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Erst geschlagen, dann geworfen: Späte Reue bewahrt einen Bierflaschen-Rüpel vor Freiheitsstrafe

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Für zwei Körperverletzungen verhängte das Amtsgericht eine empfindliche Geldstrafe.
Für zwei Körperverletzungen verhängte das Amtsgericht eine empfindliche Geldstrafe. © Jansen

Dem Vater schlägt er mit der Bierflasche auf den Kopf, dem Sohn wirft er selbige mit Wucht an den Schädel. Für diesen Ausraster auf einer privaten Feier in Brockum hat das Amtsgericht Diepholz den 51 Jahre alten Rüpel zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Nur die späte Reue bewahrt den Mann vor einer Freiheitsstrafe.

Brockum/Diepholz – Wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen wurde ein 51-jähriger Mann vor dem Diepholzer Amtsgericht angeklagt, weil er in den Abendstunden des 23. Oktober 2021 in Brockum im Rahmen einer privaten Feier mit einem Schlag und einem Wurf mit einer vollen Bierflasche zwei Männer erheblich verletzt hatte. Die vom Angeklagten vollumfänglich eingeräumten Taten wurden mit einer Geldstrafe in Höhe von 11 700 Euro geahndet.

Der jetzt Angeklagte erschien am Tattag auf Einladung in der Wohnung eines Bekannten, in der sich bereits mehrere Männer zu einem geselligen Beisammensein zusammengefunden hatten. Man unterhielt sich und konsumierte alkoholische Getränke, der Angeklagte dabei nach eigenem Bekunden mehr als die übrigen Anwesenden.

Ohne dass einer der in dem Verfahren Befragten auch nur ansatzweise einen Grund dafür angeben konnte oder wollte, schlug der Angeklagte unvermittelt und ohne vorherige Warnung dem neben ihm sitzenden 58-jährigen Brockumer mit einer vollen 0,33-Liter-Bierflasche an den Kopf. Anschließend warf er die Bierflasche mit voller Wucht dem ebenfalls am Tisch sitzenden 27-jährigen Sohn des ersten Opfers an den Kopf. Während der Vater mit einer Schädelprellung und mehrtägigen Kopfschmerzen davon kam, trug sein Sohn eine klaffende und stark blutende Wunde an der Stirn davon. Nach dem Volltreffer sei er erst im nebengelegenen Bad wieder zu sich gekommen, wo andere Gäste versuchten, die Blutung zu stillen. Der junge Mann gab in der richterlichen Befragung an, später starke Kopfschmerzen gehabt zu haben und am folgenden Werktag arbeitsunfähig gewesen zu sein.

Angeklagter räumt Vorwürfe ein: „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat.“

Vater und Sohn, die sich das Verhalten des Angeklagten nach wie vor in keiner Weise erklären konnten, warteten nach dem Vorfall drei Tage lang auf eine Entschuldigung seitens des 51-Jährigen. Nachdem keine Kontaktaufnahme erfolgt war, erstatteten sie Anzeige.

Der Angeklagte räumte im Rahmen der Verhandlung die ihm gemachten Vorwürfe vollständig ein. An den Schlag und den Wurf habe er zunächst alkoholbedingt keine konkrete Erinnerung gehabt. Diese habe sich dann allerdings eingestellt, als er an dem Tag nach dem Vorfall mit seiner Ehefrau und dem Gastgeber gesprochen habe. Nicht erklären konnte er, weshalb er sich daraufhin nicht bei den Geschädigten entschuldigt habe. Ebenso wenig konnte er auf Befragen des Richters angeben, weshalb er die beiden Männer mit der Bierflasche verletzt hatte. Es habe keinen Streit gegeben und er sei auch nicht provoziert worden: „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat, so etwas ist mir noch nie passiert, es tut mir leid.“

Geschädigte nehmen Entschuldigung an

Auf einen entsprechenden Hinweis des Richters hin tat der Angeklagte nun das, was er in den ersten Tagen nach dem Vorfall bereits hätte tun sollen und was ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit vor diesem Gerichtsverfahren und der nun folgenden Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen bewahrt hätte: Er entschuldigte sich in aller Form bei den beiden Geschädigten. Diese nahmen die Entschuldigung an.

Die ehrliche Reue, die Entschuldigung und das bis dahin straffreie Vorleben des Angeklagten führten dazu, dass der Richter von der Verhängung einer Freiheitsstrafe, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, absah und den sichtlich betroffenen Mann zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 65 Euro verurteilte. Diese empfindliche Geldstrafe war nach Ansicht des Gerichts ausreichend, um den Angeklagten zu einem künftig gewaltfreien Leben zu veranlassen. agu

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