Brockum eine Ausbildung zur Gärtnerin im Gemüseanbau.

  • Ausbilder: „Stärken fördern“
  • Berufsschule in Osnabrück
  • Vielfältige Aufgaben

Brockum – „Dieses Stückchen Erde zu pflegen ist mein Wunsch“, sagt Gernot Jacob nach einem Jahr solidarischer Landwirtschaft mit rund 80 Mitgliedern und der „Tomteschar“, die den Hof am Laufen hält. Das Fleckchen liegt am Nordhang des Stemweder Berges am „Schwacken Hagen“ auf der Scholle der Familie Jacob, die bereits seit 1978 biologisch wirtschaftet. Zur „Tomteschar“ gehört seit Juli vergangenen Jahres die 19-jährige Monika Jänsch, die trotz körperlichen Handicaps aktuell auf dem Hof Tomte ihre Ausbildung zur Gärtnerin im Gemüsebau absolviert.

Die 19-Jährige stammt gebürtig aus Berlin, kam später über Remscheid nach Dielingen und besuchte die Freie Waldorfschule Evinghausen in Bramsche. Als Praktikantin knüpfte sie erste Kontakte zum „Hof Tomte“. Während des Praktikums festigte sich der Wunsch, eine Ausbildung zur Gärtnerin im Gemüsebau zu absolvieren. „Ich wollte immer etwas im Gartenbau lernen, obwohl die Berufsberatung mir eine negative Beurteilung dazu gab.“ Das Negativzeugnis habe die Berufsberatung von der verkleinerten Hand der 19-Jährigen abgeleitet, schlug stattdessen eine Ausbildung in einem Heilerziehungsberuf vor.

„Monika ist ein echter Gewinn für uns“

Doch da hatte die Beratung die Rechnung ohne das Zusammenspiel der ehemaligen Praktikantin und ihrem heutigen Lehrherren Gartenbaumeister Robert Franz gemacht. „Monika ist ein echter Gewinn für uns. Ich lerne fast jeden Tag von ihr und ihren guten Ideen bei der Arbeit im Beet und auf dem Feld“, erklärt der Gartenbaumeister.

Robert Franz gehört zu den Ausbildern, die als Vorbilder gelten. Er legt Wert auf den Austausch auf Augenhöhe. „Mich hat es geärgert, dass Monikas Motivation Steine in den Weg gelegt wurden, statt ihre Stärken zu fördern.“ Robert Franz gibt sich begeistert vom Einfallsreichtum der Auszubildenden; insbesondere davon, wie sie mit ihrem Handicap umgeht: „Beim Salat schneiden braucht man zwei Hände. Die hat Monika, wenn sie sich einfach das Messer mit Tape an die verkleinerte Hand klebt.“

Besuch der Berufsschule in Osnabrück

Monika Jänsch half in Brockum schon vor dem Praktikum an Wochenenden und in den Ferien. „Jetzt lerne ich drei Jahre, vielleicht kann ich verkürzen, aber ich möchte möglichst viel mitnehmen“, sagt sie. Die Berufsschule besucht die Auszubildende in Haste/Osnabrück. „Robert hat mir von Anfang an Mut gemacht.“ Ihr Fazit nach sechs Monaten Ausbildung: „Ich lebe meinen Beruf. Jedes Mal, wenn mich jemand anspricht darauf, lächele ich.“

Ihr Aufgabenbereich ist vielseitig: Sähen, Vorziehen der Pflanzen, Jäten, Gießen und Ernten gehören zu ihren Tätigkeiten. Sie erwirbt theoretischen Fachwissens zu Boden und Pflanze.

Vollwertiges Mitglied im „Hof-Tomte-Team“

Monika Jänsch ist vollwertiges Mitglied im „Hof-Tomte-Team“, das in nur einem Jahr unter der Anleitung von Robert Franz die ehemalige Pferdewiese zur Gärtnerei aufbaute. „Freitags nach der Berufsschule bin ich anschließend noch stundenweise in der Remise und helfe beim Abholservice.“ Sie springt im Hühnermobil mit „Hernandes“ dem Hahn und Maskottchen ein, freut sich an den Bunten Bentheimer Schweinen und den Rindern. „Monika ist schnell und sehr praktisch“, freut sich Robert Franz.

Dass die junge Dame aus der Schule Vorkenntnisse im Gartenbau, im Schmieden, beim Holzwerken, beim Korbflechten, Weben und Plastizieren als Fächerkanon erwarb, merke man.

Ausbildung im Team

Inzwischen ist Monika nicht mehr die einzige Angehörige des Teams auf dem Hof Tomte, die sich beruflich qualifiziert.

Lukas Bock Leão verschlug es vom Prenzlauer Berg in Berlin nach Brockum. Er absolviert seit Dezember ein Praktikum. „Fernab vom Epizentrum der Panik und Isolation, in der Großkonzerne siegen und der Kleinunternehmer verliert.“

Philipp Müller ist seit 14 Tagen in der freien Ausbildung des Demeter-Verbandes zum Landwirt auf dem Hof. Gernot Jacob ist zwar gelernter Landwirt und Lehrer, hat aber noch nicht seinen Meistertitel: „Den holt Gernot ab Sommer nach“, erklärt Robert Franz.

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