1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Lemförde

Dietmar Kluin und Sarah Kissing übernehmen Ole-Leitung

Erstellt:

Von: Carsten Sander

Kommentare

Führungswechsel beim Lemförder Jugendhilfe-Träger Ole: Dietmar Kluin (2.v.r.) übernimmt die Geschäftsführung von Dirk Feldkötter (2.v.l.). Sarah Kissing (Mitte) bekommt Prokura und im Förderverein löst Klaus Lampe (re.) Heinrich Fenne (li.) als Vorsitzenden ab.
Führungswechsel beim Lemförder Jugendhilfe-Träger Ole: Dietmar Kluin (2.v.r.) übernimmt die Geschäftsführung von Dirk Feldkötter (2.v.l.). Sarah Kissing (Mitte) bekommt Prokura und im Förderverein löst Klaus Lampe (re.) Heinrich Fenne (li.) als Vorsitzenden ab. © Sander

Dietmar Kluin und Sarah Kissing übernehmen die Leitung der Ole in Lemförde und treten damit die Nachfolge von Dirk Feldkötter an. Neuer Vorsitzender des Fördervereins Ole ist Klaus Lampe.

Lemförde – Dass sich alle zum Gruppenfoto auf einer Brücke treffen, ist nur der hübschen Optik geschuldet. Und doch: Es steckt auch eine Symbolik in diesem Motiv. Denn es sind die alten und die neuen Führungskräfte der Lemförder Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Orientierung – Leben – Entwicklung“, kurz Ole gGmbH, die sich auf dieser kleinen, einen Zierteich überspannenden Brücke aufstellen. Dietmar Kluin und Sarah Kissing verantworten künftig die Entscheidungen in der gemeinnützigen GmbH. Sie lösen Dirk Feldkötter ab, der die Entwicklung der Einrichtung in den vergangenen Jahren geprägt hat, sich aber mit dem 31. März in den Ruhestand verabschiedet. An der Spitze des Fördervereins Ole, dessen vierköpfiger Vorstand die Aufsicht über die Geschäftsführung hat, folgt unterdessen Klaus Lampe als Vorsitzender auf Heinrich Fenne.

Brückenschlag in die Zukunft

Es ist also ein Brückenschlag von der Vergangenheit in die Zukunft, den die Ole in diesen Wochen vollführt. Dokumentiert in einer Mitgliederversammlung des Fördervereins am vergangenen Freitag in Tiemanns Hotel in Stemshorn, vollzogen aber nicht allein an diesem einen Tag, sondern als Prozess schon vor einem Vierteljahr in Gang gesetzt. Zu Jahresbeginn bereits hat Dietmar Kluin (60) die Aufgaben der Geschäftsführung übernommen. Zusammen mit Prokuristin Sarah Kissing (43) leitet er fortan die Geschicke der in den vergangenen Jahren stetig gewachsenen Einrichtung. Während Kluin in der Ole ein Neueinsteiger ist, hat Kissing bereits vier Jahre als Assistentin der Geschäftsführung gearbeitet, bringt also viel Innensicht mit. Kluin hat zuletzt 18 Jahre lang für das in Ostfriesland tätige Leinerstift gearbeitet, war bis Herbst 2020 dort der Vorstandsvorsitzende, ehe es zu einer Trennung kam, die nicht geräuschlos war und für die der Verwaltungsrat laut Medienberichten viel Kritik einstecken musste.

Kluin selbst hat diesen Part seiner Geschichte abgehakt, richtet den Blick nach vorn. Auf die Ole. Und auf die Aufgaben, die als Nachfolger von Dirk Feldkötter auf ihn und seine Kollegin Kissing warten. Als Geschäftsführer verantwortet er die Bereiche Pädagogik und Finanzen, Kernthemen, die in anderen Trägern sozialer Arbeit auch gerne mit zwei Personen besetzt werden. Diplom-Pädagoge Kluin übernimmt beides, sagt: „Ich bringe im Moment das richtige Paket für die Ole mit.“ Er verfüge über einen „sehr weiten Erfahrungshintergrund, was Organisation und Zukunftsausrichtung betrifft. Qualitätsmanagement liegt mir im Blut. Ich schaue mir Prozesse sehr genau an. Wie funktionieren wir? Was tun wir? Tun wir es gut? Was können wir optimieren? Ich glaube, das ist es, was die Ole jetzt braucht.“

Dass es in der Nachfolge von Dirk Feldkötter eine Doppelspitze ist, die die Ole führt, ist wohlüberlegt, erklären Kissing und Kluin. „Die Organisation muss personenunabhängig funktionieren“, meint der 60-Jährige: „Wir müssen gute Strukturen und transparente organisatorische Abläufe schaffen. Das gibt den Mitarbeitern Sicherheit. Daran arbeiten wir jetzt.“ Es dürfe eben „kein K.o.-Schlag sein, wenn einer ausfallen sollte“, ergänzt Kissing.

Angeschaut wird das Duo dabei von mittlerweile 104 Mitarbeitenden – auf diese Größe ist die Ole zuletzt angewachsen. Nicht riesig als Einrichtung, aber auch nicht mehr ganz klein. Die Verantwortung für das Personalmanagement trägt dabei Sarah Kissing. Es sei ihr „Herzensthema“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin, die auch über einen Master in Organisationsentwicklung verfügt. Dazu kommt das Marketing als weiteres Kerngebiet. Die Aufgabenverteilung zwischen ihr und Kluin habe sich den persönlichen Präferenzen entsprechend „ganz natürlich“ ergeben, sagt sie. „Das wird funktionieren“, meint Kluin.

