Schafe übernehmen wichtigen Job: Karin Meyer und der Hunte-Wasserverband gehen Partnerschaft ein

Deichpflege durch „romantische“ Rasenmäher

+
Schäferin Karin Meyer (v.l.) und ihr Mann Oliver freuen sich mit dem ersten Kreisrat Wolfram van Lessen als Verbandsvorsteher auf den Einsatz der Schafe.

Lembruch - Von Anke Seidel. Manchmal bringen schwarze Schafe Glück – am Dümmer nicht nur der Schäferin Karin Meyer, sondern auch dem Hunte-Wasserverband. Die 47-Jährige war auf der Suche nach Weideflächen für ihre Herde, der Verband nach einer möglichst kostengünstigen Deichpflege. Jetzt sind beide Partner.

„Die Beweidung wird in diesem Jahr auf dem nördlichen Deichabschnitt zwischen dem Hafen Baggerloch in Lembruch und dem Olgahafen in Dümmerlohausen erprobt“, sagt Verbandsvorsteher Wolfram van Lessen. „Anschließend werden die Schäferin und der Hunte-Wasserverband über eine Fortsetzung beraten.“

Karin Meyer hatte beim Verband gefragt, ob sie das Areal am Dümmer beweiden darf. „Bei uns hat sie offene Türen eingerannt“, so der Verbandsvorsteher, sichtlich zufrieden mit der neuen Partnerschaft: „Schafe festigen die Grasnarbe und reduzieren Schäden durch Maulwürfe.“

In Barenbruch, Stemshorn, betreibt die Schäferin eine Mutterschafherde mit etwa 240 Tieren. Jedes ist optisch ein Unikat. Denn Karin Meyer hat drei Rassen miteinander gekreuzt: Milchschaf, Dorperschaf und Schwarzkopfschaf. „Seitdem wir diese Schafe haben, ist keines mehr gestohlen worden“, berichtet die 47-Jährige, die sich mit der Schäferei einen Lebenstraum erfüllt. Seit neun Jahren hält sie die Tiere, die übrigens deutlich schwerer sind als die für die Diepholzer Moorniederung typischen Moorschnucken. Denn zwischen 50 und 80 Kilogramm wiegen die bunten oder völlig schwarzen Schafe von Karin Meyer.

Ihr Mann Oliver (42) unterstützt sie bei der Haltung.

Sorgfältig kontrolliert er den elektrischen Weidezaun am Deichkronenweg, der die Weidefläche der Schafe begrenzt. Kräuter und saftiges Gras steht den 70 Mutterschafen und 102 Lämmern auf dem Deichareal zur Verfügung – so reichlich, dass die Schäferin nicht mehr zufüttern muss. Bald kommen noch fünf Ziegen dazu: „Die fressen die kleinen Büsche“, erklärt Karin Meyer.

Der mobile Zaun ist leicht zu versetzen, kann also immer wieder neue Weideflächen abgrenzen, wenn ein Abschnitt sorgfältig abgeweidet ist. Nutzen kann die Schäferin in diesem Jahr einen insgesamt drei Kilometer langen Deichabschnitt. Zum Vergleich: Der Dümmer-Deich insgesamt ist 18,5 Kilometer lang.

Die Schafherde sorgt für eine romantische Szenerie: Auf der einen Seite des Deichkronenweges sehen Spaziergänger den im Sonnenlicht glitzernden See, auf der anderen die friedlich weidenden Tiere. Aber nicht alle genießen dieses Naturerlebnis: Einige Anwohner haben sich über das Blöken der Schafe beschwert. Verbandsvorsteher Wolfram van Lessen bittet sie um Verständnis für die sinnvolle Deichpflege am Dümmer.

Wie wichtig die Schafe dafür sind, ist seit weit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt: „Bei der Eindeichung des Dümmers waren ursprünglich fünf Schäfereien für die Deichunterhaltung vorgesehen“, berichtet Wolfram van Lessen. „Letztlich wurde aber nur der Schäferhof an der Oberen Hunte im Jahr 1953 in Betrieb genommen. Im Übrigen wurde der Deich maschinell unterhalten.“

Aus wirtschaftlichen Gründen hatte der Hunte-Wasserverband die Deichschäferei 1999 aufgegeben. Den Schäferhof hatte er dem Verein „Naturraum Dümmerniederung“ überlassen – für die Landschaftspflege der Naturschutzgebiete am Dümmer, insbesondere im Ochsenmoor. Dort grasen die bekannten Moorschnucken. „Gelegentlich beweiden die Moorschnucken von Schäfermeister Michael Seel auch die Deiche an der Oberen Hunte und den südlichen Dümmerdeich“, ergänzt der Verbandsvorsteher.

Fest steht schon jetzt, dass am Deichkronenweg in Lembruch bald noch mehr Schafe stehen. Denn Karin Meyer will dort auch die Tiere ihrer Herde weiden lassen, die zurzeit noch frisch geschoren im Stall in Stemshorn stehen. Ihre schwarze Wolle ist übrigens noch zu haben: „Die Industrie will nur weiße Wolle, weil man die färben kann“, berichtet Karin Meyer. Wer schwarze Schafwolle gebrauchen kann, der könne sich gern bei ihr melden.

Hat die Schäferin keine Angst, dass ein Wolf ihre Herde am Dümmer angreifen könnte? „Mehr Angst habe ich vor wildernden Hunden“, antwortet die 47-Jährige. Dass Anwohner ihre Hunde am Dümmer frei laufen lassen, ist allerdings verboten: „Am gesamten Dümmer herrscht Leinenzwang“, betont Wolfram van Lessen. Denn die Dümmerregion stehe als Europäisches Vogelschutzgebiet unter ganz besonderem Schutz.

Nur ein Hund darf demnächst frei am Dümmer laufen: Der Hütehund in der eingezäunten Schafherde. Es ist ein Schafpudel. Karin Meyer: „Zurzeit ist er noch in der Ausbildung.“

Mehr zum Thema:

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Trump wendet sich radikal vom Klimaschutz ab

Trump wendet sich radikal vom Klimaschutz ab

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

New Model Army im Aladin

New Model Army im Aladin

Meistgelesene Artikel

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Frage zum Frühlingserwachen: „Wer braucht schon Moore?“

Frage zum Frühlingserwachen: „Wer braucht schon Moore?“

Frühjahrskonzert mit musikalischer Reise 

Frühjahrskonzert mit musikalischer Reise 

Unfallszenario mutet auf den ersten Blick etwas rätselhaft an

Unfallszenario mutet auf den ersten Blick etwas rätselhaft an

Kommentare