„Trio Flauto dolce“ und Freunde spielen

Kurzweilige Hausmusik

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Für das Konzert in Burlage war die Fagottistin Bettina Piwczyk gerne aus Minden angereist.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „In unserer barocken Kirche gibt es heute barocke Hausmusik“, freute sich Pastorin Birgit Tell in der gut gefüllten Kirche St. Marien Burlage. Dort begrüßte sie nach längerer Zeit wieder einmal das „Trio Flauto dolce“ – Wiltrud Althoff-Stange, Blockflöten, Dr. Heike Garbe, Blockflöten/Querflöte, Barbara Gadow, Querflöte/E-Cembalo/Klavier. Als Gastmusikerinnen unterstützten das Ensemble Bettina Piwczyk, Fagott, die eigens für das Konzert aus Minden angereist war, sowie Karin Heintze, E-Cembalo.

Überhaupt hatte nicht nur die Fagottistin einige Kilometer zurückgelegt, sondern auch Besucher aus Herford, Düsseldorf, Saarbrücken oder Löhne, die sich diesen Hörgenuss nicht entgehen lassen wollten. Das Anliegen der Musikerinnen ist es nämlich, die Stücke so authentisch wie möglich zu spielen. Die hierbei entstandene Begeisterung, besonders für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, war ein wichtiger Impuls zur Gründung des „Trio Flauto dolce“. Das hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu Unrecht vergessene Werke und Kompositionen unbekannter alter Meister dem Konzertpublikum wieder zugänglich zu machen.

„Diesen Namen hat mit Sicherheit noch niemand von Ihnen gehört; er erscheint nicht im Barocklexika“, erläuterte Wiltrud Althoff-Stange zum Auftakt mit Blick auf William Corbett. Dessen Namen hatte sie als Kind in einer Flötenschule gesehen. „Und weil das Stück so schön war, habe ich gedacht: Auf diesen Namen muss ich achtgeben.“ Doch erst im Jahr 2000 entdeckte sie von dem Komponisten Noten in Tübingen und erfuhr im Vorwort, „dass nur dieses eine Heft mit sechs Sonaten übrig geblieben ist.“ Inzwischen habe man noch mehr Werke, wie ein Trio, gefunden. „Darum bemühe ich mich, aber es ist noch nicht verlegt“, kündigte die Flötistin lächelnd an. Im kongruenten Zusammenspiel eröffnete das Trio den Konzertabend dann mit drei Sätzen aus Corbetts „Sonata II“ - so schön, dass der Zuhörer sofort in diese barocke Musik versinken konnte.

Telemanns Werke erfordern von den Interpreten nicht nur technische Brillanz, sondern auch subtiles Stilgefühl. Von ihm brachten die Musikerinnen mit Karin Heintze am E-Cembalo – Gadow und Garbe griffen hier zur Querflöte und Althoff-Stange zur Altblockblockflöte – vier Sätze aus dem „Konzert a-moll“ zu Gehör.

Mit Johann Nepomuk Hummel erfolgte ein zeitlicher Sprung in die Klassik. Sein instrumententypischer Musikwitz, seine brillante wie feine Orchestrierung machen seine Werke zu unvergleichlichen Musikerlebnissen. So wurden auch die Sätze aus Hummels „Grand Concerto“ mit Bettina Piwczyk und Barbara Gadow am Klavier zum Hörgenuss der besonderen Art. Ein Stück, das den Interpretinnen ein hohes Maß an Können abverlangte und das beide bravourös meisterten.

Telemanns sechs Partiten bestehen immer aus einem Preludio und sechs Aria genannten Sätzen verschiedenartigen Charakters. Trotz dieser scheinbar formalen Gleichförmigkeit besticht dieser Zyklus durch einen einzigartigen Reichtum an Ideen. Aus diesem hatten Heike Garbe, Sopranblockflöte, und Karin Heintze, E-Cembalo, die Partita 5 e-moll gewählt, aus der sie voller Hingabe an die Musik die Arie vier, fünf und sechs spielten.

Joseph Bodin de Boismortiers ließ sich als der fruchtbarste Instrumentalkomponist seiner Zeit feiern. Von ihm hatte das „Trio Flauto dolce“ die viersätzige „Triosonate“ gewählt. Johann Gottlieb Janitschs Werke zeichnen sich durch einen expressiven Stil, originelle Themeneinfälle, reiche Harmonien, synkopische Rhythmen und raffinierte Verzierungstechniken aus. Als Schlusslicht ließ das Trio mit Heintze am E-Cembalo zwei Sätze aus Janitschs „Quadro G-Dur“ erklingen. Den Einfallsreichtum und die Individualität der Werke arbeiteten die Interpretinnen mit Leidenschaft so treffend heraus, dass eine kurzweilige Hausmusik aus dem Barock entstand, die in einer Zugabe mündete.

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