Finanzierung der Gründlandpflege läuft aus

Schäfer Michael Seel fordert Klarheit zu seiner Zukunft auf dem Schäferhof Stemshorn

Schäfermeister Michael Seel mit einem Lamm im Schafstall auf dem Schäferhof Stemshorn.
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Schäfermeister Michael Seel betreibt seit fast zehn Jahren die Schäferei in Stemshorn. Wie lange es dort für ihn und seine Familie weitergeht, ist derzeit offen.

Schäfer Michael Seel pflegt seit etwa zehn Jahren das Feuchtgrünland in der Dümmerniederung. Wie lange es für ihn weitergeht, ist offen. Die aktuelle Finanzierung läuft zum Jahresende aus, Gespräche über eine Fortführung laufen.

Stemshorn – Seit fast zehn Jahren ist Michael Seel Schäfer auf dem Schäferhof Stemshorn. Mit seinen aktuell knapp 800 Diepholzer Moorschnucken kümmert er sich um die Pflege des Feuchtgrünlands im Naturschutzgebiet. Zunächst sah es so aus, als sei damit zum Jahresende Schluss, jetzt könnte es vielleicht doch weitergehen. Eine Entscheidung vonseiten des NLWKN und des Vereins „Naturraum Dümmerniederung“ gibt es aber noch nicht, und das ärgert den Schäfermeister. Immerhin ist schon Juni, und er weiß momentan nicht verlässlich, ob seine Existenz über den 31. Dezember hinaus gesichert ist. „Das ist auch eine psychische Belastung“, sagt Seel.

Zum Hintergrund: Die Landschaftspflege wird vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) finanziert. Er überweist das Pflegegeld an den Verein „Naturraum Dümmerniederung“, der seit rund 20 Jahren Hauptpächter des im Eigentum des Hunte-Wasserverbands befindlichen Schäferhofs ist. Der Verein gibt das Geld an seinen Pächter Michael Seel weiter.

Das Problem: Ende 2021 läuft die aktuelle Finanzierung auf der Grundlage einer Förderrichtlinie des niedersächsischen Umweltministeriums aus. Einen Antrag auf weitere Finanzierung der Landschaftspflege hatte der Verein bislang nicht gestellt.

Schäfer fordern kostendeckende Vergütung aus Vertragsnaturschutz

Für den Schäfermeister und seine Familie würde eine Einstellung des Pflegegelds bedeuten, dass sie die Schäferei nicht mehr betreiben könnten, sagt Seel. Das Geld sei ohnehin knapp bemessen. 66.000 Euro bekomme er bisher pro Jahr. Als Lohn für ihn und seine Frau, die ebenfalls auf dem Schäferhof arbeite, blieben davon nur rund 6.000 Euro jährlich. „Der Rest sind Betriebskosten.“ Seel verweist auf Gutachten, wonach ein Schäfer für ein wirtschaftliches Auskommen rund 110.000 Euro braucht. Statt immer wieder auf die kurzfristige Bewilligung von Anträgen angewiesen zu sein, würde sich der Schäfermeister eine langfristige und auskömmliche Finanzierungszusage wünschen.

Mit seiner Forderung ist Seel nicht allein. Die sechs Schäfereien der Diepholzer Moorniederung hatten Anfang 2020 ein gemeinsames Positionspapier verfasst, in dem sie unter anderem die Wichtigkeit der Landschaftspflege mit Schafen hervorheben und eine kostendeckende Vergütung aus dem Vertragsnaturschutz fordern.

Laut Marcel Holy ist der Verein „Naturraum Dümmerniederung“ derzeit mit dem Land in Gesprächen über eine Fortsetzung der Finanzierung mit veränderten Rahmenbedingungen. Seel solle mehr Geld bekommen und auch andere Flächen mit seinen Schafen beweiden können, formuliert der Geschäftsführer des Vereins die Ziele. Zur angestrebten Laufzeit gibt es keine offizielle Aussage.