Das ist die Ole

Auf der Homepage steht es so: „Mit unseren stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten sind wir ein Träger der Kinder- und Jugendhilfe in christlicher Verantwortung unter dem Dach des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirchen in Niedersachsen.“ Unter dem Dach der gemeinnützigen GmbH „Orientierung – Leben – Entwicklung“ sammeln sich wiederum pädagogische Angebote unterschiedlichster Art. Drei traumapädagogische Gruppen, eine Verselbständigungsgruppe, eine interkulturelle Gruppe, Fünf-Tage-Gruppen, ein Hort, neuerdings eine Kita, ambulante Hilfen, Schulsozialarbeit an der Graf-Friedrich-Schule in Diepholz, Lerntherapie und Lernförderung sowie nicht zuletzt Flüchtlingssozialarbeit gehören dazu. 

Wohin der Weg der Ole noch führen wird, wie die nächsten Entwicklungsschritte aussehen – das beantworten die neuen Leiter nicht konkret. Aber nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht hellsehen können. „Jugendhilfe“, führt Kluin aus, „ist immer sehr dynamisch. Man muss immer den Bedarfen entsprechend reagieren und Angebote schaffen, Trends früh erkennen. Wir sind ein bisschen wie die Feuerwehr, sind immer dort, wo Krisen sind.“

Zuletzt hat die Ole mit der Trägerschaft der neuen Kita in Hüde Neuland betreten, denn Kitas gehörten bislang nicht zum Portfolio. In der Entwicklung befindet sich derzeit ein Eltern-Kind-Haus in Diepholz mit 14 Plätzen. Und was einst in den 50er-Jahren als einfache Wohngruppe in Lemförde begann, sei mittlerweile „ein sehr komplexes Hilfesystem“, sagt Kissing zusammenfassend: „Für viele in Lemförde sind wir einfach noch das Kinderheim. Dass wir mittlerweile aber mehr als 100 Mitarbeitende haben, wissen viele nicht.“

Während Dietmar Kluin und Sarah Kissing das operative Geschäft leiten, obliegt die Oberaufsicht dem Vorstand des Fördervereins, er ist gewissermaßen der Aufsichtsrat. Heinrich Fenne war ein Jahrzehnt lang der Vorsitzende, jetzt ist er zur Seite getreten, und Klaus Lampe hat sich zum Nachfolger wählen lassen. Zum Vorstand gehören außerdem Klaus Högemeier (stellvertretender Vorsitzender), Imke Heidmeyer und Bettina Burkhardt, Pastorin in den Kirchengemeinden Brockum und Burlage. Was Klaus Lampe – im Hauptberuf Diplom-Ingenieur Maschinenbau und Teammanager bei der ZF – motiviert, erklärt er so: „Es geht darum, für die Region ehrenamtlich etwas zu tun, sich einzubringen und ein tolles Team in einer in Lemförde verwurzelten Einrichtung zu unterstützen.“

Aufnahme von Geflüchteten? Gerne, aber wie?

Auf der Liste der großen Herausforderungen der Zukunft steht ein Thema bei der Ole gGmbH in Lemförde ganz oben: Fachkräftemangel. „Mit Wucht“ werde die Kinder- und Jugendhilfe davon getroffen, sagt die Personalleiterin Sarah Kissing: „Wir könnten viel mehr Angebote und Betreuungsplätze schaffen, wenn wir das Personal dafür hätten.“

Das Problem ist grundsätzlicher Art und wird sich bald wohl bei einem bestimmten Thema überdeutlich zeigen. Es geht um Betreuung von vor dem Ukraine-Krieg geflüchteten jungen Menschen. „Das kommt so langsam bei uns an“, sagt Ole-Geschäftsführer Dietmar Kluin: „Den Medien ist zu entnehmen, dass in der Ukraine ganze Heime mit ihren Betreuern auf der Flucht sind. In einem solchen Fall geht es möglicherweise nur darum, großzügigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“ Oder aber auch um mehr. Wenn eine konkrete Betreuung von geflüchteten Kindern nötig sei, wäre die Ole mit ihrem Kernbereich Traumapädagogik für die Aufnahme „prädestiniert“, so Kluin: „Wer aus der Ukraine flieht, bringt ein Trauma mit – wie immer das auch aussieht.“ Eine Trennung vom Vater, von der Familie oder Bombennächte im Schutzkeller hinterließen tiefe Spuren bei den Heranwachsenden. „Für diese Kinder wären wir die richtige Einrichtung, aber es fehlt das Personal“, erklärt der Diplom-Pädagoge.

Vereinzelte Anfragen für Aufnahmen von Kindern aus der Ukraine sind schon eingegangen bei der Ole, „wir haben auch unsere Bereitschaft erklärt, spontan zwei junge Menschen aufzunehmen, aber es geht uns wie allen anderen Trägern auch: Die Mitarbeiterfrage ist nicht geklärt“, sagt Kluin.

Schichtdienst in der Gruppe, die Aufnahme eines Kindes in die eigene Familie – Kluin weiß, dass dies Aufgaben sind, die kaum eine echte Work-Life-Balance verheißen. „Wir suchen händeringend nach geeigneten Mitarbeitern“, sagt der Einrichtungsleiter. Kissing ergänzt: „Wir wollen flexibel sein, aber beim Personal sind uns Grenzen gesetzt.“

Auch interessant

Kommentare