„Chapeau Manouche“ aus Oldenburg begeistern das Publikum

Sternstunde des Sinti-Swing im Lemförder Rittersaal

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Die vier Vollblutmusiker von „Chapeau Manouche“ unterhielten ihre Zuhörer mit Leidenschaft und Hingabe zu den Instrumenten.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Eine Sternstunde des Sinti-Swing erlebten weit mehr als 100 Besucher am Mittwochabend im Lemförder Rittersaal. Dort gastierte auf Einladung des KulturBunts Lemförde das Ensemble „Chapeau Manouche“ aus Oldenburg, das derartig für überschäumende Emotionen sorgte, sodass es etliche Zuhörer zeitweise kaum noch auf den Stühlen hielt.

„Chapeau Manouche“ – das sind Manolito Steinbach und Wilhelm Magnus, beide Solo- und Rhythmusgitarre, die dem Ensemble die charakteristische Prägung des Sinti-Swing verleihen, Clemens Schneider, Geige, Gesang, Melodica, dessen Geige in der Jazzmusik selten zu hören ist, sowie Benjamin Bökesch, der mit seinem erdenden Kontrabass das Fundament dieser mitreißenden und lebensfrohen Swingmusik bildet. Nicht selten sind ihre Konzerte im Nu ausverkauft. Denn seit 2008 erobert „Chapeau Manouche“ große und kleine Bühnen, vor allem aber die Herzen der Zuhörer.

So hob Juliane Theinert in ihrer Begrüßung auch hervor: „Die Gruppe hat in letzter Zeit sehr viel von sich reden gemacht.“ Was sie feststellte: „Heute abend sind hier viele Gesichter, die wir noch nicht gesehen haben.“ Das stimmte auch, denn die Besucher waren teilweise von weiter angereist, wie Bremen, Uchte, Minden, Osnabrück, Vechta, dem Wittlager Land…

Tosender Applaus, Pfiffe und Bravorufe

Kaum, dass das Quartett sein Programm mit „Sovoir Vivre“, das soviel wie „verstehen, zu leben“ bedeutet, eröffnet hatte, übertrug sich sogleich die Begeisterung auf das Publikum, das teilweise mit einem Lächeln im Gesicht der mitreißenden Musik lauschte, die Füße wippen ließ, im Takt den Kopf bewegte. Dementsprechend tosend fiel der erste Applaus aus, was sich später zu wahren Begeisterungstürmen, verstärkt mit Pfeifen und Bravorufen, steigerte.

„Wir freuen uns über die Einladung in die ‚Welt-Kulturstadt‘ Lemförde“, sagte Clemens Schneider, der für eine spritzige und informative Moderation sorgte. Etwas saß ihm jedoch der Schalk im Nacken, denn: „Wir haben auch einen Sinti in der Gruppe, verraten aber nicht, wer es ist.“ Sein Tipp: „Er spielt ein Saiteninstrument.“ In der Pause würden Zettel verteilt, sodass jeder anstreichen könne, wer es sei. Natürlich gab´s auch Preise. Der erste wurde zu Beginn des zweiten Teils verraten: Eine Wattwanderung mit Ziel Helgoland!“ Die wollte allerdings niemand antreten.

Zwei Stunden Lebensfreude

Oftmals angelehnt an die Swingmusik der Jazz-Legende Django Reinhardt – der Film „Django – sein Leben für die Musik“ ist gerade in den Kinos angelaufen – brachte „Chapeau Manouche“ in den nächsten gut zwei Stunden Stücke wie „Djangology“, Troublant Bolero, den weltberühmten Jazzstandard „Limehouse Blues“, oder im dreiviertel Takt „I love you“, „Honeysuckle Rose Chapeau“, „I´ll see you in my Dreams“… zu Gehör. Virtuos, perfekt im Zusammenspiel, starkem emotionalen Ausdruck gepaart mit leidenschaftlicher Hingabe zur Musik, zeitweise in atemberaubendem Tempo. Konzertanter Swing vom Feinsten zwischen Tradition und Moderne. Teilweise jedoch Musik, die zur Zeit der Nationalsozialisten nicht aufgeführt werden durfte.

„Wir sind im Prinzip Vollblutmusiker; man kann aber nicht davon leben“, erzählten Clemens Schneider und Wilhelm Magnus in der Pause im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb seien sie auch als Musiklehrer unterwegs. Aber: „Wir brennen alle für das Konzertieren auf der Bühne; das ist unser Herzblut.“ Der Name? „Chapeau ist der Hut, Manouche das französische Wort für Zigeuner/Sinti. Da haben wir ein wenig mit rumgespielt, denn Zigeunerhut – den gibt es nicht. Aber die Musik Django Reinhardts ist in Frankreich entwickelt und etabliert worden. So lag das Französische nahe. Man kann es auch so deuten, dass wir den Hut/Chapeau vor Begeisterung ziehen oder in die Luft werfen“, verdeutlichten beide. Die Begeisterung hielt auch bis zum Schluss an, sodass die Oldenburger nicht ohne zwei Zugaben gehen durften…

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