Archäologischer Sonntag am Dümmer-Museum

Spiel mit dem Feuer ausdrücklich erlaubt

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Archäologe und Museumspädagoge Thorsten Helmerking (r.) war ständig von Kindern und Erwachsenen umringt.

Lembruch - Von Christa Bechtel. „Spiel nicht mit dem Feuer“, ermahnen Eltern oft ihre Kinder. Während des traditionellen archäologischen Sonntags am Dümmer-Museum in Lembruch forderte der Archäotechniker Thorsten Helmerking unter dem gleichen Motto die Kinder, aber auch die Erwachsenen geradezu auf, spielerisch Feuer zu entfachen.

Denn: „Zum Menschsein gehört natürlich das Herstellen von Feuer“, betonte Helmerking. Der passionierte Museumspädagoge präsentierte Feuer quer durch die Zeit. „Von dem Augenblick an, wo wir Archäologen davon ausgehen, dass die Menschen selber Feuer machen konnten. Das wird etwa zwei Millionen Jahre zurückliegen. 

Bis zu dem Zeitpunkt wo, egal wie dumm jemand ist, jeder Feuer machen kann“, erklärte der gebürtige Barnstorfer, der bei dieser Aussage schmunzelnd ein Feuerzeug hervorholte.

Mit einer praktischen Übung vermittelte Thorsten Helmerking den kleinen und großen Besuchern dann spannend, „auf die älteste Art, die uns bekannt ist“, wie man Feuer entfachen kann. Nämlich über die Erzeugung von Reibungswärme mittels eines Bogenbohrers. Der Antrieb erfolgt über einen kurzen Bogen, dessen Sehne um einen Stab geschlungen wird. Der Stab selbst ruht mit dem unteren Ende in einer Bohrmulde.

Wie Glut ohne Feuerzeug entstehen kann

„Wenn ich einen neuen habe, spitze ich ihn an, damit er eine Spitze hat“, erläuterte der Archäologe zwischendurch, der den Stab am oberen Ende mit einem Knochen hielt. Über den übte er Druck auf den Bohrstab aus, sodass im Fichtenholzbrett eine kleine Mulde entstand, von der er eine trichterförmige Kerbe zur Außenkante des Brettes schnitt. Mittels Bohrmehl und gleichmäßigem Antrieb entstand so die Glut.

„Wenn ich die Glut heiß genug habe, dann entzündet sich der Nebel an der Glut als Stichflamme. Die Stichflamme geht in welche Richtung?“, fragte Thorsten die Kinder, die gleich wussten: „Nach oben.“ „Also nie von oben pusten, sonst gibt es eine Bratnase“, sagte er scherzend mit Blick auf das Feuer, das nun loderte. Auch Indra Rösler aus Stemshorn, die mit ihrem Sohn Luke vor Ort weilte, hatte schon bald ein Erfolgserlebnis: eine Flamme schoss lodernd in die Höhe.

Nebenbei vermittelte Helmerking den Besuchern auch etliches an Wissenswertem aus der Geschichte. Wie, dass vor zwei Millionen Jahren das erste Mal Menschen, „die wir Homo-erectus-Menschen nennen“ (die erste hominine Art, die das Feuer benutzte), Afrika verließen und nach Europa und nach Asien zogen. Der älteste Fundort von deren Spuren sei momentan in Georgien, dann Spanien mit anderthalb Millionen Jahren weiter nach Sibirien. Die Homo-erectus-Menschen seien in einer Gegend heimisch geworden, „in der es Winter gibt.“ Aber ohne Feuer könne man keine Familie gründen.

Feuer bei jedem Wetter

Die Reibungswärme funktioniere bei jedem Wetter; Feuer schlagen sei der elektrische Funke. „Das heißt, die Schlagenergie wird umgewandelt in elektrische Spannung. Damit habe ich aber noch kein Feuer. Wenn dann aber ein Energiegeber dazukommt, wie zum Beispiel beim Katzengoldstein der Schwefel, hat der kleine Blitz Nahrung und kann heiß werden“, veranschaulichte der Archäologe.

„Wir haben mit der Archäologie vom Dümmer einen Ausstellungsschwerpunkt, der nicht nur am Dümmer, sondern auch in der weiteren Region sehr bedeutend ist“, stellte Sabine Hacke, Leiterin des Dümmer-Museums heraus, warum Jahr für Jahr der archäologische Sonntag stattfindet. Außerdem sei er zur Theorie im Museum etwas zum Mit- und Selbermachen. 

„Mit Thorsten Helmerking haben wir zudem einen besonderen Achäotechniker, der nicht nur über eine Lehre als Schreiner verfügt, sondern auch Archäologie studiert hat, sodass er neben der Theorie seine praktischen Erfahrungen mit einbringen kann“, freute sich Hacke, die ergänzte: „Der archäologische Sonntag in diesem Jahr war gleichzeitig auch der Testlauf für unser archäologisches Fest vom 21. bis 29. Juli 2018, da dann das Dümmer-Museum 50 Jahre alt wird. Jeden Tag gibt es dann andere Aktionen aus der Archäologie. Und auch Thorsten Helmerking wird wieder vertreten sein.“

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