Auftakt des Projektes „Grenz.Über.Gänge“ Dümmer

Stilisierte Segel geben Impulse zum Nachdenken

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Freuen sich zum Auftakt des Projektes „Grenz.Über.Gänge“ sehr, dass die Karte gedruckt ist sowie zwölf Segel und fünf Grenzpfähle stehen: Herbert Winkel (von rechts), Bernd Stolle, Heiner Richmann, Heinrich Zumdohme, Rüdiger Scheibe, Gerhard Muhle, Klaus Priesmeier, Detlef Tänzer und Matthias Kreye.

Lembruch - Wer aktuell um den Dümmer radelt oder wandert wird am Horizont die weißen Segel auf dem See entdecken, wie eh und je. Aber, und das ist brandneu, zwölf weiße stilisierte Segel entlang des Deiches rund um den See mit Botschaften aus den Bereichen Natur, Kultur, Geschichte, Religion. Fast wie im Geheimen, wie von Heinzelmännchen über Nacht aufgestellt, erstrahlen die fest installierten Segel des Projektes Grenz.Über.Gänge des Naturparks Dümmer, und geben den Gästen Impulse zum Nachdenken.

Hintergrund ist die Initiative der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die im Luther-Jahr 2017 zu Projekten initiierte. Touristiker Bernd Stolle von der Touris-Information Erholungsgebiet Dammer Berge hatte 2016 davon gehört, die Idee dem Naturpark Dümmer vorgestellt und offene Türen eingerannt. Aus dem Stichwort „Luther 2017 – 500. Reformationsjubiläum“ entspann sich ein umfangreiches Projekt mit Thema: Grenzen überwinden, Grenzübergänge.

Am Sonntag trafen sich zwei Radgruppen am Huntewehr am Norddeich zu einer ökumenischen Andacht im Freien an einem der fünf neuen, als historische Grenzübergänge definierten Plätze am Seeufer. Der Verein Naturpark Dümmer lud zum Auftakt des Projektes ein. Die eine Gruppe war in Burlage an der Kirche Sankt Marien, die andere Gruppe am Sankt-Viktor-Dom in Damme gestartet. Unterstützt wird das Projekt von der Tourist-Information Dümmerland, der DümmerWeserlandTouristik, der Naturschutzstation Ochsenmoor, dem Dümmer-Museum Lembruch, der katholischen und evangelischen Kirchen, den Landkreisen Diepholz, Vechta, Osnabrück und Minden-Lübbecke. Gedanken zum Projekt, das, von Stolle angestoßen wurde, hatten sich stellvertretender Landrat des Landkreises Diepholz, Heiner Richmann, und Landrat des Landkreises Vechta, Herbert Winkel, gemacht.

„Wir haben in dem Projekt auch fünf Grenzpfosten gesetzt, die dienen aber vornehmlich der Grenzüberwindung“, erläuterte Winkel. „Wir befruchten uns touristisch seit vielen Jahren, unser Geld für Förderung überwindet seit langem alle Grenzen.“ Falls noch Geld fehle beim Projekt, wie von Geschäftsführer des Naturparks Dümmer Detlef Tänzer an ihn herangetragen, wäre das kein Problem, „es über die Grenze zu schaffen“. Richmann philosophierte über Bereiche, in denen Grenzen eine Rolle spielen: Grenzen in den Köpfen der Menschen, beim Humor, der schnell auch grenzwertig sein könne, wenn in der Politik Grenzen überschritten würden. „Hier im Naturpark verschwinden die Grenzen durch die Menschen, Grenzübergänge möglich.“

Dass das aber nicht immer so war, weder historisch, geografisch, konfessionell, sprachlich oder hoheitlich, davon erzählen die zwölf Stationen, an denen die Segel zum Einlesen einladen. Ein kurzer Text reißt das Thema des jeweiligen Autors an, der Langtext findet sich auf der Naturpark Dümmer-Internetseite (www.naturpark-duemmer.de) oder kann durch Scannen des QR-Codes online abgerufen werden.

Faltkarte liefert Informationen zum Projekt

Die Gäste zum Auftakt hielten schnell die neuen Karten „Grenz.Über.Gänge“ in den Händen. Die Faltkarte liefert detaillierte Informationen zum Projekt, eine Kartographie mit Legende zum „Abradeln“ der zwölf Segel- und fünf Grenzübergänge-Standorte. An den Grenzpfählen befinden sich jeweils die aktuellen und historischen Wappenschilder. Das sind heute zwei Bundesländer, vier Landkreise, drei Bezirke, früher zwei Königreiche und eine Herrschaft.

Ganz konnten die zwei Pastöre ihre Konfession doch nicht überwinden, wenn sich Superintendent Klaus Priesmeier (Diepholz) und Heinrich Zumdohme (Damme) einen Schlagabtausch lieferten, nach dem Motto: Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Wer hat das Anrecht auf den wahren religiösen Ursprung, die Katholische oder Evangelische Kirche? Ein schlaues freundschaftliches Wechselspiel entwickelte sich. Beide kamen zu dem Schluss: „Man darf nicht vergessen, wir sind alle Menschen, Christen sind immer im Werden und wir müssen aufeinander zugehen mit dem Ziel einer christlichen Kirche.“ Zumdohme untermauerte dies mit einer ganz realen Erfahrung: „Ich habe gerade letzte Woche ein Paar getraut. Sie kam aus Hüde am Ostufer, er aus dem Hüde am Westufer. Früher wäre der See so groß wie ein Ozean gewesen.“ Das Thema trägt Segel Numero sechs in Hüde (Ostufer): „Grenzen trennen Gebiete. Grenzen verwischen sich im Menschen. Wenn wir es merken – was für eine Chance!“ 

sbb

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