Unsichtbares wird sichtbar

Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ nutzt Augmented Reality System für Trinkwassernetz

Feldversuch mit dem neuen Augmented Reality System im Baugebiet in Brockum (v.l.): Kathrin Gröne, Nils Kirchhoff, Frank Glandorf, Rüdiger Scheibe und Lars Mentrup.
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Feldversuch mit dem neuen Augmented Reality System im Baugebiet in Brockum (v.l.): Kathrin Gröne, Nils Kirchhoff, Frank Glandorf, Rüdiger Scheibe und Lars Mentrup.

Die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ Lemförde hat die Daten ihres Trinkwassernetzes digitalisieren lassen und nutzt jetzt das Augmented Reality System „Trimble SiteVision“, um auch im Außeneinsatz auf diese Daten zugreifen zu können. Das System kann aber noch viel mehr.

Lemförde – Wassermeister Nils Kirchhoff hält ein handliches kleines Gerät mit runder Antenne, aufgestecktem Handy und Einbeinstativ in Richtung Baustelle, geht ein paar Schritte, wartet auf Empfang, geht noch ein paar Schritte. Dann ziehen sich plötzlich rote Linien durch das von der Handykamera aufgenommene Bild des neuen Baugebiets an der Kämper Straße in Brockum.

Sie zeigen den Verlauf der Trinkwasserleitungen unter der Erde. In diesem Fall stimmen die Daten nicht. Sie wurden nur zu Demonstrationszwecken ins System geladen. Doch künftig möchte die Samtgemeinde mithilfe dieses kleinen Geräts ihr gesamtes Trinkwassernetz noch effektiver im Blick haben und instand halten. „Das bringt viele Erleichterungen mit sich“, so Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Scheibe.

Das Gerät mit GPS-Empfänger und integrierter Vermessungstechnik ist Teil des Augmented Reality Systems „Trimble SiteVision“, das die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ seit Kurzem im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts mit dem Barnstorfer Ingenieurbüro Lambers & Ostendorf nutzt. Dabei wird durch die Kamera eines Smartphones die reale Welt aus Blick des Nutzers auf dem Bildschirm angezeigt, in die dann die Daten des digitalen Trinkwassernetzes projiziert werden. Sie umfassen die zentimetergenaue Darstellung des Leitungsverlaufs, der Standorte von Schiebern und Hydranten sowie weitergehenden Informationen, sofern diese im System hinterlegt sind. So kann die Infrastruktur im Untergrund anschaulich dargestellt werden, ohne dass Erdarbeiten nötig wären.

Die rote Linie zeigt auf dem Handy-Display zentimetergenau den unterirdischen Verlauf der Versorgungsleitungen.

Ausgangspunkt für die Nutzung des Systems war der Wunsch der Samtgemeinde, die bislang nur in Form alter Papierpläne vorliegenden Daten des Trinkwassernetzes zu digitalisieren. Mit der Aufmessung beauftragte sie das Barnstorfer Ingenieurbüro. Dabei kam der Wunsch des Wassermeisters zur Sprache, diese digitalen Daten auch im Außeneinsatz vor Ort zu nutzen. Das Barnstorfer Ingenieurbüro empfahl das Trimble-System.

Nils Kirchhoff hatte so etwas schon länger im Blick, allerdings hätte die benötigte Ausrüstung bislang mehr als 20 000 Euro gekostet. „Das wäre für unsere Zwecke völlig überdimensioniert gewesen“, weiß Kirchhoff. Das schlanke Augmented Reality System ist dagegen deutlich günstiger. Das Vermessungsgerät schlägt laut Ingenieur Frank Glandorf mit rund 3200 Euro zu Buche. Hinzu kommen Kosten für ein leistungsstarkes Handy. Die Software-Lizenz kostet jährlich 2000 Euro. Diese teilen sich Samtgemeinde und Ingenieurbüro momentan, da es sich um ein Pilotprojekt handelt.

Das System hat laut Kirchhoff viele Vorteile. So können die Mitarbeiter des Wasserwerks bei einem Leck schnell und punktgenau die Schieber lokalisieren, mit denen die Wasserzufuhr getrennt werden kann. In den Baugebieten, in denen alles gepflastert ist, war das laut Nils Kirchhoff auch in der Vergangenheit kein Problem. In den Außenbereichen aber seien die Bereiche der Schieber zum Teil zugewachsen oder unter Schotter begraben. „Da haben wir schon mal eine dreiviertel Stunde gebraucht, um den Schieber zu finden“, blickt Kirchhoff auf die Zeit der Papierpläne zurück.

Ein weiterer Vorteil: Die Samtgemeinde kann neue Versorgungsleitungen beispielsweise bei der Erschließung eines Baugebiets künftig selbst aufmessen und muss nicht mehr ein Vermessungsunternehmen beauftragen. Die Vermessungsdaten pflegt das Ingenieurbüro Lambers & Ostendorf anschließend ins System ein.

Die digitalisierten Daten des Trinkwassernetzes werden in einem lokalen Geoinformationssystem und im GeoWeb des Landkreises Diepholz zur Verfügung gestellt. Zugriff haben zum einen natürlich die Mitarbeiter der Samtgemeinde. Außerdem soll die örtliche Feuerwehr digital auf die Standorte der Hydranten zugreifen können. „Das war auch ein Wunsch der Feuerwehr“, so Scheibe. Bislang habe sie jährlich eine analoge Aufstellung der Hydranten bekommen. Die Daten zum Leitungsverlauf können auch Bauunternehmen zur Verfügung gestellt werden, um Beschädigungen zu vermeiden.

In das Informationssystem könnten über das Trinkwassernetz hinaus viele weitere Daten integriert werden, beispielsweise zur Darstellung von Bebauungsplänen oder Grundstücksgrenzen. Sogar voll texturierte 3D-Modelle von geplanten Bauwerken können auf dem realen Bauplatz zentimetergenau in Originalgröße projiziert werden. So könnten zum Beispiel Bauherren sehen, wie ihr künftiges Wohnhaus auf dem Grundstück wirkt. Letzteres ist allerdings eher etwas für Architekten als für die Samtgemeinde. Sie beschränkt sich vorerst auf das Trinkwassernetz.

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