Landesbetrieb für Wasserwirtschaft lädt zum „Dümmerforum“

Schilfpolder-Vorplanung in Auftrag gegeben

+
Diskussionen gehören beim Dümmerforum dazu: Besucher und Referenten tauschten sich immer wieder gegenseitig aus.

Stemshorn - Von Simone Brauns-Bömermann. Der Dümmer schwankte in den letzten Jahren zwischen Blaualgenblüte und Unterwasserpflanzenwachstum. Wie es 2016 mit der Wasserqualität aussehen wird, „trüb oder klar“, dazu wollte keiner der Fachleute des Dümmerforums eine Prognose liefern. Im Mai weiß man mehr.

„Mir ist derzeit in Deutschland kein Projekt bekannt, dass solch ein Monitoring betreibt“, fasste es Limnologe Bernd Schuster vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zusammen. Eins wurde deutlich: Die Behörden, Kommunen, Protagonisten und Verantwortlichen arbeiten an der Verbesserung der Wasserqualität des Dümmers wissenschaftlich, ambitioniert und kooperierend statt konkurrierend.

Zum Treffen auf dem Schäferhof gab es Neuigkeiten zu den Punkten „Planungstand Schilfpolder“, „Monitoring im Einzugsgebiet“ und „Sachstand der Umsetzungsplanung“ vom NLWKN und Raimund Esch, landwirtschaftlichem Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Osnabrück.

Schuster resümierte für 2015: „Es war ein überdurchschnittliches Abflussjahr, das im Mittel nur alle zehn Jahre auftritt. Allerdings hätten alle Hochwasserereignisse vom Schilfpolder behandelt werden können“. Somit sei der Bau des Reinigung-Poldersystems für die Dümmer-Sanierung unverzichtbar, die Größe könne aber reduziert werden, je nach Grad der möglichen Umleitungen P-Fracht führender Kanäle. Auch eine Erhöhung der Abschläge in den Mittellandkanal besäße ein P-Reduktionspotential von über zwei Tonnen pro Jahr, was eine Reduktion von etwa 40 Hektar Schilfpolder bedeute.

„Wir haben bislang an 20 Probenahmestellen rund 10 000 Phosphatanalysen erhoben“, so Schuster. Dabei hätten die Wissenschaftler extreme P-Immissionen im Bereich des landwirtschaftlich intensivst genutzten Einzugsgebietes der Elze festgestellt. „Die landwirtschaftlichen Maßnahmen sind unzureichend und noch weit entfernt vom zugesicherten Reduktionsziel von minus 30 Prozent.“ Bei Hochwassern wäre aber klar: Kappt man die Spitzen vor Eintritt in den Dümmer, kann man Phosphatschübe verringern. Der Zielwert von 5,4 Tonnen Phosphor sei mit 25 Tonnen Eintrag um das Fünffache erhöht. Jedoch habe die Bornbachumleitung Erfolge gezeigt: 1988 kamen 47 Tonnen in den See, 2007 40 und 2015 25 Tonnen. Durch den Abschlag in den Mittellandkanal flossen im Jahr 2015 zehn Millionen Kubikmeter „Schmutzwasser“ mit 4 500 Kilogramm Phosphor ab. Die See-Sanierer drehen an allen Stellschrauben, doch der „zentrale Gütewächter“ sprich Polder müsse her.

„Wir haben Anfang 2016 das Büro ,Inros Lackner‘ aus Bremen in Zusammenarbeit mit den Büros ,Aquaplaner‘, Hannover, und ,Ingenieurbüro Floecksmühle‘, Aachen, mit der Vorplanung des Polders beauftragt“, so Jörg Prante. Die Beauftragung erfolge stufenweise mit Grundlagenplanung und Vorplanung. Sie beinhalte alle drei Ausbaustufen, jedoch seien vorrangig 120 Hektar angestrebt.

Der Vorplanung folge die Entwurfsplanung, Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren, Ausschreibung und Bau. Dies nähme prognostiziert noch mindestens sechs bis acht Jahre in Anspruch. Wesentliche Bauelemente seien Zuleitung, Sand- und Geröllfang, Rechen Polder, Ableiter und Infrastruktur Betrieb und Unterhaltung. „Hierzu werden Varianten erarbeitetet zur Entscheidungsfindung“, erläuterte Prante. „Wichtig bei der Wahl der Büros war uns eine hohe Kompetenz im Wasserbau, Umweltplanung und Praxis der Durchführung.“

Betriebsstellenleiter des NLWKN in Sulingen, Bernd Lehmann, berichtete über Gewässerentwicklungs- und Renaturierungs-Bemühungen im Bereich Obere Hunte. Er wies auf die Möglichkeit der Beantragung von Fördermitteln für Gewässerentwicklung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) mit Programm „PFEIL-See“ hin, dass am 13. April in Kraft trat und neues Geld für 27 Seen in Höhe von zwei Millionen Euro vorsieht. „Unsere Daueraufgabe, die Entschlammung des Dümmers, wird in der 30 Kalenderwoche abgeschlossen sein.“

Raimund Esch resümierte aus der Beratung der Landwirte im Einzugsgebiet: „Die freiwillige Gewässerschutzberatung wird sehr gut angenommen. Unsere Ergebnisse münden in Maßnahmenvorschlägen, allerdings könnten die finanziellen Anreize für die Landwirte besser sein.“ Er setze auf die Kooperation „Dümmer/Obere Hunte“ mit den Aufgaben „Informationsaustausch“ und „Einbindung aller Akteure“. Am 12. Mai fände ein Nährstoffsymposium in Hannover statt, das sich mit der Nährstoff-Situation allgemein und dem Austausch, Logistik und Steuerung innerhalb der abgebenden und aufnehmenden Regionen befasse. Unbeantwortet blieb die kritische Nachfrage von Jürgen Göttke-Krogmann dazu: „Warum arbeitet die Landwirtschaft immer noch an oberer Kante?“

In seinem Impulsvortrag „Wirtschaftsdünger – von der knappen Ressource zum Problem der Regionalentwicklung?“, kam Professor Dr. Kim Philip Schumacher vom Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) Vechta zu dem Schluss: „Die Reduzierung der anfallenden Nährstoffe muss Ziel der künftigen Entwicklung der Landwirtschaft in der Region Weser-Ems sein, da sie sonst ein zunehmendes Problem für die Regionalentwicklung wird, ökologisch, ökonomisch und sozial.“

Mehr zum Thema:

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Sattelzug blockiert Lange Straße

Sattelzug blockiert Lange Straße

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Kommentare