Wohnhäuser entlang der Birkenallee geplant

Das Lembrucher „Sahnegrundstück“ am Dümmer See

Gut 40 Zuhörer wollten der Ratssitzung am Montagabend folgen, nicht alle fanden Platz im Lembrucher Schützenhaus. Durch ein geöffnetes Seitenfenster verfolgten weitere das Geschehen.
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Gut 40 Zuhörer wollten der Ratssitzung am Montagabend folgen, nicht alle fanden Platz im Lembrucher Schützenhaus. Durch ein geöffnetes Seitenfenster verfolgten weitere das Geschehen.

Lembruch – Sie waren gekommen, um Antworten zu erhalten auf ihre drängenden Fragen. Die Bandbreite der Themen zeigte indes, wie vielfältig die Interessen sein können – und wie unterschiedlich die Standpunkte. Gut 40 Bürgerinnen und Bürger warteten vor dem Schützenhaus in Lembruch auf den Beginn der öffentlichen Ratssitzung am Montagabend.

Damit hatte der Gemeinderat nicht gerechnet. Masken trugen alle, Abstand wurde grob geschätzt, Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Scheibe und Lembrucher Ratskollegen prüften und verifizierten die Angaben der Zuschauer, ob sie denn zu einem Haushalt gehören („Wir sind ein Ehepaar“). Die Ratsmitglieder öffneten Seitenfenster, durch die weitere Zuschauer von außen dem Geschehen folgen konnten.

Baugrundstücke sind gefragt

Die Baugrundstücke am Dümmersee sind gefragt, das ist nicht neu. Nach Jahrzehnten kommt Fahrt in eines der „Sahnegrundstücke“, dem Areal entlang der Birkenallee, an dessen Ende das „Hotel Seeblick“ demnächst wieder als „Stratmanns Haus am See“ die Augen öffnet.

Naturidyll an der Birkenallee am Dümmer See in Lembruch: Wer näher rangeht, entdeckt am Boden Holzpflöcke mit blauer Spitze, die das dort geplante erste Bauvorhaben markieren.

Zunächst geht es um den Bereich ab der Landesstraße 853 bis hin zum Hotelareal. Dieser Bereich wird geteilt durch die bekannte Birkenallee und ist wiederum unterteilt in Bauabschnitte. Der Abschnitt direkt an der Landesstraße angrenzend ist Teil eins. Für den liegt bereits eine Bauvorabfrage vor. Hier gehe es schon im Spätsommer 2021 los mit der Bebauung, heißt es am Montag, geplant durch die MWM Immobilien GmbH & Co. oHG aus Steinfeld. Genaue Pläne existieren wohl noch nicht. Es wurden in der öffentlichen Sitzung keine Zeichnungen vorgelegt, sondern das Vorhaben mündlich kurz umrissen durch MWM-Geschäftsführer Benjamin Wehri. Nicht auf Nachfragen des Rates während des dazugehörigen Tagesordnungspunktes, sondern auf Nachfragen in der Einwohnerfragestunde.

Nein, es seien keine Ferienwohnungen geplant, was Bauamtsleiter Lars Mentrup bestätigt. Das Areal sei als allgemeines Wohngebiet zur Dauerbewohnung in der Bauleitplanung ausgewiesen, nicht als Sondergebiet für Ferienwohnungen. Die maximale Höhe konnte nicht genannt werden, die neuen Häuser sollen aber nicht höher sein, als die vorhandene Bebauung drumherum.

Was zunächst gut klingt und auch nicht so schlimm aussieht, als Mentrup zur Verdeutlichung von zwei Vollgeschossen zwei DIN-A-4 Blätter übereinander hält. Wie massiv sich die Bebauung aber auf dem insgesamt etwa 3,2 Hektar großen jetzt unbebauten Grundstück auswirkt, bleibt abzuwarten. Benjamin Wehri sprach von mehreren Mehrfamilienhäusern mit zwischen sechs bis acht Wohneinheiten, dazwischen etliche eingeschossige Doppelhäuser. Rechts und links der Birkenallee wird in unterschiedlicher Höhe geplant. Die Gebäude würden sich in der Optik in die Umgebung einbringen, heißt es.

Die Übersichtskarte für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Birkenallee“.

Das Areal ist derzeitig komplett unerschlossen, das heißt, alle Versorgungsleitungen müssen erst verlegt werden. Und damit fällt die Birkenallee? „Wo es notwendig ist, werden wir die Birken entfernen, später als Ersatz wieder Birken pflanzen“, erklärt Wehri.

Für den Rat der Gemeinde Lembruch, der unter Leitung von Bürgermeisterin Margarete Schlick tagte, blieb an diesem Abend, für das gesamte Areal, von der Landesstraße über das Hotel bis zum Deich, einen „vorhabenbezogenen Bauleitplan“ zu beschließen. Der gebe dem Rat mehr Einflussmöglichkeiten auf die Planungen, erklärte Lars Mentrup.

Neben der Wohnbebauung im „vorderen Teil“ sei, Stand jetzt, ein öffentlich zugänglicher Parkplatz geplant, sowie die Erweiterung der Außengastronomie westlich des Hotels, in Richtung des Deiches.

Aufgrund des „exponierten Standortes“ würde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan den Antragsteller „an das von ihm vorgestellte und mit Verwaltung und Politik weiter abzustimmende konkrete Vorhaben binden, in welchem auch qualitative Merkmale insbesondere der Gestaltung zum Planinhalt werden“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Vermieden werde solle, dass nach einem Ratsbeschluss die Planungen, etwa aus Kostengründen, abgeändert werden. Zusätzliche Handhabe für den Rat: „Bei Nichtumsetzung des Vorhabens könnte der vorhabenbezogene Bebauungsplan durch die Gemeinde aufgehoben werden, was bei anderen Bebauungsplänen so nicht ohne Weiteres möglich wäre.“

Ein städtebaulicher Vertrag zwischen Antragsteller und Gemeinde regelt überdies, wer die Kosten trägt: Der Antragsteller nämlich, während die Gemeinde weiterhin die Planungshoheit behalte.

Fragen bleiben zum Teil unbeantwortet

Für Teile des Geltungsbereiches, die momentan noch als Grünflächen und als Mischgebiet festgesetzt seien, sei parallel noch eine Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Einleitungsbeschluss, Aufstellungsbeschluss und städtebaulicher Vertrag wurden einstimmig genehmigt.

Der Bereich der Birkenallee zähle neben dem Bereich des Marissa Ferienparks und der Seestraße zu den wichtigsten touristischen Entwicklungsbereichen der Gemeinde, heißt es seitens des Rates.

Die Zuschauer monierten, es blieben am Ende der Planungen zu wenig öffentliche Parkplätze in dem Bereich. Fragen zur weiteren Außengastronomie, die wohl festinstalliert sein soll, nicht mobil, bleiben an diesem Abend unbeantwortet.

Von Sylvia Wendt

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