Sean Floodberg spendet leukämiekranker Amerikanerin Stammzellen

Ein kleiner Eingriff mit lebensrettender Wirkung

Sean Floodberg blättert gerne in seinen Unterlagen über die Stammzellenspende.
+
Sean Floodberg blättert gerne in seinen Unterlagen über die Stammzellenspende.

Brockum - Von Heinrich Klöker. „Das wurde schon emotionaler“, erinnert sich Sean Floodberg und ergänzt mit bewegter Stimme: „Sie wollte sich bei mir bedanken, ist dabei aber immer wieder angefangen zu weinen.“ Der 24-jährige Brockumer schildert den Moment, als er jetzt in Uchte zum ersten Mal Stephanie Crider aus den USA traf: Die Frau, der Floodberg mit einer Stammzellenspende das Leben gerettet hat. Im Juli 2010 spendete der Brockumer Stammzellen, die der damals an Leukämie erkrankten US-Amerikanerin kurz darauf transplantiert wurden. Wenn für Crider kein passender Spender mehr gefunden worden wäre, hätte sie nach Ansicht der behandelnden Ärzte seinerzeit nur noch wenige Wochen zu Leben gehabt.

Die Empfängerin vertrug die Spende gut und ist vollständig von der Krankheit geheilt, so dass sie ein Leben ohne gesundheitliche Einschränkungen führen kann. Während einer Europa-Reise machte Stephanie Crider mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen Station in Uchte, wo Floodbergs Mutter und Stiefvater leben. „So richtig begreift man die Dimension erst, wenn die Frau vor einem steht und sich für ihr Leben bedankt“, erläutert der Hobby-Fotograf die Auswirkungen seiner Hilfe. Es sei ein sehr schöner Tag gewesen. „Wir haben uns gut verstanden und die Stimmung war locker.“

Einige Wochen nach der Spende erhielt Floodberg die Nachricht, dass es der Empfängerin gut gehe. „Das hat mich sehr gefreut.“ Damals wusste er aber noch nicht, wer sie ist, nur, dass sie aus Texas kommt. Aus dem US-Bundesstaat, wo der Brockumer auch geboren wurde. „Das war schon ein komischer Zufall“, sagt er lachend und fügt an: „Wir sind aber nicht verwandt.“ Erst zwei Jahre nach der Spende ermöglicht die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) den Austausch der Adressen und Namen der Betroffenen, sofern diese damit einverstanden sind. Das war Ende August 2012. Wenig später schickte Crider bereits eine E-Mail, in der sie ihm seinen Dank aussprach. Per elektronischer Post blieben die beiden in Kontakt und auch Floodbergs Mutter, die einige Jahre in den USA lebte, tauschte sich intensiv mit der Empfängerin aus. Dabei reifte der Entschluss zu einem persönlichen Treffen, das nun über die Bühne ging. Der Kontakt soll weiter gepflegt werden – auch persönlich: In zwei Jahren möchte Floodberg mit seiner Freundin ins texanische Schertz reisen, um Stephanie Crider und ihre Familie zu besuchen.

Im Januar 2010 ließ sich Floodberg als Berufsschüler im Diepholzer Theater im Anschluss an eine Informations-Veranstaltung der DKMS typisieren, um als potentieller Knochenmarkspender zur Verfügung zu stehen. „Es tut nicht weh und schadet nicht. Deswegen bin ich einfach hingegangen“, erinnert sich der junge Mann.

Bereits im Juni 2010 wurde Floodberg darüber in Kenntnis gesetzt, dass er seinem „genetischen Zwilling“ mit einer Stammzellenspende entscheidend zur Genesung vom Blutkrebs helfen könne. „Ich habe bei der Nachricht nicht allzu viel gefühlt, aber mich gefreut, helfen zu können“, erinnert sich der Zerspanungsmechaniker. Die Entscheidung für die Spende war schnell getroffen: „Wenn man so eine Chance hat, wäre es ein Unding, abzulehnen, zumal ich durch den Eingriff keine Beeinträchtigungen hatte und finanziell entschädigt wurde.“ Bald darauf ging es für den Brockumer nach Dresden zu einer Voruntersuchung. Anderthalb Wochen später erfolgte dort die Spende.

Der in El Paso geborene Floodberg entschied sich für eine periphere Stammzellenspende und gegen die Knochmarkentnahme. „Bei dieser Methode sind keine Nebenwirkungen bekannt, während bei der anderen Variante der Arzt mit der Spritze ausrutschen und das Knochenmark verletzen könnte“, begründet der Südkreisler.

Fünf Tage vor dem Eingriff bekam der heute 24-Jährige ein Medikament, dass er sich täglich in den Bauch spritzen musste. „Dadurch wurden die Stammzellen aus dem Knochenmark gelöst und gingen ins Blut über“, schildert der vier Jahre lang in den USA wohnhafte Floodberg die Wirkung.

Am fünften Tag erfolgte dann die Entnahme. Der Spender: „Ich hatte links und rechts eine große Nadel mit Schlauch im Arm. An einer Seite ging das Blut raus und lief in eine Maschine, die die Stammzellen herausfilterte. Dann lief das Blut auf der anderen Seite wieder in meinen Körper zurück.“ Der Vorgang dauerte etwa fünf Stunden. In dieser Zeit musste der frühere Diepholzer auf einem Stuhl sitzen. Da dabei eine ausreichende Menge Stammzellen gewonnen werden konnte, musste die Maßnahme nicht wiederholt werden und der Katzenliebhaber konnte am nächsten Tag den Heimweg antreten.

Bedenken vor der Entnahme habe er nicht gehabt, denn: „Ich bin ausführlich informiert worden.“ Lediglich sei es eine kleine Überwindung gewesen, sich das Medikament selber zu spritzen. Probleme nach der Spende hatte er nicht: „Die Knochen taten ein paar Tage ein bisschen weh, weil die Stammzellen dort entnommen wurden. Das fühlte sich an wie Muskelkater.“ Nach der Übertragung zu hören, dass es der Empfängerin gut gehe, sei schön gewesen.

Brockumer erfährt

viel Zustimmung

Und wie fühlt Sean Floodberg sich als Lebensretter? „Das fühlt sich schon gut an, aber eigentlich mag ich gar nicht so viel darüber sprechen“, erklärt der Brockumer bescheiden. Dennoch freue er sich schon, wenn andere sagen, dass er das gut gemacht habe. „Ein schlechtes Gefühl ist das mit Sicherheit nicht“, äußert er mit einem Lächeln auf den Lippen. Auch von Familie, Freunden und Kollegen habe Floodberg, der bei Weghorst Maschinenbau in Rehden beschäftigt ist, viel Zustimmung für sein Handeln erfahren.

Über Gebühr sei er allerdings nicht als Held oder Lebensretter gefeiert worden. Wer den sympathischen und lebenslustigen Inhaber der deutschen und amerikanischen Staatsbürgerschaft kennenlernt, kann sich vorstellen, dass ihm das durchaus Recht ist.

Sollte er noch einmal mit einer Stammzellenspende helfen können, würde der Zerspanungsmechaniker genauso handeln – selbstverständlich. Der Brockumer: „Es ist doch nur so ein kleiner Eingriff.“ Mit einer so großen, lebensrettenden Wirkung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus
Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor

Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor

Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor
Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu

Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu

Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu
34-Jähriger bei Kollision schwer verletzt

34-Jähriger bei Kollision schwer verletzt

34-Jähriger bei Kollision schwer verletzt

Kommentare