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Sporthallen-Neubau in Lemförde bereitet Anwohnern Sorgen

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Von: Melanie Russ

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Die Ernst-August-Straße in Lemförde wird voraussichtlich 2023 ausgebaut. Die Planung startet noch in diesem Jahr. Ob dabei auch verkehrsberuhigende Maßnahmen berücksichtigt werden, wird Teil der politischen Diskussion sein. Vor dem Ausbau ist laut Verwaltung nichts in Sachen Verkehrsberuhigung vorgesehen.
Die Ernst-August-Straße in Lemförde wird voraussichtlich 2023 ausgebaut. Die Planung startet noch in diesem Jahr. Ob dabei auch verkehrsberuhigende Maßnahmen berücksichtigt werden, wird Teil der politischen Diskussion sein. Vor dem Ausbau ist laut Verwaltung nichts in Sachen Verkehrsberuhigung vorgesehen. © Russ

Einige Anwohner der Ernst-August-Straße in Lemförde fürchten durch den Neubau einer Sporthalle mehr Unruhe und wünschen mehr Sicherheit an ihrer Straße.

Lemförde – Viele Sportler in der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ warten sehnsüchtig auf den Bau einer dritten Sporthalle in Lemförde, der mehrfach zurückgestellt wurde und nun in diesem Jahr beginnen soll. Der Fleckenrat soll am 16. März über den Beginn der Ausschreibung abstimmen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rittersaal. Fred Hackstedt und seine Frau Kerstin Ulbrich Hackstedt sehen die Entwicklung mit großer Sorge. Sie wohnen an der Ernst-August-Straße unweit des Bauplatzes und beklagen schon jetzt die dortige Verkehrssituation und eine „unerträgliche Ruhestörung“.

Durch die zusätzliche Sporthalle, so fürchten sie, wird sich ihre Situation weiter verschlechtern – sowohl im Hinblick auf die Bauphase als auch auf den späteren Betrieb. Im Blick haben sie dabei einen steigenden Lärmpegel, aber auch Erschütterungen durch Verkehr, die ihr in den 1950er-Jahren errichtetes Haus schädigen. Einige Nachbarn sehen an der Ernst-August-Straße ebenfalls Handlungsbedarf. Wie die Verwaltung auf Nachfrage berichtet, soll der seit Jahren vorgesehene Ausbau der Straße 2023 in Angriff genommen werden – vorausgesetzt, der Fleckenrat stellt dann die entsprechenden Mittel bereit. Die Planung für den Ausbau startet laut Gemeindedirektor Lars Mentrup noch in diesem Jahr. In dem Rahmen könnten sich möglicherweise auch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergeben. Zuvor sind keine Veränderungen geplant.

Fred und Kerstin Hackstedt sehen ihre Belange von Verwaltung, Fleckenrat und Bürgermeisterin Stephanie Budke-Stambusch nicht ausreichend berücksichtigt. Zwar höre man sie an, unternommen werde aber nichts. „Wir haben keine ruhige Minute mehr“, beschreibt Fred Hackstedt seine Situation. Er fordert darum, dass der Neubau der Sporthalle gestoppt und im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Nachbarschaft neu bewertet wird.

Konkret nennt der Lemförder zum einen den Zustand der Ernst-August-Straße – für ihn seit vielen Jahren ein Ärgernis. Während die vergleichbare Schildstraße auf 3,5 Tonnen begrenzt sei und in Kürze saniert werde, passiere an der Ernst-August-Straße nichts. Für 40 Tonnen ist sie nach Hackstedts Einschätzung nicht gemacht. Seine Immobilie sei durch von Schwerlastverkehr verursachte Erschütterungen immer wieder beschädigt worden. Hackstedt spricht von absackenden Mauern, absackendem Wintergarten, Rissen in den Wänden. Einige Nachbarn bestätigen seine Erfahrungen. „Wenn der Bus hier vorbeifährt, rumpelt das Haus“, sagt eine Anwohnerin.

Wie die Verwaltung auf Nachfrage erklärt, darf die Ernst-August-Straße durchaus mit bis zu 40 Tonnen bei entsprechender Anzahl der Achsen und der damit verbundenen Achslast befahren werden. Eine Tonnenbegrenzung sei nicht vorgesehen. Verkehrserhebungen der Verwaltung hätten keinen übermäßigen Schwerlastverkehr aufgezeigt.

Der Verkehr von Baufahrzeugen für den Bau der Sporthalle soll laut Lars Mentrup nicht über die Ernst-August-Straße geleitet werden, sondern über die Gemeindestraßen Bödekers Weg / Stettiner Straße. „Diese Lösung ist gerade deshalb zu favorisieren, damit die Baufahrzeuge nicht noch gänzlich durch den Flecken fahren, sofern denn Baustoffe von Norden her angeliefert werden. Die Firmen werden dafür sensibilisiert, dass sie gerade im Bereich der Stettiner Straße besondere Rücksicht auf Kinder zu nehmen haben“, erklärt Mentrup.

Aber auch ohne Bauverkehr ist auf der Ernst-August-Straße nach Meinung einiger Anwohner für ein Wohngebiet zu viel los. Wie das Ehepaar Hackstedt beklagt auch eine Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden möchte, die Situation, die sich nach ihrer Einschätzung durch die neue Sporthalle und das am Burggraben geplante Ärztehaus verschärfen wird. Zwar habe es eine Verkehrszählung gegeben. „Aber das war im Lockdown.“

Nach eigener Aussage hat sie zu bestimmten Zeiten arge Bedenken, mit ihren Kindern auf dem Bürgersteig zu gehen, ohne sie an der Hand zu halten, denn „die Autofahrer rasen hier durch“. Morgens vor Schulbeginn sei die Polizei oft vor Ort, spreche die Autofahrer auch an, sagt sie. „Das möchte ich positiv hervorheben.“ Doch abends seien die Beamten selten da. Vor allem zum Schutz der Kinder wünscht sie sich eine Verkehrsberuhigung.

Udine Buchmann, eine weitere Anwohnerin, empfindet ebenfalls das hohe Verkehrsaufkommen zu den Bring- und Abholzeiten der dortigen Grundschule und Kitas sowie bei Sport-Veranstaltungen als störend, vor allem aber die laute Musik auf dem Sportplatz. Bei Sport-Veranstaltungen träfen sich die Leute auf dem Parkplatz und feierten dort. „Party bis nachts um drei ist nicht lustig“, sagt Udine Buchmann. Seien im Sommer die Türen der vorhandenen Sporthalle geöffnet, schalle auch das Trommeln bei den Handballspielen herüber, beklagt Fred Hackstedt. Beide fürchten, dass sich die Situation durch eine weitere Sporthalle verschlimmert.

Laut dem Gemeindedirektor gab es in der Vergangenheit durchaus Kontakt mit den Verantwortlichen des TuS Lemförde. In diesen Gesprächen sei auch die von Fred Hackstedt angesprochene Lärmbelästigung durch die Mikrofonanlage erörtert worden. Danach seien die Lautsprecher (Musik nach den Spielen) ausgestellt beziehungsweise die Musik leise abgespielt worden. Die Polizei würde Anzeigen wegen Lärmbelästigung im Rahmen ihrer Möglichkeiten verfolgen.

Für Fred Hackstedt ist das kein Trost. Er erwägt nach eigener Aussage rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen. Fred Hackstedt: „Wir wünschen uns eigentlich nur eins: etwas mehr Ruhe.“

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