Informationsveranstaltung zu Alternative für die Dümmer-Sanierung

„Stoppt den Irrsinn des teuren Schilfpolderbaus“

Alternative Methoden zur Sanierung des Dümmers waren Themen in einer Informationsveranstaltung gestern Nachmittag in Dümmerlohausen mit Politikern, Kritikern des geplanten Schilfpolders, Anrainern und Interessierten. -  Foto: Brauns-Bömermann

Dümmerlohausen/Lembruch - Die Wasseraufbereitung der mit hohen Phosphatfrachten belasteten Hunte soll viel günstiger möglich sein, als durch den nun bereits seit mehr als 30 Jahren geforderten und aktuell in der Planung befindlichen Großschilfpolder am Dümmer. Jedenfalls, wenn es nach Franz Meyer-Holzgräfe aus Damme und Lüder Strahmann aus Barnstorf geht.

Grundlage: Strahmanns Neuentwurf des WST-Konzeptes (Wirbel Symmetrie Technologie). Der Einladung von Meyer-Holzgräfe nach Dümmerlohausen zur Information über die Methode zur Wasseraufbereitung durch mechanisch-physikalisch Filterung mittels geschichteter Filter waren gestern Nachmittag rund 40 Gäste gefolgt. Mit ins Boot bekam der Initiator zahlreiche Politiker aus den Anrainer-Landkreisen: Landtagsvizepräsident Karl-Heinz Klare, die Landtagsabgeordneten Volker Meyer, Christian Calderone, Clemens Lammerskitten und Gerda Hövel (alle CDU). Der umweltpolitische Sprecher der CDU im Landtag, Martin Bäumer, war unter den Gästen, er hörte sehr genau hin, um die Anliegen der Flächenbesitzer, die durch den Flächenankauf für den Schilfpolder unmittelbar tangiert sind, mit nach Hannover zu nehmen.

Der Veranstaltung waren ein Leserbrief von Meyer-Holzgräfe in der Oldenburgischen Volkszeitung zum Thema Schilfpolder und „eventuelle neue Methoden zur Reinhaltung des Dümmer Sees“ und eine Petition an politische Vertreter mit der Bitte zur Anhörung vorausgegangen.

„Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Nur wenn beides vereint wird, wird ein Schuh daraus“, startete Meyer-Holzgräfe. Er appellierte drastisch: „Stoppt den Irrsinn des teuren Schilfpolderbaus.“ Gemeint war der millionenschwere Schilfpolder, dessen Effizienz im Verlauf der Infoveranstaltung hinterfragt wurde.

„Wir sind alle keine Fachleute, sondern Politiker, die sich informieren möchten“, machte Christian Calderone deutlich, „wir werden heute nichts entscheiden, aber Anregungen mitnehmen“.

An der Wand hing eine grobe Planung einer Filterkonzeption für die Hunte im Bereich Schäferhof zur Wasseraufbereitung durch den Anbieter Strahmann. Er versuchte mit der Idee ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis des Reinigungsansatzes im Vergleich zum Schilfpolder vorzustellen. Zwar umfasst der Dümmersanierungsplan derzeit 17 Punkte, unter denen ist der Punkt drei: „Darstellung und Diskussion alternativer (innovativer) Möglichkeiten zur Bekämpfung der Eutrophierung im Dümmer“. Dieser Punkt werde derzeit noch nicht genügend von den Fachbehörden berücksichtigt.

Strahmann hatte sich nach ersten Versuchen am Dümmer in den Jahren 2013/14 mit reinem Düsensystem und Sauerstoffanreicherung nach dem Vorbild des österreichischen Naturforschers Viktor Schauberger an die Weiterentwicklung der Einzelkomponenten gemacht und ein Filtersystem entwickelt. Sein Urteil nach Fachlektüre zu der Funktionsweise des Großschilfpolders fiel verheerend aus: „Teuer, ineffizient, inflexible, geprägt durch massive Eingriffe in die Fläche, viel zu lange Vorlaufzeit bis zur Funktionstüchtigkeit und nicht ganzheitlich“. Zudem kritisierte er die angebliche Lebensdauer von nur fünf bis 15 Jahren, nach der der Polder saniert oder neu gebaut werden müsse.

Ihm war klar, dass er konträr der Meinung des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stand, das seine Ideen für noch nicht wissenschaftlich genügend bewiesen hielt. Die Kosten für den Anlagenbau der Filter am Schäferhof betitelte Strahmann auf ein bis zwei Millionen Euro plus jährlicher Kosten für Unterhaltung und Betrieb mit bis zu einer Million Euro. Sein Vorschlag: Ein einjähriges Testprojekt in der finanziellen Größenordnung für Anlage und Unterhaltung von 100 000 Euro. Zustimmung gab es aus dem Forum: „Gibt es für die Summe keine Fördergelder?“. Drastischer war die Forderung von Meyer-Holzgräfe: „Wenn wir diesen Versuch nicht wagen, ist das bösartig dem Steuerzahler gegenüber“.

CDU-Politiker Martin Bäumer positionierte sich so: „Ich möchte, dass wir alternativen Ansätzen in den Fachbehörden mehr Gehör verschaffen“. Er schlug ein Treffen mit dem NLWKN vor und kritisierte die fehlende Offenheit für „Neues“ und „Innovation“ bei der Behörde.

Hermann Steuwer, Verbandsvorsteher Unterhaltungsverband 70 „Obere Hunte“ brachte Ruhe in die Diskussion: „Wir versuchen im Oberlauf der Hunte alles uns Mögliche, um die Phosphat-Fracht zu verringern“. Gemeint waren Landwirtschaftliche Beratung zu Gewässerrandstreifen und Düngeplänen, Sandfänge, Flurbereinigung, Nitratfällanlagen und Abschlag in den Mittellandkanal zur Verbesserung der nachhaltigen Wasserqualität des Binnensees. Seine finale Forderung allerdings, die Polderflächen von der östlichen Seite der Kreisstraße 422 zu generieren, wird wohl nicht auf offene Ohren beim Naturschutz treffen. Einigkeit herrschte, dass nur eine planvolle Verknüpfung aller Aktivitäten zu einem langfristigen Erfolg bei der Sanierung des Dümmers führen könne. Deshalb sei es notwendig, die in dem 17-Punkte-Plan zusammengefassten Maßnahmen zu kombinieren, aber eben auch Alternativen denken zu dürfen. - sbb

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