Den Tagen mehr Leben geben

Ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst feiert 25-jähriges Jubiläum

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Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter des Ambulanten Hospizdienstes Lemförde freuen sich aufs Jubiläum.

Lemförde - Von Melanie Russ. Allen Menschen ein gutes Sterben ermöglichen – so beschreibt Silke Hülsmann, Koordinatorin und Palliative Care Fachkraft beim Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst in Lemförde, die Idee, die hinter der Hospizbewegung steht. „Wir sind noch lange nicht so weit“, weiß sie. In Lemförde besteht der von der katholischen Kirche getragene Dienst seit 25 Jahren. Das soll am Wochenende gefeiert werden.

Anfang der 1990er-Jahre hätten die Verantwortlichen der katholischen Kirchengemeinde Zu den Heiligen Engeln in Lemförde Pionierarbeit geleistet, blickt Hülsmann zurück. Das Sterben habe sich zuvor verändert. Die Menschen seien immer häufiger in Krankenhäusern statt zu Hause gestorben. In den Krankenhäusern aber habe mancherorts die Sensibilität für die Bedürfnisse der Sterbenden gefehlt.

1992 gründete sich in Lemförde ein Förderverein mit dem Ziel, Hospizarbeit finanziell zu unterstützen. Ein Jahr später begannen die Clemensschwestern Irmtrudis und Irmhild zusammen mit zahlreichen Ehrenamtlichen, die Idee von der hospizlichen Haltung in die Region zu tragen. Vorrangiges Ziel war, dass Schwerkranke möglichst lange zu Hause gepflegt werden können. Sie machten sich dabei einen der Leitsätze von Cicely Saunders, Gründerin des ersten Hospizes in London, zu Eigen: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben zu geben.“

Von 1994 bis 2004 betrieb die katholische Kirchengemeinde zusätzlich zum ambulanten Dienst eine Hospizwohnung, in der knapp 60 sterbende Menschen stationär begleitet wurden. Heute unterstützen die aktuell 35 ehrenamtlichen Hospizbegleiter und hauptamtliche Mitarbeiter Schwerkranke und deren Angehörige im häuslichen Umfeld, in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Ihr größtes Geschenk ist Zeit: Zeit zum Zuhören, zum Vorlesen und manchmal einfach nur Dasein und Hand halten.

Das ist nach Einschätzung von Silke Hülsmann in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Denn nicht nur werden immer mehr Menschen immer älter. „Ich habe auch das Gefühl, dass die Gesellschaft kälter wird.“ Es gebe viele Menschen, die alleine alt würden – sei es zu Hause oder im Seniorenheim –, die niemanden hätten, der ihnen zuhöre, und die selbst nicht mehr auf andere Menschen zugehen könnten. „Aber alte Menschen, die Familienangehörige und Freunde verloren haben, haben viel Trauer in sich. Ich bin davon überzeugt, dass die gesehen werden will.“

Vor diesem Hintergrund stellt sich der Koordinatorin auch die Frage, wann Hospizbegleitung beginnen sollte. Sie würde sich wünschen, dass sich die Menschen frühzeitig an einen Hospizdienst wenden, wenn das Lebensende eines Angehörigen etwa aufgrund einer schweren Krankheit absehbar ist, und nicht erst, wenn der Mensch im Sterben liegt. So könne der Hospizbegleiter ihn kennenlernen und erfahren, was ihm wichtig sei, erklärt Hülsmann.

Sie würde sich auch eine noch engere Kooperation mit Pflegeheimen wünschen. Die Hospizbegleiter könnten dort das ohnehin überlastete Pflegepersonal unterstützen.

Die Ehrenamtlichen sind aber nicht nur für die Sterbenden da. „Ich finde es schade, dass Hospiz immer mit Tod verbunden wird“, so Hülsmann. Hospizbegleiter kümmern sich auch um die Angehörigen, hören ihre Sorgen, geben ihnen Rat und den Freiraum, mal etwas Zeit für sich zu haben.

Das Jubiläum feiert der Hospizdienst mit zwei Veranstaltungen. Morgen beginnt um 18 Uhr ein ökumenischer Festgottesdienst mit Generalvikar Theo Paul, dem Initiator der Hospizbewegung in Lemförde, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Nach Grußworten gibt es bei einem Imbiss die Möglichkeit der Begegnung. Am Sonntag wird im Rahmen des Pfarrfestes der katholischen Kirchengemeinde mit dem Festgottesdienst ab 10.30 Uhr weitergefeiert. Auch dann ist bei Gegrilltem, Kaffee und Kuchen Zeit für Gespräche. Die Veranstaltung endet gegen 16 Uhr.

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