Vertragspartner wären der Verein und der NLWKN, trotzdem hätte sich Seel gewünscht, als Betroffener an den Gesprächen beteiligt zu werden. Schließlich könne er mit seinem Fachwissen am besten sagen, welche Rahmenbedingungen er brauche. Wie der Schäfermeister berichtet, habe ihm der Verein geraten, sich angesichts der ungewissen Zukunft der Schäferei eine Alternative zu suchen. Aber von heute auf morgen gehe das nicht. Nach eigener Aussage könnte er möglicherweise in ein bis zwei Jahren in einer anderen Schäferei unterkommen, doch eigentlich wolle er nicht weg. „Wir haben hier etwas aufgebaut und viele Freunde gefunden“, sagt Seel. „Mir liegt viel an dem Schäferhof.“ Ob sich durch die aktuellen Verhandlungen nun doch eine langfristige Perspektive am Dümmer für ihn ergibt, bleibt abzuwarten.

Der Schäferhof mit Café liegt inmitten der weiten Naturlandschaft.

Der NLWKN, in dessen Verantwortung die Sicherstellung der Landschaftspflege liegt, erklärte auf Nachfrage, sobald ein Antrag zur Fortführung des Projekts vorliege, „wird dieser hier geprüft und im Rahmen der Förderrichtlinien und zur Verfügung stehenden Mittel entschieden werden“. Sollte eine Fortführung nach Prüfung eines Antrags nicht bewilligt werden können, werde der NLWKN im Rahmen seiner Zuständigkeiten zu gegebener Zeit die Pflege und Entwicklung der Schutzgebiete in der Dümmerniederung in anderer Weise sicherstellen, so der Landesbetrieb. Er verfüge über die Kompetenz, diese bei Bedarf in vorbildlicher Art und Weise umzusetzen.

Michael Seel ist da skeptisch, insbesondere wenn Maschinen bei der Landschaftspflege zum Einsatz kommen. Sie könnten nicht das Gleiche leisten wie die Moorschnucken. Er denkt dabei unter anderem an die vielen kleinen Tiere, die im Grünland leben und unter den Mäher kommen könnten. Die Beweidung mit Schafen sei viel schonender, so Seel. Mit ihrem vergleichsweise geringen Gewicht und ihrem Körperbau ist die Diepholzer Moorschnucke perfekt an den weichen Untergrund angepasst. Außerdem kommt sie gut mit der kargen Nahrung aus dem Moor zurecht.

Schäferhof Stemshorn hat mehr Aufgabe als nur Landschaftspflege

Der Schäfermeister betont auch die Bedeutung des Schäferhofs über die Landschaftspflege hinaus. Im Rahmen des Projekts „Grünes Klassenzimmer“ des Landvolks kämen jährlich etwa 500 Kinder auf den Schäferhof, es gebe eine langjährige Kooperation mit der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde zu verschiedenen Naturthemen, er biete Seminare und Schulungen etwa zur Ausbildung zum Demeter-Imker an und sei Anlaufpunkt für Touristen, die mit dem Rad in der schönen Landschaft unterwegs seien. „Wir können schon liefern“, sagt Seel ganz selbstbewusst.

Und es gibt aus Sicht des Schäfermeisters noch einen guten Grund, warum er seine Arbeit fortsetzen sollte. Er verweist auf die Bedeutung seiner Tiere für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Diepholzer Moorschnucke. „Wir sind Herdbuchzuchtbetrieb.“ Er verfüge über 450 Stammzuchttiere.

„Für die Region wäre das ein herber Verlust“, sagt Heiner Richmann zu einer möglichen Schließung der Schäferei, die angesichts der aktuellen Gespräche aber wohl vorerst nicht im Raum steht. Der Vorsitzende des SPD-Ortsverbands „Altes Amt Lemförde“ möchte seinen Parteifreund Seel unterstützen. „Wir haben in der Politik darüber philosophiert, dass der Inlandstourismus wächst und wir den Gästen etwas bieten müssen“, so Richmann. Der Schäferhof sei ein Anlaufpunkt für Touristen. Er hat nach eigener Aussage auch schon versucht, mit Vertretern des Landes über das Thema zu sprechen, bislang allerdings erfolglos.

Der Verein „Naturraum Dümmerniederung“ arbeitet laut Marcel Holy unterdessen an Möglichkeiten, seine finanzielle Situation zu verbessern. Denn als Hauptpächter des Schäferhofs ist er für die Unterhaltung aller Gebäude verantwortlich.

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