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Pastorin Burkhardt spricht über Ostern und den Gang von Tod und Trauer bis zu unbändiger Freude

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Von: Melanie Russ

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Bettina Burkhardt, Pastorin für die Kirchengemeinden Brockum und Burlage.
Pastorin Bettina Burkhardt würde sich freuen, wenn Ostern und Gründonnerstag etwas mehr Beachtung fänden. Sie selbst findet trotz mehrerer Gottesdienste, die sie mitgestaltet, Zeit zum Innehalten. © Burkhardt

Bettina Burkhardt, Pastorin für die Kirchengemeinden Brockum und Burlage genießt trotz vieler Arbeit das Osterfest und würde sich für Ostern und Gründonnerstag etwas mehr Beachtung wünschen.

Brockum/Burlage – Während andere das Osterwochenende zum Entspannen oder zu Familienbesuchen nutzen, bedeutet das wichtigste Fest der Christen für Pastoren viel Arbeit. Bettina Burkhardt, Pastorin in den Kirchengemeinden Brockum und Burlage, gestaltet von Gründonnerstag bis Ostersonntag sechs Gottesdienste mit. Trotzdem spricht sie nicht von Stress, sondern von einer schönen Zeit, in der sie durchaus Gelegenheit zum Innehalten findet. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich auf die Festgottesdienste vorbereitet und dass sie sich etwas mehr Beachtung für das Osterfest wünschen würde. Die Fragen stellte Melanie Russ.

Wann beginnt für Sie die Vorbereitung auf die Oster-Gottesdienste?

Ich beschäftige mich in der Woche vor der Karwoche mit den Texten und je nach dem sonstigen Arbeitsaufkommen bereite ich dann die Predigten und sonstigen Texte vor. Familiengottesdienste oder Gottesdienste, in denen mehrere Menschen mit vorbereiten, müssen eher bedacht werden.

Welche Themen sprechen Sie in Ihren Predigten an? Greifen Sie auch aktuelle Ereignisse wie den Russland-Ukraine-Krieg auf?

Natürlich sind die biblischen Texte der Ausgangspunkt für die Predigten. Insofern geht es an den Feiertagen um das Leiden und Sterben Jesu und die Auferstehung. Der aktuelle Bezug zu unserem Leben ist für mich dabei selbstverständlich und fehlt in keiner Predigt. Deshalb werden auch das Leiden durch den Krieg in der Ukraine und anderen Ländern und andere Probleme unserer Zeit angesprochen. Das wird besonders am Karfreitag thematisiert. Bei uns in den Kirchen brennen Kerzen für die Opfer der Kriege, und wir schließen alle, die darunter leiden, in unsere Fürbittengebete mit ein. Zu Ostern geht es um die Freude über die Auferstehung Jesu und die Hoffnung und Kraft, die Menschen dadurch für ihr Leben bekommen. Auch dies wird auf die Gegenwart bezogen und schließt aktuelle Geschehnisse mit ein. Mehr verrate ich noch nicht.

Haben Sie an den Feiertagen auch Zeit, privat innezuhalten? Oder bedeutet die Osterzeit für Sie Stress?

Wenn die Gottesdienste fertig vorbereitet sind, habe ich auch Zeit für das private Innehalten. Das ist mir sehr wichtig. Gerade am Karfreitag brauche ich Zeit, um still zu werden und den Tag in einer gewissen Ruhe zu begehen. Das Hören der Johannespassion von J.S. Bach gehört für mich nach Möglichkeit dazu.

Die Feier der Gottesdienste empfinde ich überhaupt nicht als Stress. Es ist für mich etwas Schönes, mit den Gemeinden zu feiern und den Gang vom Gründonnerstag bis Ostermontag mit nachzuvollziehen. Von Angst und Tod und Trauer bis hin zur unbändigen und unfassbaren Freude über die Auferstehung.

Besonders schön fände ich es, mit den Gemeinden am Gründonnerstag ein Feierabendmahl zu halten und nach den Ostergottesdiensten gemeinsam zu frühstücken. Aber das ist in diesem Jahr noch nicht geplant.

Für viele Menschen ist Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres, aber für Christen ist Ostern ja eigentlich wichtiger. Finden Sie, dass Ostern einen höheren Stellenwert haben müsste?

Ohne den Glauben an die Auferstehung gäbe es das Weihnachtsfest ja gar nicht. Ohne die Ostererfahrung der Jünger Jesu, hätte sich der christliche Glaube nicht verbreitet. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ostern inhaltlich mehr Beachtung finden würde und mehr Menschen die Gottesdienste besuchen würden. Weihnachten mit der Geburt Jesu ist für die Leute wohl greifbarer als Ostern mit dem Glauben an die Auferstehung. Ich bedauere, dass beide Feste immer stärker einen kommerziellen Charakter bekommen und es dabei hauptsächlich ums Kaufen, Schenken und Konsumieren geht.

Und wie sieht es mit dem Gründonnerstag aus?

Gründonnerstag ist aus vielen Köpfen verschwunden, weil es ein Arbeitstag ist. Das ist sehr schade, denn die Feiertage mit einem gemeinsamen Feierabendmahl am Gründonnerstagabend zu beginnen, ist etwas Wunderbares. Gerade für die Kinder und Jugendlichen wäre es sehr wichtig, zu lernen, in welchem Zusammenhang Jesus das Abendmahl gefeiert hat und die lebendige Gemeinschaft zu erleben.

Gehören für Sie auch so heidnische Traditionen wie Ostereiersuchen zum Osterfest?

In meiner Herkunftsfamilie haben wir immer Ostereier gesucht. Das ist eine alte Tradition, die Spaß macht und die für mich dazugehört. Das Ei ist übrigens auch ein Symbol der Auferstehung: Es ist scheinbar tot, aber das daraus schlüpfende Küken zeigt, dass darin wider Erwarten neues Leben ist.

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