Neue Farben werden produziert

Die Tattoo-Welt bleibt bunt: Tätowierer Peter Polus kritisiert Gerüchte über Farb-Verbot

Tätowierer Peter Polus hat sich bereits mit neuen Tattoo-Farben eingedeckt und kann darum weiterarbeiten.
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Tätowierer Peter Polus hat sich bereits mit neuen Tattoo-Farben eingedeckt und kann darum weiterarbeiten.

Lemförde – Nur noch schwarze Tattoos. Tattoo-Studios müssen schließen. Diese und ähnliche Schlagzeilen in allen Medien sorgen derzeit für helle Aufregung bei den Anhängern dieser Körperkunst. Peter Polus, der in Lemförde an der Hauptstraße das Tattoo-Studio Buntwerk betreibt, ärgert sich maßlos über solche Nachrichten. Denn sie vermitteln ein falsches Bild und verunsichern seine Kunden.

„Es wurde leider sehr viel Panik gemacht. Viele denken jetzt, Tattoos sind verboten oder es sind nur noch schwarze Tattoos erlaubt“, beklagt er. Der Tätowierer ärgert sich aber nicht nur über die Medien, die aus seiner Sicht nicht differenziert genug berichten, sondern auch über Kollegen, die mit ihren Aussagen solche Nachrichten schüren.

Denn so trist und grau, wie es manche darstellen, sind die Aussichten nach Einschätzung von Peter Polus gar nicht. „Es gibt sieben Farbenhersteller, davon sind drei neu auf dem Markt.“ Alle hätten ihre Farben überarbeitet, zum Teil seien neue, REACH konforme Farben schon auf dem Markt.

Die EU hat mit der Anpassung der europäischen Chemikalienverordnung REACH ab dieser Woche Farben mit bestimmten Konservierungs- und Bindemitteln verboten mit der Begründung, sie könnten Allergien auslösen. Ab 2023 sollen außerdem mit „Blau15“ und „Grün7“ zwei Pigmente verboten werden, die sich in vielen Tattoo-Farben befinden. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Aussagekräftige Studien dazu gibt es allerdings nicht.

REACH-Verordnung

REACH ist eine Verordnung der EU, die erlassen wurde, um den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor Risiken durch Chemikalien zu verbessern. REACH gilt für alle chemischen Stoffe, die in industriellen Prozessen verwendet werden und sich in Gegenständen des täglichen Lebens wie Kleidung, Reinigungsmittel, Möbel oder Farben finden. Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) tragen die Unternehmen die Beweislast. Das heißt, sie müssen gegenüber der ECHA aufzeigen, wie ihre Stoffe sicher verwendet werden können. REACH steht für „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“ (Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe).

Das Verbot der beiden Pigmente bereitet vielen Tätowierern besonders große Sorgen. „Viele Hersteller sagen, dass diese Pigmente nicht durch andere ersetzt werden können“, erklärt Polus. Er selbst ist diesbezüglich ganz entspannt. Die große Skepsis einiger Kollegen kann er nicht nachvollziehen. Man könne nicht immer an Altem festhalten, man müsse auch bereit sein, sich zu verändern, und neue Entwicklungen mitgehen. Dass Farben vom Markt genommen und weiterentwickelt würden, sei nichts Neues. „Das gibt es schon seit 20 Jahren.“

Der Lemförder Tätowierer hatte sich frühzeitig REACH konforme Testfarben besorgt und im November die ersten Tattoos damit gestochen. Er ist sehr zufrieden. „Ich kann mit den Farben super arbeiten“, sagt er. Sie seien zum Teil sogar besser als die alten. „Die Farben sind auch super leuchtstark.“ Von seinen Kunden habe er noch keine Rückmeldungen über Unverträglichkeiten oder sonstige Probleme bekommen.

Eine breite Palette an REACH konformen Farben steht im Tattoo-Studio Buntwerk bereit.

Dass viele Tattoo-Studios aktuell geschlossen sind, weil sie keine zugelassenen Farben haben, ist nach Polus’ Einschätzung auch selbst verschuldet. „Viele haben auf die Petition gesetzt, statt sich rechtzeitig Ersatzfarben zu besorgen.“ Mit der Online-Petition wollten Tätowierer und Tattoo-Fans erreichen, dass die Farben nicht verboten werden. Und jetzt gebe es einen Lieferengpass, weil auf einmal alle Tätowierer neue Farben brauchten. Hinzu komme, dass die Hersteller momentan Probleme hätten, genügend Rohstoffe und Flaschen zu bekommen.

Peter Polus hat sich der Hoffnung auf die Petition nicht hingegeben und setzt lieber auf Pragmatismus. Aber so richtig glücklich ist auch er nicht mit der Situation. „Man ist eh schon angeschlagen vom Lockdown.“ Im Sommer habe es ein kleines Loch gegeben, weil viele die Zeit für eine Urlaubsreise genutzt hätten. Und dann stiegen die Infektionszahlen wieder. Die ständig neuen Corona-Verordnungen und das Wirrwarr um 3G, 2G und 2Gplus haben Polus das Leben nicht gerade leichter gemacht. Zwar sei er berechtigt, bei seinen Kunden Coronatests zu machen, doch viele hätten keine Lust, sich wegen eines Piercings oder eines Tattoos testen zu lassen, und viele seien auch nicht geimpft. „Seit Dezember merke ich, dass es deutlich weniger geworden ist.“ Seine Mitarbeiterin hat er inzwischen in Kurzarbeit geschickt.

Nun zieht das Verbot einiger Farben weitere Mehrkosten nach sich. Zum Jahresende habe er Altbestände im Wert von 600 Euro entsorgen müssen, berichtet Polus. „Und die neuen Farben sind aktuell mindestens doppelt so teuer.“ Zum Teil würden für ein 30-ml-Fläschchen, das bisher 13 bis 16 Euro gekostet habe, 45 Euro verlangt. Das schlägt sich natürlich auch in den Kosten der Tattoos nieder. Ob sich die Farb-Preise irgendwann wieder auf niedrigerem Niveau einpendeln, wird die Zeit zeigen müssen.

Von Melanie Russ

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