Referat zum Thema Streuobstwiesen

Artenreiche Biotope von großer Bedeutung

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Auf einer einzigen Wiese können sich bis zu 5 000 Tier- und Pflanzenarten tummeln. Im Bild eine Streuobstwiese in der Gemeinde Hüde. 

Stemshorn - Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen Europas. Sie werden durch ihre Schönheit geschätzt und es tummeln sich bis zu 5 000 Tier- und Pflanzenarten auf einer einzigen Wiese. Welche Bedeutung die Wiesen mit ihrer Artenvielfalt wiedergewinnen, nach Zeiten der Agrarförderung mit Rodungsprämien für Obstbäume in den 1970er Jahren, ohne Nachpflanzungen, stattdessen Intensivierung des Obstbaus im Zuge der Spezialisierung der Landwirtschaft, erläuterte Expertin Sabine Washof aus Stade am Schäferhof.

Eingeladen hatte die AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und Erfolge in der Naturschutzarbeit feiert. „Wir sind ein kleiner Verein, aber trotzdem haben wir eine Menge auf die Beine gestellt“, führte Dr. Marcel Holy ein. „50 Hektar und mehr als 1 000 Obstbäume stehen auf den von uns angelegten oder renaturierten Flächen.“ Vor rund 30 Interessierten versprühte Washof als gelernte Gärtnerin und Landschaftsökologin ihren Enthusiasmus zum Biotop „Streuobstwiese“.

Unter den Zuhörern waren Sandra Diels vom Förderverein der Grundschule in Eydelstedt und Antonia Loheide aus Ostercappeln. Diels konnte kaum erwarten, mit der Referentin nach dem Vortrag zu sprechen, denn der Antrag bei der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung der Grundschule für die Anlage einer Streuobstwiese war bereits genehmigt. „Was uns dann noch fehlt, ist der beschriebene Streuobstwiesenpädagoge.“ Den hatte die Referentin zum Schluss erwähnt. Die Ausbildung „Streuobst-Pädagogik“ sei kein Scherz, sondern nach dem Vorbild des Programms von Beate Holderied aus Baden-Württemberg. In Niedersachsen werde sie seit 2014 durchgeführt.

Antonia Loheide, die derzeit ein freiwilliges soziales Jahr absolviert und ihre Facharbeit in der Schule über Streuobstwiesen schrieb, trieb das Problem der Monokulturen, Massentierhaltung, Artenverlust um. „Kann man Streuobstwiesen auch auf Äcker pflanzen?“, ihre Frage an die Fachfrau. „Ja, in Kasachstan gibt es sogar Apfelwälder“, erklärte Washof. Loheide sah in der Rettung von Streuobstbäumen den Weg für die Zukunft ihrer Generation, dafür wolle sie kämpfen. Der Exkurs von Washof ging von der Geschichte des Obstanbaus mit Apfel-Ursprung aus Zentralasien, von den Römern mitgebrachter, vielfältiger Obstsorten nach Mitteleuropa und dem Zuchtanbau in Klöstern. In der Renaissance und dem Barock galten Adlige als Förderer des Obstbaus, Obst galt als Statussymbol, der Hochstamm war die Hauptanbauform bis Mitte des 17. Jahrhunderts.

„Einer der bedeutendsten Pomologen Deutschlands stammt aus Sulingen“, verriet sie. Johann Georg Conrad Oberdieck war im 19. Jahrhundert Superintendent in Sulingen und Nienburg und schrieb zahlreiche Veröffentlichungen über fast 1 000 Apfelsorten. Neben der Zucht in Klöstern und der Zunft der „Pelzer“, der Veredler, gab es auf jedem Bauernhof ab dem 16. Jahrhundert eine Streuobstwiese. Die Wiesen dienten in ihrer Schönheit und Vielfalt sogar Malern, Tapeten- und Stoffherstellern als Vorlagen. „Der Obstanbau heute ist leider monokultiviert geprägt. Mit Niedrigstämmen, die wie Soldaten in Reih und Glied stehen und anfällig für Krankheiten sind“, alarmierte Washof.

Die konventionellen Äpfel wären rund 40 Mal pro Jahr gespritzt, um den Anforderungen der Verbraucher ohne Makel zu entsprechen. „Wir haben heute eine Sorten-Einfalt mit uniformen Geschmäckern. Natürlich ist die Pflege einer Streuobstwiese aufwendiger als einer Plantage. Bäume müssen beschnitten, das Gras gemäht, das Obst geerntet werden“, sagte die Fachfrau. Aber es lohne sich, denn nicht nur Gaumen, sondern Augen und Ohren werden belohnt beim Anblick. „Und man findet eine vernünftige Ober- und Unternutzung in dem Biotop“, was meint, dass die gesamte Fläche in ihrer Dreidimensionalität in allen Nischen von Pflanzen und Tieren angenommen wird.

„Streuobstwiesen sind Lernorte, Refugien und Nutzfläche.“ Schön fände sie es, wenn bald am Dümmer „Gute Graue“ (Birne), „Kaiser Wilhelm“ (Apfel) auf Steinkauz und Dompfaff träfen. „Wir werden wieder einen Apfelmosttag mit Apfelsortenbestimmung am Schäferhof anbieten und helfen mit Baumschnitt-Tipps und Förderanträgen“, bot sich Biologe Holy an. 

sbb

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