„OLE“ kümmert sich um minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge

Mit Spaß und Freude zu einem normalen Alltag

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Spaß am Kicker-Tisch (v.l.): Osman, Dirk Feldkötter, Mohammad und Iman liefern sich ein spannendes Spiel. Die Jugendlichen sollen die Strapazen der Flucht möglichst schnell verarbeiten.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Da die Frage der geflüchteten unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen auf den Landkreis Diepholz zugekommen ist, hat der sich mit den Jugendhilfeeinrichtungen auseinandergesetzt. Was können wir machen? Wer will was machen? Ab April 2015 ging es verstärkt mit den Planungen los. Wir haben uns von vornherein angeboten, eine Inobhutnahme-Gruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzumachen“, erklärt Dirk Feldkötter, Geschäftsführer des Lemförder Vereins „Orientierung Leben Entwicklung“ (früher Kinderheim) – kurz „OLE“ genannt, wie es kam, dass die Einrichtung Flüchtlinge aufnahm.

Aktuell sind in Quernheim acht Flüchtlinge untergebracht, die gleiche Anzahl im Haupthaus in Lemförde; hinzu kommen vier in der Fünf-Tage-Gruppe. „Für den Landkreis Vechta betreuen wir zudem zehn Jugendliche am Dümmer“, erläutert Feldkötter, der ergänzend hinzufügt, dass das Alter aller zwischen 15 und 17,5 Jahren liegt.

„Als die Masse gekommen ist, hat das Land die Richtlinien, die sonst für Jugendhilfe gelten, ein bisschen ‚aufgeweicht‘, sodass es für Flüchtlinge auch möglich ist, Zwei- beziehungsweise Dreibettzimmer zu schaffen“, antwortet der Geschäftsführer auf die Frage, wie die Jugendlichen untergebracht sind. Aber: „Wir bevorzugen es, dass sie alle ihre Einzelzimmer bekommen.“ Vormund für die Unter-18-jährigen sei der Landkreis Diepholz. „Das übernimmt ein Amtsvormund, der vom Landkreis Diepholz bestellt wird beziehungsweise vom Gericht, aber beim Landkreis angestellt ist“, verdeutlicht Sandra Kranz, „OLE“-Bereichsleiterin für unbegleitete minderjährige Ausländer, wer für die Kinder und Jugendlichen Vormund ist.

Wie geschieht die Integration? 

„Die Quernheimer haben wir anfangs in der Von-Sanden-Oberschule Lemförde angegliedert. Da lief die Beschulung durch die Schule sowie das Nachhilfeinstitut „Blitzmerker“. Mittlerweile ist es so, dass wir sie auf verschiedene Schulen verteilt haben. Einige gehen nach den Sommerferien zum „BBZ“ nach Diepholz, einige konnten wir in Praktika vermitteln, zum Beispiel als Elektriker oder einer hat ein Praktikum im Altenheim gemacht“, veranschaulicht die Bereichsleiterin. „Als sie ankamen, existierte nichts. Da haben Jugendhilfe, Jugendamt, Schule, ,Blitzmerker‘ und wir relativ flexibel reagiert“, stellt Feldkötter dar, der als weiteren Aspekt positiv herausstellt: „Die Firmen vor Ort sind alle sehr aufgeschlossen, die jungen Leute aufzunehmen – bis hin zu ZF und BASF.“

Welche Angebote brauchen unbegleitete Geflüchtete? 

„Angebote zur Freizeitgestaltung wie Fußballspielen, Reiten, Boxen oder Taekwondo. Ansonsten brauchen sie viel Unterstützung, denn alle sind motiviert, Deutsch zu lernen – auch freiwillig am Nachmittag. Außerdem Gesprächsangebote, um die Traumatisierung zu verarbeiten“, zählt Sandra Kranz auf. Wie sollte das Umfeld mit den Traumata dieser jungen Menschen umgehen? „Nach meinem Empfinden sind gar nicht so viele mit Traumata angekommen, zumindest werden sie nicht aktuell deutlich“, meint Feldkötter. Ein Junge habe beispielsweise auf der Flucht seine Eltern und seine beiden Brüder verloren. „Der ist geschockt hier angekommen, aber von einer Traumatisierung spürt man bislang nichts. Ein anderer junger Mann sieht nachts Geister“, so der „OLE“-Leiter, der hervorhebt: „Wir versuchen dann, Therapeuten zu finden. Aber Therapie mit Dolmetscher ist relativ schwierig. Das heißt, Grundlage ist eigentlich die deutsche Sprache.“ Doch: „Die Kinderklinik Osnabrück hat inzwischen jemanden mit Sprachkompetenz eingestellt“, teilt Feldkötter begeistert mit.

„Uns geht es darum, einen gelingenden Alltag hinzubekommen. Es braucht aus meiner Sicht Freude, Spaß, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sie aufzunehmen. Ich wünsche mir, dass der Gesetzgeber Bedingungen schafft, dass die Flüchtlinge aus Jugendhilfe längerfristig begleitet werden können, um hier wirklich gut Fuß zu fassen. Sie brauchen Personen, die im Hintergrund sind. Und das braucht Zeit, um Sprache, Schule und auch Beruf zu gewährleisten. Wenn wir das hinkriegen, dann haben wir tolle Arbeitnehmer, die auch unsere Sozialkassen wieder füllen“, unterstreicht Dirk Feldkötter abschließend.

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