Landwirte diskutieren über gewässerschonende Flächenmaßnahmen

Schutz für den Dümmer

Lemförde/Wittlage - Blühstreifen, Strip-Till (Streifenlockerung), Gülleinjektion, Uferrandstreifen, Phosphatfällung. Über diese und weitere Gewässerschutzmaßnahmen diskutierten Landwirte jetzt gemeinsam mit der Gewässerschutzberatung der Landwirtschaftskammer (LWK), Vertretern des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und des Landvolks beim Unterhaltungsverband Obere Hunte Nr. 70 (UHV) in Wittlage.

„Mit diesen Maßnahmen sollen künftig die oberflächenhaften Phosphoreinträge aus dem Hunteeinzugsgebiet in den Dümmer reduziert und somit das Blaualgenwachstum vermindert werden“, sagt Raimund Esch, Gewässerschutzberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die Vertreter der Landwirte sind Mitglieder der im Januar 2013 neu gegründeten Gewässerschutzkooperation Dümmer/Obere Hunte und repräsentieren ihre Berufskollegen im Einzugsgebiet der oberen Hunte. Das Konzept zur Fortsetzung der Dümmersanierung, der sogenannte Rahmenentwurf, beinhaltet laut Esch unter anderem die aktive Einbindung der Landwirtschaft. Auf kooperativer Basis sollen Möglichkeiten gefunden werden, die landwirtschaftlich bedingten Phosphoreinträge zu reduzieren. Die positiven Ergebnisse des niedersächsischen Kooperationsmodells zum Trinkwasserschutz bieten seiner Meinung nach dafür ein gutes Beispiel.

„Nach derzeit vorliegenden Untersuchungen sind etwa 70 Prozent der Phosphorimmissionen in den Dümmer landwirtschaftlichen Ursprungs. Dabei zeigen Messungen, dass der Nährstoffgehalt der Hunte auf gleichem Niveau liegt wie bei vergleichbaren Gewässern. Der Dümmer reagiert jedoch aufgrund seiner geringen Wassertiefe besonders empfindlich auf diese Nährstoffeinträge. Die Landwirte sind bereit, aktiv Maßnahmen zur Reduzierung der Phosphoreinträge umzusetzen, wenn die Eintragspfade genau ermittelt werden“, erläutert Esch.

Besonders durch Erosion und Abschwemmung ist die Gefahr des oberflächenhaften Phosphoreintrages in die Gewässer gegeben. Dr. Walter Schäfer vom LBEG erläuterte dies anhand seiner wissenschaftlichen Untersuchungen, die auch künftig fortgesetzt werden. „Diese bilden die Grundlage für eine gezielte Erarbeitung und Umsetzung von Gewässerschutzmaßnahmen“, so Raimund Esch. Zur Vermeidung von Erosion und Abschwemmung können Begrünungsmaßnahmen wie zum Beispiel Zwischenfruchtanbau problemlos umgesetzt werden. Für neuere Techniken zur Ausbringung von organischen Wirtschaftsdüngern wie Gülleinjektion und Strip-Till, die im Einzugsgebiet forciert werden sollen, fordern die Landwirte finanzielle Unterstützung.

Randstreifen von

großer Bedeutung

In Zusammenarbeit mit dem UHV wird überlegt, inwieweit bestehende Räumungsstreifen als Gewässerrandstreifen genutzt werden, aber auch neue angelegt werden können. Gewässerrandstreifen verbessern und sichern die Wasserspeicherung sowie den ordnungsgemäßen Wasserabfluss. „Die Anlage dieser Streifen ist von großer Bedeutung; Stoffeinträge und Belastungen werden deutlich vermindert. Auch für Außenstehende sind solche Begrünungsstreifen als aktive Schutzmaßnahmen für den Dümmer sichtbar“, meint Esch.

Durch den Einbau eines Phosphor-Filters an einen oder zwei Dränausläufen soll getestet werden, inwieweit gelöster Phosphor im Dränwasser herausgefiltert werden kann, bevor es in die Oberflächengewässer gelangt. Gerade auf Flächen mit hohem organischem Anteil wie anmoorige beziehungsweise kultivierte Moorflächen sind relativ hohe Phosphorkonzentrationen im Dränwasser gemessen worden, so die Untersuchungen des LBEG.

„Sofern Landwirte besonders gewässerschonende Maßnahmen umsetzen möchten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen und zur weiteren Senkung des Nährstoffeintrages beitragen können, sieht der Rahmenentwurf einen Ausgleich für Mindererträge und höhere Bewirtschaftungskosten vor. Die Landwirte wünschen sich zeitnah eine Bereitstellung dieser Finanzmittel und einen möglichst unbürokratische Abwicklung der Maßnahmen. Denn nur so kann bereits nach der diesjährigen Getreideernte ein aktiver Gewässerschutz am Dümmer umgesetzt werden“, sagt Raimund Esch.

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