Verbindlichkeit wurde vertagt

Lemförder Tourismusausschuss diskutiert über Sinn von Gutachten, Zielvorgaben und Schildern

Die Gäste strömen wieder in Massen an den Dümmer. Das hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Gastronomie-Landschaft, sondern bringt in einigen Bereichen auch die Infrastruktur an ihre Grenzen.
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Die Gäste strömen wieder in Massen an den Dümmer. Das hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Gastronomie-Landschaft, sondern bringt in einigen Bereichen auch die Infrastruktur an ihre Grenzen.

Diskutiert wurde im jüngsten Tourismusausschuss der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ viel ‒ entschieden wurde wenig.

Lemförde – Gastronomie, Verbesserung der Rad- und Wanderwege, Deichertüchtigung, Marketing, Vernetzung der Touristiker – diskutiert wurde im Tourismusausschuss der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ über diese Themen viel, konkrete Entscheidungen gab es wenig. Die SPD-Fraktion wünscht sich, dass damit endlich Schluss ist. „Wenn man sieht, welche Entwicklung der Tourismus genommen hat, ist es an der Zeit, aus Unverbindlichkeiten Verbindlichkeiten zu machen“, leitete der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiner Richmann in der Sitzung am Donnerstag die Vorstellung des schon im Januar 2020 eingereichten Antrags ein, der es erst jetzt auf die Tagesordnung geschafft hatte. Es sei wichtig, gemeinsam mit allen Akteuren klare Ziele zu formulieren, die verbindlich umgesetzt werden.

Um es vorwegzunehmen: Nach ausgiebiger Diskussion – die Sitzung dauerte drei Stunden – wurde die Verbindlichkeit auf nächstes Jahr verschoben. Richmann bat, den SPD-Antrag zurückzustellen, bis ein von mehreren Akteuren am Dümmer bereits geplantes Gutachten vorliegt. Denn ein solches Gutachten, das die Vernetzung der im Tourismus aktiven Akteure, die Förderung regionaler Produkte, die Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Naturpark Dümmer, die Ertüchtigung der touristischen Infrastruktur und des ÖPNV berücksichtigt und touristische Entwicklungsziele herausarbeitet, ist auch Kern des SPD-Antrags.

Ziel des schon geplanten Gutachtens ist es laut Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Scheibe, mithilfe einer Ist-Analyse, Workshops und Befragungen ein Tourismus-Konzept für die Region zu erarbeiten. So ein Konzept sei ganz wesentlich bei der Akquise von Fördermitteln.

Gastronom Thorsten Finke teilt zwar die Forderung Richmanns nach mehr Verbindlichkeit in den touristischen Zielen, ihm fehlt aber der Glaube, dass dabei auf die Politik Verlass ist. Einige von Richmann angesprochene Punkte sind aus Finkes Sicht – und da teilt er die Auffassung Jürgen Hages (FDP) – auch gar nicht Aufgabe der Politik. „Vieles regelt die Marktwirtschaft“, ist Finkes Überzeugung. Gemeint sind unter anderem Kundenfreundlichkeit, Bewerbung regionaler Produkte oder Öffnungszeiten der Gastronomie im Winter. Das unterstreicht auch Rüdiger Scheibe. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen.“ Aber was am Dümmer angeboten werde, sei Sache der Privatwirtschaft. Wenn man feststelle, dass etwas fehle, finde sich ein privater Unternehmer, der es anbiete.

Jürgen Hage würde sich weniger Gutachten und Tourismus-Organisationen, die nebeneinander arbeiten, wünschen und mehr Geld für investive Maßnahmen in den wachsenden Wirtschaftszweig Tourismus.

Einig waren sich die Diskutierenden darin, dass der nur ein- bis zweimal im Jahr tagende Tourismusausschuss nicht der richtige Ort ist, um Projekte voranzutreiben. Stammtische oder regelmäßige Treffen von Akteuren mit gemeinsamen Interessen seien zielführender.

Nägel mit Köpfen machten die Ausschussmitglieder – nach langer Diskussion über die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit von noch mehr (Verbots-)Schildern – nur bei zwei Anträgen der CDU-Fraktion: Sie votierten dafür, ein Drittel jedes Strandes in Lembruch und Hüde als Nichtraucherstrand auszuschildern, und Radfahrer zwischen Lembruch und Hüde über die „Hohe Sieben“ umzuleiten, um den Verkehr auf dem Deich in diesem Bereich zu reduzieren – wohlwissend, dass vermutlich nur ein geringer Teil der Besucher den Hinweisen folgen wird.

Apropos Deichweg: Scheibe teilte mit, dass die Samtgemeinde drei Planungsbüros aufgefordert hat, ein Angebot für die Planung eines Radwegs mittels Ausbaus der Deichkrone zwischen Lembruch und Hüde abzugeben. Wie berichtet, kommt es dort insbesondere an Wochenenden und Feiertagen immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern.

Bezüglich des geplanten Bürgerradwegs entlang der Düversbrucher Straße laufen laut Scheibe Gespräche mit dem Verein „Unser Bruch“ und dem Landkreis Diepholz. Der Vereinsvorsitzende verhandele derzeit mit den Grundstückseigentümern wegen der benötigten Flächen. „Sobald der Streckenverlauf fix ist, werden wir den Planungsauftrag erteilen“, so Scheibe.

In Sachen Verbesserung des ÖPNV könnte sich ebenfalls etwas tun. Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen / Niedersachsen (ZVBN) hat laut Scheibe im Rahmen eines Modellprojekts einen Antrag zur Verbesserung der Bus-Linie 129 gestellt, die vom Lemförder Bahnhof bis zum Diepholzer Bahnhof verkehrt. Sollte der Antrag genehmigt werden, würde eine zusätzliche Haltestelle beim Marissa-Ferienpark hinzukommen. Außerdem würde die Linie an Wochenenden von 9 bis 17 Uhr im Zwei-Stunden-Takt in beide Richtungen fahren und werktags (auch in den Ferien) in einstündigem Takt.

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