„Das bringt überhaupt nichts“

Initiative Pro Fuchs Deutschland kritisiert Bejagung von Füchsen am Dümmer

Vertreter der Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland demonstrierten an der Naturschutzstation in Hüde gegen die Bejagung von Füchsen.
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Vertreter der Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland demonstrierten an der Naturschutzstation in Hüde gegen die Bejagung von Füchsen.

Die Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland hat am Dümmer gegen die Bejagung von Füchsen zum Schutz der bedrohten Wiesenvogelarten protestiert.

Hüde – Besuch von außerhalb hat die Naturschutzstation am Dümmer in Hüde häufiger. Oft sind es Experten aus dem Natur- und Umweltschutz oder Landespolitiker, die sich über die Arbeit der in dem europaweit bedeutsamen Vogelschutzgebiet tätigen Naturschutzverbände informieren. Doch die etwa 20-köpfige Gruppe, die dieses Mal zur Naturschutzstation kam, wollte sich nicht informieren; sie war gekommen, um zu kritisieren.

Ausgerüstet mit großen Bannern, Flyern und Megafon machten sich die Vertreter der Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland, die aus dem Emsland, Hamburg, Celle, Münster und Lüneburg gekommen waren, für einen Stopp der Bejagung von Prädatoren, insbesondere des Fuchses stark. Wie berichtet, werden seit einigen Jahren am Dümmer Füchse, Wildschweine, Marder und ähnliche Raubtiere bejagt, um die Eier und Küken der dort brütenden gefährdeten Wiesenvogelarten zu schützen.

Die Bürgerinitiative beklagt, dass für den angeblichen Schutz der Bodenbrüter am Dümmer Tiere in großer Zahl sinnlos getötet würden, obwohl damit keine Sicherung der bodenbrütenden Bestände erreicht werden könne. Woher Manuela Schleußner vom Vorstand der Bürgerinitiative weiß, dass die Bejagung am Dümmer die Wiesenvögel nicht schützt? „Weil wir das aus Ostfriedland kennen“, sagt sie auf Nachfrage. „Das bringt überhaupt nichts.“ Denn in die verlassenen Revier der getöteten Tiere würden schnell Jungtiere nachrücken. Außerdem gebe es auch andere Prädatoren wie Störche oder Reiher, die nicht bejagt würden. Sie vermutet hinter Jagd auf Füchse eher ein Ansinnen der Jäger als den Vogelschutz.

Zahlen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) deuten jedoch darauf hin, dass die Wildtierbejagung durchaus zu einem nennenswerten Anstieg der Brutpaare beigetragen hat. Sie erfolgt am Dümmer seit 2010 auf einer Teilfläche des Schutzgebiets, wie der NLWKN auf Nachfrage mitteilt. Die andere Teilfläche wurde bis 2015 als Vergleichsgebiet ohne intensive Prädatorenbejagung genutzt. Aufgrund der positiven Entwicklung der Wiesenvogelbestände im bejagten Teil sei die Bejagung auf das gesamte Gebiet ausgedehnt worden.

Wiesenvogelentwicklung am Dümmer

Das Wiesenvogelprojekt am Dümmer gilt laut NLWKN europaweit als ein Leuchtturmprojekt. Während die Wiesenvögel demnach nahezu überall in Europa stark abnehmen oder regional verschwinden, konnten am Dümmer beachtliche Zunahmen der Bestände erreicht werden. Seit Beginn der kombinierten Schutzmaßnahmen hätten sich die Brutpaaranzahlen verdoppelt, verdreifacht oder mehr als vervierfacht. So sei der Kiebitz von rund 100 Paaren auf etwa 700 Paare angestiegen, Bekassine von 30 auf über 70, Brachvogel von 30 auf über 100, Uferschnepfe von 50 auf über 200. „Der Rotschenkel war komplett verschwunden und nimmt seit seiner Wiederansiedlung beständig auf mehr als 70 Brutpaare zu“, erklärt der NLWKN auf Nachfrage. Zudem hätten sich zehn weitere ehemals als Brutvogel verschwundene, bestandsbedrohte Arten neu am Dümmer angesiedelt und nähmen beständig zu: Löffelente über 70, Knäkente über 20, Schnatterente über 150, Tüpfelralle über 20, Wachtelkönig über 10).

Die Zahl der jährlich getöteten Tiere schwanke von Jahr zu Jahr und bewege sich im niedrigen dreistelligen Bereich, darunter rund 50 Füchse, so der NLWKN. Die Füchse werden demnach mit Lebend-Fallen und der Waffe bejagt.

Die Tiere werden laut Behörde zum Großteil zu wissenschaftlichen Zwecken an Universitäten abgegeben, z aber auch an das Projekt Fellwechsel zur Gewinnung von ökologischen Fellen. Das Projekt nutze Felle aus nachhaltiger Jagd und Artenschutzprojekten als Alternative zu Tieren aus Käfighaltung.

Aus Sicht von Manuela Schleußner gäbe es durchaus Alternativen zur Bejagung von Füchsen. Zum einen plädiert sie dafür, die Altfüchse nicht zu töten, denn sie hielten vagabundierende Jungfüchse aus ihrem Revier fern. Zum anderen solle man Vogelschutzgebiete mit Zäunen schützen. In Ostfriesland werde das erfolgreich praktiziert.

Zudem bezweifelt sie, dass die Gefahr für die Wiesenvögel so groß ist, wie behauptet. Kiebitze seien sehr wehrhaft und könnten ihre Gelege vor Füchsen schützen. Davon profitierten auch andere Arten, die in der Nähe brüteten. Allerdings berichtet beispielsweise auch der Nabu Niedersachsen auf seinen Internetseiten, dass Studien aus verschiedenen Gebieten zeigten, dass neben vielen weiteren Arten vor allem Füchse für die Verluste bei Kiebitz-Küken verantwortlich seien.

Nach Einschätzung des NLWKN ist das Wildtiermanagement derzeit unverzichtbar: „Grundlegend für den Schutz der Wiesenvögel ist die Herrichtung eines optimalen Lebensraums durch Maßnahmen wie Vernässung, extensive Bewirtschaftung, Reduktion von Gehölzen und Anlage von Kleingewässern. Die Erfahrungen in Wiesenvogelschutzprojekten in ganz Nordwesteuropa haben jedoch gezeigt, dass durch die enorme Zunahme der Raubsäugerbestände ein effektives Prädatorenmanagement derzeit neben der Lebensraumqualität eine weitere Voraussetzung für die Erhaltung und Förderung der Brutbestände ist.“ Die Fortsetzung des Wildtiermanagements solle über EU-geförderte Naturschutz-Projekte langfristig abgesichert werden, so der NLWKN.

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