Gernot Jacob und Juliane Völkle planen Solidarische Landwirtschaft

Starke Gemeinschaft für Vielfalt

Auf dem Tomte Hof von Gernot Jacob und Juliane Völkle haben die Bunten Bentheimer in ihrem Stall und im Außenbereich reichlich Bewegungsfreiheit. Fotos: Russ

Brockum - Von Melanie Russ. Nach zwei Jahren der gedanklichen Vorbereitung wagen die beiden Brockumer Gernot Jacob und Juliane Völkle den Schritt in eine neue Zukunft: Sie wollen auf ihrem nach den Demeter-Richtlinien zertifizierten Hof am Fuß des Stemweder Bergs eine Solidarische Landwirtschaft (Solawi) gründen. Im Frühjahr soll es losgehen.

„Dass wir einen Bauernhof betreiben wollen, stand immer außer Frage“, erklärt die 33-Jährige. Um ihn wirtschaftlich führen zu können, müsse man sich aber eigentlich spezialisieren. „Und das wollten wir nicht.“ Denn für das Paar gehört neben der Nachhaltigkeit auch Vielfalt zu einem Bauernhof dazu.

Um ihren Traum erfüllen zu können, setzen die beiden Brockumer auf eine Solidargemeinschaft. Als Mitglied der Solawi in Donstorf haben sie mit dieser Bewirtschaftungsform bereits gute Erfahrungen gemacht. Dort habe man ihnen auch Mut gemacht, selbst eine zu gründen.

„Für uns ist die Sicherheit der Gemeinschaft wichtig“, beschreibt Völkle einen ganz praktischen Beweggrund für die Gründung einer Solawi, die die Finanzierung und die Abnahme der Produkte garantiert. Es geht dem Paar nach eigener Aussage aber auch darum, seinen Hof für andere Menschen zu öffnen, damit sie sich mit dem, was dort produziert wird, verbunden fühlen.

Etwa 50 Schweine, 30 Rinder und einige Hühner tummeln sich derzeit auf dem Hof. Die Zahl des Federviehs soll noch ein bisschen steigen, die der Großtiere dagegen konstant bleiben. „Wenn es zu viele werden, dann verliert man den Bezug zu den einzelnen Tieren. Das fühlt sich nicht gut an“, so Völkle.

Ein weiteres Standbein soll der Gemüseanbau werden. „Wir haben festgestellt, dass es ohne Gemüse nicht geht“, berichtet sie. Laut Jacob gehen die Überlegungen derzeit zum sogenannten Market Gardening – der intensiven Bewirtschaftung einer kleinen Fläche ohne Maschinen. „Alles mit Maschinen zu bearbeiten, ist nicht befriedigend.“ Ein wichtiger Aspekt wird laut Jacob die Weidehaltung sein. „Das ist natürlich für die Tiere das Beste, aber es ist auch für die Flächen gut, wenn sie unterschiedlich beweidet werden“, erklärt der 43-Jährige. Derzeit werden etwa 40 Hektar Land bewirtschaft, davon etwa 20 Hektar eigene Flächen.

Dem Abenteuer Solidarische Landwirtschaft blickt das Paar zuversichtlich entgegen. „Es gibt schon einige Interessenten“, berichtet Jacob. „Wir haben das Gefühl, dass eine Bereitschaft mitzumachen in der Luft liegt.“

Die Solawi ist eine neue Entwicklung, die ökologische Ausrichtung wurde auf dem Hof aber schon lange großgeschrieben. Nachdem der Betrieb, der sich einst im Ort befand, 1961 bei einem Brand vernichtet worden war, entschlossen sich Gernot Jacobs Eltern, ihn etwas außerhalb am Stemweder Berg wieder aufzubauen. Bereits 1978 begannen Irmela und Gerhard Jacob mit der ökologischen Bewirtschaftung und schlossen sich dem Bioland-Verband an.

2005 übernahm der älteste Sohn Hinrich den Betrieb und stellte auf eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise um. 2013 übergab er den Stab an seinen Bruder Gernot.

Mit dem neuen Konzept bekommt das Anwesen, das seit jeher als Bicks’ Hof bekannt ist, auch einen neuen Namen. Tomte Hof soll es heißen – in Anlehnung an die Titelfigur aus einem Kinderbuch von Astrid Lindgren, die als guter Geist über einen Bauernhof und dessen Bewohner wacht.

Infoveranstaltung

Gernot Jacob und Juliane Völkle informieren am Sonntag, 26. Januar, ab 15 Uhr in der Lichtburg in Quernheim über ihre Pläne zur Gründung einer Solawi. Dazu sind alle Interessierten eingeladen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es ein Bieterverfahren für alle geben, die sich an dem Hof beteiligen möchten.

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