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Zahlen explodieren - jetzt will die Dümmer-Region eigenständig sein

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Von: Melanie Russ

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Der Marissa-Ferienpark in Lembruch hat der Dümmer-Region 2021 einen so nicht erwarteten Besucheransturm beschert.
Der Marissa-Ferienpark in Lembruch hat der Dümmer-Region 2021 einen so nicht erwarteten Besucheransturm beschert. © Marissa Ferienpark

Die Zahl der Gäste-Übernachtungen in Lembruch hat sich 2021 mit fast 254 000 Bettenbelegungen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Der unerwartete Boom veranlasst die Touristiker vor Ort, beim Land Niedersachsen erneut für eine Vermarktung als eigenständige Urlaubsregion zu werben.

Hüde/Lembruch – Ist das ein Tippfehler? Kann das sein? Der Blick auf die Gäste-Übernachtungen des vergangenen Jahres allein für Lembruch lässt einen staunen. Fast 254 000 Übernachtungen verzeichnet das Landesamt für Statistik – gut dreimal mehr als 2020 (82 342). Keine Region in Deutschland hatte einen höheren Zuwachs. 2019 waren es noch 79 000 Übernachtungen. Und Jessica Weßling, Tourismusmanagerin der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“, schätzt, dass es 2020 sogar noch 30 000 Übernachtungen mehr waren, da Betriebe mit weniger als zehn Betten in der Statistik nicht berücksichtigt werden. Hinzu kommen die Gäste, die in den benachbarten Orten einkehren.

Die Zahl der Menschen, die in Lembruch eingecheckt haben, hat sich mit 63 320 (2020: 24 180) mehr als verdoppelt. Das zeigt: Es kommen nicht nur deutlich mehr Gäste an den Dümmer, sie bleiben auch länger. Wesentlicher Faktor dabei ist der Marissa-Ferienpark, dessen Ferienwohnungen und -häuser inzwischen fertiggestellt sind.

Dümmer so beliebt wie nie: Und nun?

Die Dümmer-Region ist momentan so beliebt wie noch nie. Doch macht sie auch das Beste aus ihren Möglichkeiten? Zum einen hinkt die Verbesserung der Infrastruktur dem so nicht erwarteten Besucheransturm hinterher. Das reicht von Sitzbänken und Beleuchtung über eine moderne Tourist-Info bis zum Ausbau des Radwegenetzes. Hier wollen Verwaltung und Räte in den nächsten Jahren zügig nachbessern.

Zum anderen ist da die überregionale Vermarktung der Region, deren Einzugsgebiet sich insbesondere durch den Ferienpark deutlich vergrößert hat. Hier muss sich einiges tun, findet Jürgen Hage, FDP-Ratsherr und Touristiker in Hüde. Im Blick hat er insbesondere die Internetseite www.reiseland-niedersachsen.de der Tourismus Marketing Niedersachsen (TMN) des Landes. Wer dort gezielt nach dem Dümmer sucht, erhält viele Treffer, doch wer sich inspirieren lassen möchte, der muss einige Male klicken, bevor er den Naturpark Dümmer als Rubrik entdeckt.

Bessere Vermarktung durch Eigenständigkeit

Für Jürgen Hage ist das angesichts der jüngsten Entwicklung ein unhaltbarer Zustand. Er wünscht sich eine Darstellung des Dümmerweserlands als eigenständige Urlaubsregion. Darum holte er die FDP-Landtagsfraktion ins Boot, die nun eine Kleine Anfrage zum Thema an die Landesregierung gerichtet hat.

Mit seinem Wunsch ist Hage nicht allein. Andere Touristiker sehen das ebenso, und auch Jessica Weßling und Dorothea Schneider, Geschäftsführerin der Dümmerweserland Touristik, verfolgen dieses Ziel. „Für die touristischen Akteure der Region ist das schon wichtig“, sagt Schneider. „Aber das ist ein hartes Brett“, weiß sie aus Erfahrung. Weßling und Schneider hatten 2019 die TMN-Geschäftsführerin, Meike Zumbrock, an den Dümmer eingeladen, um ihr zu zeigen, was die Region zu bieten hat. „Auch das brachte nicht den gewünschten Effekt, von daher begrüße ich den jetzigen Schritt der FDP, dieses Thema auf politischer Ebene noch einmal anzugehen“, so Weßling.

