Storchenpaar wartet in Hüde auf neue Nisthilfe

„Schlüsselfertig“ und prompter Einzug

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Die Nisthilfe war gerade mal aufgestellt, als das Storchenpaar sie in Beschlag nahm und das Nest ausbaute. Jetzt hat das Brutgeschäft der beiden Schreitvögel begonnen.

Hüde - Von Simone Brauns-Bömermann. Mit dem Horst, der vor kurzem in Hüde-Hasslinge aufgestellt wurde, sind derzeit neun Weißstorchnisthilfen rund um den Dümmer bezogen. Der Naturschutzring Dümmer hatte in den Wintermonaten insgesamt sechs Nisthilfen aus A-Masten mit Nistplattformen bauen lassen, sie mit Haselnussstrauch-Ästen und Kokosbändern grundausgestattet und geeignete Standorte gewählt.

„Von den sechs Nisthilfen sind derzeit vier von uns aufgestellt worden, eine von einem Privatmann in Diepholz und eine muss noch installiert werden“, erläutert Ökologin Ulrike Marxmeier vom Naturschutzring. Die derzeit rund um den Dümmer stehenden Horste verteilen sich auf Hüde, Hüde-Hasslinge, dem Naturerlebnisgarten des Naturschutzrings, Schäferhof, Ochsenmoor bei Stemshorn, Lembruch, Eickhöpen, Rüschendorf und Osterfeine.

Vor dem Aufstellen der Nisthilfe Nummer neun (Hasslinge) wurden schon lange Störche gesichtet, die im Grünland auf Nahrungssuche waren. Als die Bagger zum Aufstellen der Nisthilfe anrollten, kreisten bereits während der Bauarbeiten drei Störche über dem Gelände. „Das ist bestimmt der Makler-Storch und ein interessiertes Mieter-Pärchen“, mutmaßten die Baggerfahrer. Und genauso war es. Als Ruhe eingekehrt war, flog das Paar ein, begutachtete das vorbereitete Nest und fing sofort an mit dem Weiterbau. Dabei wurden alle Materialien, die die Umgebung bot, genutzt. Heu, Silage, Stöcke und Äste. Derzeit brütet das Paar, muss jedoch immer wieder Attacken eines dritten Vogels abwehren und auf der Hut sein. So die menschliche Beobachtung.

Beim Naturschutzring gingen viele Anrufe ein, sehr viele Bewohner rund um den Dümmer wünschten sich einen Storch in der Nachbarschaft, doch nicht alle Standorte waren geeignet. Die Fachleute wählten die Standorte aus, wo Grünland, bevorzugt beweidet, im nahen Umfeld vorhanden ist. In Diepholz sind es die weiten Flächen Beekemoor/Heeder Moor. In Hasslinge stehen die Horste in unmittelbarer Nähe mit Pferdehaltung. In Lembruch befindet sich die Nisthilfe auf einer Rinderweide, in Nachbarschaft mit dem Grünlandgebiet Osterfeiner Moor. Bei Stemshorn ist der Standort auf einem Wiesenstück gewählt, angrenzend an eine Pony- und Eselweide. Der letzte Horst soll in Marl-Hagewede platziert werden.

Aber auch das gibt es: Als eine der Nisthilfen bei Diepholz ein halb abgestürztes Storchennest auf einer Erle ersetzen sollte, hat der Storch sein baufälliges Nest kunstvoll renoviert, sodass die Nisthilfe vorerst leer blieb.

Zur Geschichte der Weißstörche in der Dümmerregion, deren Nistverhalten und den naturschutzfachlichen Beobachtungen: Von alters her ist für den Storch ein Mosaik von Dauergrünland, Acker und Brache günstig. Heute findet er viel Acker vor, Dauergrünland und besonders Feuchtgrünland ist selten geworden. So suchen sich die Paare, die sich in den letzten Jahrzehnten gerade in der Region wieder heimisch fühlen, gern ihre Nistplätze in den Grenzbereichen zwischen Grün- und Ackerland. Störche bleiben nicht ihrem Partner, sondern ihrem Brutplatz treu. Sie kehren jedes Jahr wieder zu ihrem Horst zurück. Dieses gilt für beide Partner, so dass oft jahrelang ein und dasselbe Storchenpaar im gleichen Nest seine Jungen aufzieht.

Allerdings gibt es neue Erkenntnisse: Das Weibchen am Naturerlebnisgarten traf im März mit einem neuen Männchen ein. Als nach zwei Wochen der „alte“ Partner aus den Vorjahren dazukam, der für die Rückkehr aus dem Winterquartier wohl länger gebraucht hatte, entschied sich das Weibchen gegen das neue und für den alten Partner. Die Paarbindung aus den Vorjahren hatte Bestand. „Das war für uns eine große und schöne Überraschung“, so Ulrike Marxmeier. An sich ist der Storch in unserer Region ein Baumbrüter und auch für das Dümmergebiet sind die historischen Baumhorste des Weißstorches bekannt, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog er überwiegend auf Gebäude um (Weichdächer, Hartdächer, Kamine). Mittlerweile sind jedoch alle besetzten Horste auf Masten zu finden.

Das Artenschutzprojekt „Weißstorch“, auf dessen Grundlage die sechs Nisthilfen installiert werden, wird vom Land Niedersachsen finanziert, vom Naturschutzring Dümmer in Abstimmung mit der Naturschutzstation, dem Landkreis Diepholz und im Dialog mit den Standorteignern realisiert. Ein regelmäßiges Monitoring, sprich Beobachtung aus vernünftiger Entfernung, Gesprächen mit den Eigentümern, begleiten das Projekt. Die Internetseite des Naturschutzrings zeigt eine Übersichtskarte der Horst-Standorte, die Entwicklung der Populationen über die Jahre hinweg. Eigentlich rechneten die Mitarbeiter des Naturschutzrings gar nicht so schnell mit dem Bezug des neuen Horstes in Hasslinge: Doch der Bedarf an adäquatem Wohnraum scheint auch bei Störchen da zu sein: „Schlüsselfertig und teilmöbliert – erwünscht!“.

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