Gedenkkonzert für Prof. Peter Feuchtwanger

Professor Maxsein entfacht ein Klangfeuerwerk

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Prof. Ludger Maxsein trat als besonderer Gast während des Gedenkkonzertes für Professor Peter Feuchtwanger in Lemförde auf. 

Lemförde - Von Christa Bechtel. In den letzten Jahren hat der Musiker, Komponist und einer der renommiertesten Klavierpädagogen unserer Zeit, Prof. Peter Feuchtwanger, in München geboren und in London lebend, 20 Meisterkurse „Klavier“ an der Musikakademie Dümmer-See in Hüde gegeben. An denen nahmen annähernd 300 Pianisten aus dem In- und Ausland teil. Im letzten Jahr verstarb Feuchtwanger. Als Hommage an ihn hatte der KulturBunt Lemförde zu einem Gedenkkonzert zum 1. Todestag in den Lemförder Rittersaal eingeladen. Das hätte dem Professor sicher gefallen, da es seine Assistenten und Meisterschüler gestalteten.

Es hatte auch in all den Jahren Tradition, dass KulturBunt und Musikakademie immer im August zu einem Klavierabend der besonderen Art einluden. Nur dass erstmals Prof. Michael Schmoll, Gründer der Akademie am Dümmer, zur Begrüßung nicht neben dem KulturBunt-Vorsitzenden Ernst Völkening stand, da er eine wichtige Probe mit seinem Kammerchor in Osnabrück hatte. Glück habe man damit, so Völkening, dass Achim Clemens die Tradition fortführe und die Meisterkurse in der Musikakademie weiter gebe. Clemens war etwa 30 Jahre Assistent von Feuchtwanger. Speziell begrüßte der KulturBunt-Vorsitzende aber einen besonderen Gast: Prof. Ludger Maxsein, emeritierter Professor der Folkwang-Hochschule Essen.

Maxsein wurde 1942 in Würzburg geboren, erregte schon mit acht Jahren als gefeiertes „Wunderkind“ Aufsehen und gestaltete den ersten Teil des Gedenkkonzertes. Mit unglaublicher Intensität gepaart mit leidenschaftlicher Hingabe zur Musik entfachte Maxsein mit Sergej Rachmaninoffs acht „Etudes Tableaux‘ op. 33“ ein Klangfeuerwerk, das die Zuhörer von der ersten bis zur letzten Note in seinen Bann zog. Ein komplexes Werk, das von seinen starken dynamischen Abstufungen lebt. Einige schauten sich auch gleich neugierig die Anschlagstechnik des Virtuosen an, der ganz in seinem Spiel versunken schien. Von Frederic Chopin brachte der Pianist vor der Pause noch das bekannte „Nocturne Fis-Dur, op. 15, Nr. 2“ und die „Polonaise-Fantaisie As-Dur, op. 61“ zu Gehör.

Den zweiten Teil bestritten dann Feuchtwangers ehemalige Assistenten beziehungsweise Meisterschüler. Susanne von Laun, die mit Stanislaw Widulin und Daniel Kasparian Achim Clemens beim diesjährigen Meisterkurs assistiert, widmete sich mit emotionalem Ausdruck Franz Schubert und Karsten Hens sehr energisch fortschreitend Edvard Grieg. Mit drei Etüden von Chopin hatte Stanislaw Widulin wundervolle Ohrwürmer gewählt, die er präzise, perlend mit weichem Anschlag erklingen ließ.

Daniel Kasparian war ebenfalls Feuchtwangers Assistent. Trotz seiner starken Erkältung brillierte er mit eher unbekannten Komponisten wie Joseph H. Flocco, Thomas Tellefsen und Cécile Chaminade. Federleicht berührte der Ästhet im Klavierspiel die schwarz-weißen Tasten. Ein kurzes Intermezzo gab Petra Neuhaus-Hanisch mit dem Satz „Storm“ aus „Two Sea Pictures“ von Cuthbert Harris. Die einzige Interpretin, die Peter Feuchtwanger nicht mehr kennengelernt hat, ist Viktoria Lang, eine junge Schülerin von Achim Clemens. Sie begeisterte und beeindruckte mit „Das Bogatyr Tor“ aus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski so sehr, dass nach ihrem Auftritt spontane Bravorufe im Rittersaal laut wurden.

Ganz nah waren die Konzertbesucher zum Schluss Peter Feuchtwanger. Denn Achim Clemens hatte dessen außergewöhnliche Komposition „Dhun“ eine Råga Tilang in nordindischem Idiom gewählt.

Feuchtwanger hat auf dem Klavier ausschließlich mit genau abgestimmter Finger- und Pedaltechnik eine indische Råga, eine Sitar nachempfunden. „Der erste Teil ist ein strukturierter, der zweite ein improvisierter“, erläuterte Clemens, der ergänzte: „Peter Feuchtwanger hatte viel Spaß an diesem Stück, war sehr stolz darauf.“ Der berühmte Pianist Shura Cherkassky (1909-1995) hat 30 Jahre mit Feuchtwanger seine Programme erarbeitet. Clemens: „Er spielte unglaublich gut, aber überließ alles der Intuition des Augenblicks.“ Das einzige Stück, das von ihm veröffentlicht wurde, ist „Prélude Pathétique“, das etwas russisch, etwas lyrisch, aber auch bombastisch klingt und mit dem Clemens das Gedenkkonzert fulminant ausklingen ließ.

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