Für die Touristiker am Dümmer sei vor allem wichtig, auf Landesebene wahrgenommen und anerkannt zu werden – sprich kein „grauer Fleck“ auf der Landkarte zu sein. „Der Wirtschaftsfaktor Tourismus, der an Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee große Bedeutung hat und noch weiter wächst, könnte viel deutlicher dargestellt werden“, findet Weßling. Es wäre wünschenswert, wenn das komplette Dümmerweserland als eigenständige Region auf der Seite der TMN dargestellt würde und nicht nur Einzelangebote.

Die jüngste Entwicklung gibt das aus Sicht der beiden Tourismus-Expertinnen absolut her. „Die touristische Ausgangslage ist eine andere geworden“, sagt Dorothea Schneider insbesondere im Hinblick auf den Marissa-Ferienpark. Mit Blick auf die Verdreifachung der Übernachtungen, obwohl die touristischen Betriebe durch die Corona-Beschränkungen fast ein halbes Jahr nahezu komplett geschlossen waren, sagt Weßling: „Ich bin der Meinung, dass das schon ein starkes Argument ist.“ Auch vom Trend, in Deutschland Urlaub zu machen, in der Natur und aktiv sein zu wollen, profitiere der Dümmer.

TMN: Entwicklung positiv wahrgenommen

Bei der TMN ist man in der Frage nach einer eigenen Region noch zurückhaltend. „Natürlich haben wir die veränderten statistischen Zahlen aus der Region sehr positiv wahrgenommen. Wie eine weitere Entwicklung und Zusammenarbeit aussehen kann, muss in Gesprächen geklärt werden“, erklärt Geschäftsführerin Meike Zumbrock auf Nachfrage dieser Zeitung.

Während die Dümmer-Touristiker eine eigene Urlaubsregion als wesentlich erachten, spielt eine geografische Zuordnung auf einer Website nach Einschätzung der TMN nur eine sehr marginale Rolle. „Unsere Urlauber kommen über gezielte Suchbegriffe auf die Webseite Reiseland Niedersachsen. Dort finden sie dann auch zahlreiche Inhalte zur Dümmer-Weser-Region“, erklärt Zumbrock. „Erfahrungsgemäß sucht man nicht spezifisch nach Regionen, sondern vielmehr nach Themen oder Naturlandschaften. Zu der Region werden sehr viele unterschiedliche Inhalte ausgespielt, über den Naturpark, der Tourist-Information, Museen, Aktivitäten in der Natur bis hin zum Marissa-Ferienpark. Alles ist mit dabei.“

Kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion zur Stärkung des Tourismus in der Dümmerregion

In ihrer Kleinen Anfrage erbitten die FDP-Abgeordneten Jörg Bode, Marco Genthe und Hermann Grupe Auskunft über die Entwicklung des Fremdenverkehrs im Naturpark Dümmer und eine detaillierte Einschätzung der Landesregierung dazu, welche touristische Bedeutung diese Urlaubsregion aus ihrer Sicht hat. Außerdem wollen sie wissen, ob die Landesregierung das bisherige Engagement des Landes bei der Vermarktung der Urlaubsregion Dümmerweserland für ausreichend hält, welche Möglichkeiten sie für eine eigenständige Darstellung der Region bei der TMN sieht und inwieweit die Region bundesweit und in den Nachbarstaaten stärker beworben werden kann.

Und sie sprechen ein weiteres Thema an, das seit Jahren für Gesprächsstoff sorgt: die Verbreiterung des Deichkronenwegs, der insbesondere zwischen Hüde und Lembruch an schönen Tagen häufig überlaufen ist. Ein von der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ beauftragtes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass eine Verbreiterung des zwei Kilometer langen Abschnitts möglich, aber kostspielig wäre (wir berichteten).

Neben der technischen Machbarkeit steht auch die Frage im Raum, wer eigentlich für was zuständig ist. Das Land Niedersachsen als Eigentümer des Sees, der für den Hochwasserschutz verantwortliche Landkreis Diepholz und die Samtgemeinde als Anrainer stehen zur Auswahl. Die FDP-Abgeordneten wünschen klare Auskunft darüber, wem der Deichkronenweg gehört, wer ihn unterhalten muss und ob sie den jetzigen Zustand für ausreichend hält. Und sie wünschen sich eine Klarstellung, ob es sich bei der Dümmer-Eingrenzung nun um einen Deich handelt oder um eine Verwallung, die nicht die hohen Auflagen eines Deiches erfüllen muss, was für einen Ausbau relevant wäre. Hintergrund ist die Frage, wer einen Ausbau bezahlen müsste.

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