Karin Becker und Cora Kynast neue Trauerbegleiterinnen in Lemförde

Im Stillen arbeiten und Großartiges vollbringen

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Die Lemförder Trauerbegleiterinnen mit Koordinatorin Silke Hülsmann (2.v.r.): Schwester Irmhild Espendiller (v.l.), Karin Becker und Cora Kynast. Es fehlt Petra Eickhoff.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Sie sind Menschen, die im Stillen arbeiten, Großartiges vollbringen und Gutes tun, ohne dass die Öffentlichkeit in der Regel jemals davon erfährt: Die Trauerbegleiter! Bislang hatte der Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst in Lemförde – Träger ist die Katholische Kirchengemeinde „Zu den Heiligen Engeln“ – mit Schwester Irmhild Espendiller nur eine Trauerbegleiterin. Inzwischen haben Karin Becker aus Diepholz und Cora Kynast aus Brockum erfolgreich ihre Ausbildung zur zertifizierten Trauerbegleiterin abgeschlossen.

Cora Kynast ist seit 2004 und Karin Becker seit 2009 ehrenamtlich in der Lemförder Sterbebegleitung tätig. Warum sind sie Trauerbegleiterin geworden? Gab es da ein persönliches Erlebnis? „Es gibt viele persönliche Erlebnisse, die mich überhaupt mit dem Hospiz in Kontakt gebracht haben. Dann wurde ich Hospizhelferin und übernahm Sterbebegleitung, die zum großen Teil ganz viel mit Trauer und Abschied nehmen verbunden ist. Wir wurden angesprochen – und ich hatte einfach Lust dazu, das Seminar zu machen. Jetzt bin ich glücklich darüber, dass ich das geworden bin“, berichtet Karin Becker strahlend von ihren Beweggründen.

„Das war für mich eine logische Folge: Aus der Sterbebegleitung raus mit der Trauer anschließend“, nennt Cora Kynast ihre Motivation.

Für den Zertifikatskursus, der mehr als 200 Unterrichtsstunden umfasste, meldeten sich beide bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Cloppenburg an. „Das Ganze fand in einem Kloster, dem Christinenhof in Cappeln-Schwichteler statt“, stellt Cora Kynast dar. Dort mussten beide plus zwölf weitere Teilnehmer sechs Module mit unterschiedlichen Dozenten meistern. „Die ersten beiden Module waren sehr auf uns selbst bezogen. Auf unsere Trauererfahrung, unsere Einstellung, wie wir damit umgehen. Aber auch sehr viel Gruppenarbeit in Zweier- und Dreier-Teams. Es war ein sehr intensiver Austausch“, betont Kynast, die weiter ergänzt: „Es wurde auch gewünscht, dass wir über Nacht geblieben sind, um das Ganze zu verfestigen. Von der Thematik her war es sehr ausführlich. Wir hatten zum Beispiel eine junge Bestatterin, die uns viel zum Thema ‚Bestattungswesen‘ erzählt hat. Oder auch verschiedene Psychologen“, berichtet die kaufmännische Angestellte. Weitere Inhalte waren beispielsweise das Kennenlernen von unterschiedlichen Ausdrucksformen der Trauer, Trauerabläufe, -theorien, -modelle, Wege der Begleitung oder Grenzen von Trauerbegleitung bei erschwerter Trauer.

„Dann kam die Abschlussarbeit“, sagt Karin Becker schmunzelnd und Cora Kynast fügt spontan hinzu: „Das hat uns auch sehr umgetrieben. Ich habe das Thema ‚Trauer auf dem Lande‘ gewählt.“ Karin Becker nahm ein Fallbeispiel. „Ich habe dargestellt, wie eine Mutter vorher die Trauer erlebte und wie sich diese nach dem Ableben der Tochter veränderte“, verdeutlicht die Ruheständlerin. Zum Abschluss des Lehrgangs bekamen beide ein KEB-Zertifikat, das vom Bundesverband Trauerbegleitung als Große Basisqualifizierung anerkannt ist.

„Dieser Kurs war nur möglich, da die BASF Polyurethanes, die ZF Friedrichshafen sowie die Stiftung der Volksbank Lübbecker Land die Kosten übernommen haben“, unterstreicht Koordinatorin/Palliative Care Fachkraft Silke Hülsmann, dass die Trauerarbeit rein aus Spenden finanziert wird.

Inzwischen haben Cora Kynast und Karin Becker eine „Geschlossene Trauergruppe“ angeboten. Geschlossen deshalb, da die Teilnehmerzahl auf zehn begrenzt war. „Dort sollte eine Basis entstehen, wo auch offen gesprochen werden mag“, erklärt die Brockumerin. „In einem geschützten Raum“, vervollständigt Karin Becker. Nach den Sommerferien soll die nächste „Geschlossene Trauergruppe“ starten, signalisieren beide. „Dadurch, dass wir nun mehr ‚Frauenpower‘ haben, können auch die Einzelbegleitungen erhöht werden“, freut sich Silke Hülsmann. Für trauernde Menschen gibt es zudem jeden zweiten Mittwoch im Monat von 9.30 bis 11.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus Lemförde ein „Frühstück in der Trauerzeit“. Ausführende sind Schwester Irmhild und Petra Eickhoff.

Haben die Trauerbegleiterinnen ein Ventil, wie sie mit Trauer, Abschied, Tränen vielleicht auch Verzweiflung, Liebe und Schmerz umgehen? „Familie, Musik, Natur. Der Dümmer ist wunderbar zum Gedanken kreisen lassen, sie fliegen zu lassen, sie abzugeben“, antwortet Karin Becker sofort. Auch für Cora Kynast ist das Ventil die Familie, ihre Tiere zu Hause oder ein Spaziergang im Wald. Für Schwester Irmhild ist es das Fahrradfahren. „Und wir haben Mitarbeiter, mit denen man alles teilen kann“, sagt sie begeistert.

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