Teichbinsen prägten das Bild des Dümmer und sind heute fast verschwunden

Eine Pflanze mit Seltenheitswert

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Teichbinsen gehörten früher zum Dümmer-Bild dazu. Das Foto zeigt Samenstände von Teichbinsen im aufgeweiteten Ompteda-Kanal im Naturschutzgebiet Hohe Sieben.

Hüde - Neben dem Schilf war früher die Teichbinse eine prägende Pflanze für den Dümmer. Die Verbreitung dieser Röhrichtpflanze spiegelt sich auch im Titel des Buches „Der große Binsensee“ des Schiftstellers Walter von Sanden-Guja wieder. Als das Buch im Jahr 1953 veröffentlicht wurde, war der See gerade erst eingedeicht worden und befand sich noch in einem guten ökologischen Zustand.

Zu dieser Zeit waren über 200 Binseninseln über den See verteilt, deren Größe manchmal nur wenige Quadratmeter erreichte, zum Teil aber auch die eines Fußballplatzes. Mit zunehmenden Nährstoffeinträgen und der sich daraus entwickelnden Verschlammung, der Veränderung der Wasserstände infolge der Eindeichung und weiteren, teils unbekannten Faktoren, die sich insgesamt negativ auf die Pflanzenwelt auswirkten, nahm der Binsenbestand im Dümmer rasch ab.

In den 1980er Jahren gab es bereits weniger als 40 Binseninseln. Aktuell besitzt die Teichbinse im Dümmer Seltenheitswert. Die im Freiwasser stehenden Inseln sind gänzlich verschwunden und auch in den Uferbereichen finden sich nur noch wenige Einzelpflanzen.

Mit der Teichbinse ist auch ein wichtiger Lebensraum verschwunden, in dem früher viele Tierarten sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche einen Brut- oder Laichplatz sowie Versteckmöglichkeiten fanden. Und auch das alte Handwerk der Binsenflechter, die die jungen Halme nutzten, um damit Stühle zu bespannen, ist am Dümmer mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD) veranstaltet seit 2012 in Zusammenarbeit mit der Gartenbauingenieurin Reinhild Schrader-Möller aus Hüde ein Projekt zur Förderung der Teichbinse am Dümmer. Dabei werden aus Samen, die aus Restbeständen in der Dümmerregion gewonnen werden, Teichbinsen herangezogen und in einer Bucht am Hafen der Seglervereinigung Hüde ausgepflanzt. Zum Schutz vor Fraßschäden durch Wasservögel und andere Tiere werden die Pflanzungen über und unter Wasser gezäunt.

Hier zeigen sich gute Erfolge beim Wachstum der Pflanzen im Dümmer. Die Versuche sollen fortgeführt werden, um nähere Erkenntnisse über die Anpassung der Teichbinse an die aktuellen Wasserstände und die Wasserqualität zu gewinnen. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt im Rahmen des Kooperationsvertrags der NUVD mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Eine erfreuliche Entwicklung gab es am Ompteda-Kanal im Naturschutzgebiet Hohe Sieben. Das stark verlandete und nur noch etwa zwei Meter breite Gewässer wurde im Jahr 2011 von der NUVD auf eine Breite von rund 20 Metern aufgeweitet. Zwar wuchsen hier keinerlei Teichbinsen mehr, jedoch wurden bei den Baggerarbeiten offenbar alte Samenbestände im Boden freigelegt, die anschließend keimen konnten. Mittlerweile sind auf der gesamten aufgeweiteten Uferstrecke Teichbinsen vorhanden, die sich ausbreiten und so der Rohrdommel und anderen Röhrichtvögeln einen Lebensraum bieten können.

Auch am neuen Schilferlebnis- und Beobachtungssteg, den der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Naturschutzgebiet Hohe Sieben errichtet hat, wurden im Zuge der Bauarbeiten alte Samenbestände an die Bodenoberfläche befördert, sodass der Steg nun nicht nur von Schilf, sondern auch von Teichbinsen gesäumt wird.

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