Serie Hausgeschichten

Spektakuläre Rettung eines Zweiständer-Hauses in Hüde

Das Zweiständerhaus in Hüde.
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Das Zweiständerhaus in Hüde.

Elke und Jürgen Hage aus Hüde erzählen die (Haus-)Geschichte eines Heuerlingshauses aus der Zeit um 1670.

Hüde – Wer die Homepage von Hüde öffnet, schaut in eine Baumallee und auf das Ortseingang-Schild. Das ist die Blickrichtung aus Süden. Schaut man etwas weiter nach rechts, lugt die Hausecke der Hofstelle Nummer 5 von Elke und Jürgen Hage ins Bild. Dort hängt heute ein Schild „Bed & Breakfast“. Das kernsanierte Reetdachhaus mit Fachwerk und Streuobstwiese bietet unter seinem Dach seit 2004 drei luftige Hotelzimmer und das „Café Landlust“ seit 2012.

Die knackig kurze Historie des Hauses, dessen Giebel mit Reet-Steck-Walm verschränkt zur Dorfstraße steht, stellen die Eheleute Hage in einem Informationsschild vor der Dielentür zur Verfügung.

Elke und Jürgen Hage in der original nachempfundenen Diele des Hauses Nummer 5. Dort ist das heutige Café Landlust untergebracht.

„Wir schätzen, dass es sich um ein Heuerlingshaus aus der Zeit um 1670 handelt“, sagen die Eheleute unisono und verweisen auf die Unterlagen der Eltern und Großeltern von Elke Hage, eine geborene Ellerbruch.

Um die Geschichte des heutigen Ensembles am südlichen Dorfeingang rechts und links der Straße zu verstehen, wie hier vier Hofstellen plus Abbruch und Wiederaufbau von Nummer 5 und der Neubau des Bungalows der Eheleute Hage und Bau der zwei Feriendoppelhäuser zusammenhängen, recherchierte das Ehepaar in den Ahnenbüchern und Fotoalben.

Gewachsene Struktur

„Das ist eine gewachsene Struktur von Kauf und Verkauf, Heirat, Auswanderung und Erbfolge“, erklärt Jürgen Hage, der aus Wagenfeld stammt und Elke Ellerbruch 1981 heiratete. Die Hofstelle Nummer 5, die heute Café und Hotel beheimatet, kaufte Vorfahre Hermann Ellerbruch von seinem Freund Louis Möhlenpage 1893. Damit machte der Hofbesitzer Ellerbruch links der Dorfstraße den „ersten Schritt“ auf die rechte Straßenseite mit einer Liegenschaft.

Elke und Jürgen Hage wagten knapp hundert Jahre später „den zweiten Schritt“ von links nach rechts mit ihrem Neubau „Im Dorfe 121“ nach ihrer Heirat.

Bis 1995 Heimat von Lina Heuer

Das war Anfang der 1980-er Jahre. Ihr Bungalow liegt im hinteren Bereich des heutigen Café Landlust. Die drei Töchter Julia, Sina Friederike und Laura Maria wuchsen hier auf. Die drei Mädchen konnten aber schon damals die Straßenseite zu Oma Liesel und Opa Ludwig und Onkel Heinrich Ellerbruch wechseln, wenn „dicke Luft“ mit Mama und Papa herrschte. Heute wohnt Tochter Laura oben über Oma Liesel links der Straße und fühlt sich wohl.

Zurück nach rechts: „Bis 1995 wohnte im Fachwerkhaus Nr. 5 Lina Heuer, zuletzt ganz allein“, berichtet Elke Hage. Lina Heuer, die gegen Ende ihres Lebens kauzig werdende Frau.“

Pläne für Ferienhof mit Café

Sie hatte vier Kinder, einen Gemüsegarten und ihr Ehemann verstarb früher. „Lina lief immer allein im Ort umher, sonntags mit weißer Schürze, um sich neues anzusehen. Und wenn man sie nach Hause bringen wollte, stieg sie nie in fremde Autos“, erläutert Jürgen Hage. „Mein Papa Ludwig war der Einzige, der mit ihr sprechen konnte, zuletzt“, so Elke Hage. Elkes Vater ließ Heuer deshalb auch bis zu ihrem Tod in dem Heuerhaus wohnen. Danach stand es einige Jahre leer und verfiel mehr und mehr.

„Wir verfolgten Anfang des neuen Jahrtausends aber bereits unsere Pläne, einen Ferienhof mit Café und Hotel für unsere weitere Zukunft zu planen. Und bauten zwei Doppelhäuser als Ferienhäuser“, sagt Jürgen Hage. „Da haben wir ordentlich investiert.“

Bis 1995 war das Zweiständer-Haus der Hofstelle Nummer 5 in Hüde von Familie Heuer bewohnt.

Die Kate, in der Heuer wohnte mit Kohlgarten und etwas Land, hatten sie renovierungs- und finanzierungsmäßig da nicht „auf dem Schirm“. „Das Gebäude stand nie unter Denkmalschutz. Eine Kommission degradierte es 1972 als ,abgängig‘“, kommentiert Hage, der mit seiner Ehefrau ab 2002 dann doch abträgt und später in guter Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege wieder neu aufstellt. „Ich erinnere mich an den Anruf, ich solle schnell den Giebel abstützen kommen, sonst würde er auf die Straße krachen“, so Hage.

Dann wäre alles schnell gegangen, quasi wie getrieben durch Sachzwänge: Das Ständerwerk wurde abgebaut und zur Zimmerei Göbel nach Diepholz gebracht. Der Zimmermannsmeister renovierte es fachgerecht und originalgetreu für den Innenraum. Außen ist heute neues Fachwerk mit rotem Ziegel-Gefach zu sehen. Das Haus bekam eine solide Bodenplatte und einen Kamin mit Einsatz und handgemalten Delfter Kacheln. „Ochsenköpfe, Kinderspiele und Blumen waren die einzigen Motive aus dem 17. Jahrhundert.“

„Das Haus hat irre Spaß gemacht“

Der Boden trägt VIA-Fliesen, eine Zementfliesenart mit Marmormehlschicht, in Lindgrün mit Motiv. „Das sind sogenannte Kirchenfliesen im Volksmund“, ergänzt Hage.

„Das Haus hat irre Spaß gemacht“, erinnern Elke und Jürgen Hage an Sanierung und Ausstattung des Gebäudes. Mit den Details hat sich das Paar richtig Mühe gegeben: Schlängelbank, Küchensofa und Tischgruppen als Nachbau aus den 1910-er Jahren. Und die Bank mit zwei Artlandrosen per Holzmeißel erstellt, erstrahlt in neuem Glanz im Café an exponierter Stellwand.

Serie Hausgeschichten

Private Häuser im südlichen Landkreis Diepholz: Deren Geschichte und auch Geschichten von Bewohnern stellen wir in der Serie Hausgeschichte(n) vor. Besitzen oder bewohnen Sie ein Gebäude, das etwa 100 Jahre alt ist und über das oder aus dem es Interessantes zu erzählen gibt? Dann lassen Sie es Teil der Serie werden. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff Hausgeschichte(n) an redaktion.diepholz@kreiszeitung.de beziehungsweise redaktion.sulingen@kreiszeitung.de und beschreiben Sie darin kurz und stichwortartig die Besonderheiten des Gebäudes. Bitte Anschrift und Telefonnummer nicht vergessen. Nach Prüfung und Absprache verfassen wir dann einen Bericht mit Fotos. Kosten entstehen Ihnen dadurch selbstverständlich nicht.  

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