Pastorenehepaar verabschiedet

Birgit Tell und Konrad Langrehr-Tell: „Wir haben gerne hier gewirkt“

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Das Pastorenehepaar Birgit Tell und Konrad Langrehr-Tell mit einem zufriedenen letzten offiziellen Blick aus dem Kirchenportal. Links Superintendent Klaus Priesmeier.

Burlage/Sandbrink - Der katholische Kollege aus Lemförde, Dr. Marc Weber, brachte es treffend auf den Punkt: „In jedem Pastor steckt ein Stück ,Rampensau‘ – das Vorstehen einer Gemeinde. Ihr zwei seid durch angenehme Zurückhaltung aufgefallen.“

Das war nur eine Sichtweise auf das Pastorenehepaar Birgit Tell und Konrad Langrehr-Tell, das am Sonntag in einem herzlichen Marathon in Sankt Marien Burlage und mit anschließender Begegnung im Gemeindehaus in Sandbrink in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Mit dem Abschiedsgottesdienst, mit Herzlichkeit und besten Wünschen für die Zukunft in Bremen, nahmen eine volle Kirche und rund 140 Gäste im Gemeindehaus Abschied von den Pastoren, die vierzehn „prall mit Leben gefüllte“ Jahre, wie es das Paar selbst formuliert, in der Dümmer-Region verbrachten. Neben den Wünschen von Kirchenvorstandsvorsitzendem Dr. Matthias Henseleit, Superintendenten Klaus Priesmeier, Pastor Eckhart Schätzel und Diakon Ingo Jaeger zogen die zwei entpflichteten Pastoren aber auch selbstkritische Bilanz. „Auch wenn wir nicht immer zu den Menschen durchkamen, wir haben gerne hier gewirkt.“

Konrad Langrehr-Tell machte es sich in seiner letzten Predigt nicht leicht: „Das ist auch nicht leicht in Zeiten, wo Kirche schrumpft. Aber für mich ist Kirche dort gefragt, wo Menschen drohen zu knicken.“ Wie er privat „tickt“, offenbarte er mit seinem Musikgeschmack: „Gott sucht sich trotzdem Mitarbeiter wie mich aus. Ich liebe ,Hellbound train‘ von Savoy Brown und neun Minuten Blues-Rock vom feinsten, ,Symphaty of the devil‘ von den Stones und ,Highway to hell‘ von AC/DC.“

Dass die Pastoren in ihrer Zeit für die Kirchengemeinde Burlage, ab 2011 auch für Brockum, und mit ihrem Engagement über die konfessionellen und Landkreisgrenzen hinweg arbeiteten, davon erfuhren die Gäste in Sandbrink in den Gruß- und Dankesworten. Eins war Langrehr-Tell in der Predigt wichtig: „Der Gottesknecht verteilt keine leichten Antworten.“

„Man muss dranbleiben, nie aufhören anzufangen“

Superintendent Priesmeier definierte den Schritt in den Ruhestand als höchst ambivalent. Der Beruf des Pastors sei kein Selbstläufer, der Ruhestand aber auch nicht. „Man muss dranbleiben, nie aufhören anzufangen.“ Das Pflichtprogramm sei nun geschafft, jetzt sei Zeit für die Kür. Zeit für die Verabschiedung in der Kirche hatte sich der Kirchenchor Burlage mit Ludger Hartz und der „Regenbogenchor“ unter der Leitung von Cordula Lindemann mit Mut-Mach-Liedern für die Zukunft genommen.

Und im Verlauf der festlich-humorvollen Verabschiedung drehte sich die Einschätzung von Langrehr-Tell, der sich fragte, was am 7. Januar neben Sondierungsgesprächen in Berlin noch wichtig sei. „Für und in Burlage war es genau die Verabschiedung der zwei Kirchenvertreter“, attestierte Priesmeier.

Bei der Begegnung im Gemeindehaus, zu der offizielle Vertreter der Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ und benachbarter Gemeinden, Vereinsvertreter und zahlreiche Gäste, Freunde, Familie und Studienkollegen gekommen waren, erhielten die Pastoren mit den Beiträgen die Prädikate: Teamplayer, Ökumene-Vorleber und Wortneuschöpfer. Henseleit fand das Wort „Teamplayer“ träfe es in der Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand ganz gut.

„Als ich herkam, wurde hier die Ökumene schon gelebt“

„Als ich herkam, wurde anderswo von Ökumene gesprochen, hier gelebt“, bilanzierte Pastor Marc Weber. Und an die Wortneuschöpfung „churchy“ erinnerte sich die Gruppe junger Christen, die bei Tells konfirmiert wurde. Aus Wagenfeld, von Pastorenehepaar Edith und Michael Steinmeyer, gab es „Prosecco Dü Mar“, von Marc Weber Messwein, Literatur und ein Gedicht von Robert Gernhardt und vom Kirchenvorstand Karten für „Nur Nuhr“ und damit etwas für den Humor.

Was es mit dem „Casino Tell“ auf sich hatte, sangen die Jugendlichen zur Power-Point-Präsentation: „Das Casino Tell darf nun schließen, sagt uns: ,Es war schön‘.“ Es beschrieb die engagierte Jugendarbeit, wie die vielen aus Ideen geborenen Traditionen. Mit vierzehn Sternen erzählten dazu Ingo Jaeger und Pastor Schätzel. Darunter Taizé und Ökumene, Burlager Adventskalender, Klostergang-Andachten, die Regionalgottesdienste oder die Treffen der kleinen Bibelendecker.

Wie es dann mit dem neuen, jungen Pastor Nico Lühmann ab Juni weitergeht, zeige die Zeit, hieß es im Gemeindehaus. Was er über sich selbst schreibt, ist jedoch sehr spannend: „An der Theologie fasziniert mich, dass sie dich zwingt, dich als Mensch immer wieder neu infrage zu stellen. Ohne diese Fähigkeit kannst du weder Wissenschaft noch Seelsorge betreiben. Ich versuche, beides zu vereinen. Und mache, was man als künftiger Pastor so macht: taufen, trauen, beerdigen, Gottesdienste feiern, Konfis unterrichten, Leute besuchen, und und und. Besonders am Herzen liegen mir die Menschen, von denen ich bestimmt auch noch in 100 Jahren lernen werde. Für die Zukunft wünsche ich mir, eine Ausbildung zum biblischen Geschichtenerzähler zu machen.“ 

sbb

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