Brockumer Paar startet Solidarische Landwirtschaft / Weitere Mitglieder willkommen

Ökologisch ohne Kompromisse

Die Rinder auf dem Hof von Gernot Jacob haben nicht nur viel Auslauf, von Zeit zu Zeit gibt es auch eine paar Kraul-Einheiten. Foto: Russ

Brockum - Von Melanie Russ. Auf dem Hof Tomte von Gernot Jacob und Juliane Völkle in Brockum – vielen noch als Bick’s Hof bekannt – herrscht in diesen Tagen große Aufbruchstimmung. Denn das Paar kann nun endlich seinen Traum von einer Solidarischen Landwirtschaft umsetzen. Etwa 100 Interessierte waren zu einem Infoabend Ende Januar gekommen, 40 haben sich inzwischen einen Anteil gesichert. Das reicht zwar noch nicht für einen auskömmlichen Betrieb, aber für den Start ist es genug.

Gernot Jacob und Juliane Völkle sind zuversichtlich, dass sich weitere Mitstreiter finden. „Das Interesse dafür ist schon sehr groß“, hat er festgestellt. Etwa 60 Teilnehmer müssten es laut Jacob sein, um Gehälter und Ressourcen finanzieren zu können.

Bei 60 Mitgliedern beträgt der monatliche Beitrag etwa 169 Euro. Das ist laut Jacob aber ein Richtwert. Wer nicht so viel zahlen kann, weil er wenig verdient oder eine große Familie ernähren muss, der kann auch weniger geben. „Es sollte nicht am Geld scheitern“, betont er. Auf der anderen Seite gebe es auch Mitglieder, die freiwillig mehr zahlen. Das Konzept bedeute eben nicht nur Solidarität mit dem Landwirt, sondern auch mit den anderen Mitgliedern.

Für ihr Geld bekommen die Mitglieder Gemüse, Obst und Fleisch aus ökologischem Anbau. Die Zucht von Rindern (Angler Rotvieh) und Schweinen (Bunte Bentheimer) betreibt Jacob schon seit Langem. Den Ertrag ihrer Streuobstwiese haben er und seine Frau bislang vorwiegend als Saft verkauft. Dank der neuen Vermarktungsmöglichkeit wird es künftig auch die Früchte geben – vorwiegend Äpfel wie Finkenwerder Herbstprinz, Boskop und einige unbekanntere Sorten sowie Birnen und Kirschen.

Neu hinzu kommt der Gemüseanbau. Dafür steht zunächst eine etwa ein Hektar große Fläche zur Verfügung. Für das Gemüse zeichnet Gärtnermeister Robert Franz verantwortlich. Er hat in einem provisorischen Gewächshaus bereits mit der Aussaat begonnen. Die Radieschen sind dort schon gut gediehen, auch der Mangold reckt die ersten winzigen Blättchen in die Höhe.

Im ersten Jahr will Franz unter anderem zwölf Tomatensorten, verschiedene Auberginensorten, zehn bis zwölf Salatarten (Eisberg, Kopfsalat, Batavia, Eichenblatt), seltene Stangenbohnen wie das fast ausgestorbene kleine gelbe Posthörnchen, Kohl, Möhren, Rote Beete sowie Heil- und Wildkräuter anbauen. Das Saatgut stammt laut Franz aus eigener Züchtung. „Alle Sorten sind auf Geschmack und gesunde Inhaltsstoffe gezüchtet worden und nicht auf möglichst hohen Ertrag“, betont er. Und sie seien samenfest. Das heißt, die Samen in den Früchten können erneut ausgesät werden, was bei Gemüse aus dem Supermarkt selten zum Erfolg führt.

Außerdem werden künftig etwa 90 Hühner für reichlich Eier-Nachschub sorgen. Im Sommer soll eine kleine Backstube öffnen, in der Brote aus selbst angebautem und auf dem Hof vermahlenem Weizen, Roggen und Dinkel gebacken werden.

Die Beete werden laut Franz komplett ohne Maschinen bewirtschaftet, um die Fläche möglichst effizient ausnutzen zu können und den Boden zu schonen. Auf Gifte werde komplett verzichtet, die Düngung erfolge sehr sparsam mit auf dem Hof selbst hergestelltem Kompost und Pflanzenjauche. „Das ermöglicht uns, genau zu wissen, was in unserem Gemüse drin ist“, erklärt Franz. Die Beete sollen einen Klostergarten-Charakter bekommen, Steinhaufen werden den Nützlingen Unterschlupf bieten.

Robert Franz ist von der Möglichkeit, auf dem Hof ökologische Landwirtschaft kompromisslos umzusetzen, begeistert. „Was mich hier so reizt ist, dass die Beiden das wirklich ernst meinen“, sagt der Gärtnermeister, der nach eigener Aussage ursprünglich im Projektmanagement tätig und kurze Zeit in der Politik aktiv war, bevor er aus Idealismus einen anderen Weg einschlug. Am Anfang muss noch das ein oder andere hinzugekauft werden, doch langfristig soll alles, was nötig ist, vom Dünger bis zu den Samen auf dem Hof selbst produziert werden, sodass ein geschlossener Kreislauf entsteht.

Franz und Jacob betonen, dass ihnen neben der Qualität der Produkte die Transparenz sehr wichtig ist. Darum können die Mitglieder auf Wunsch alle Rechnungen einsehen und sich jederzeit auf dem Hof umschauen. Und wer möchte, kann bei der Gartenarbeit auch selbst Hand anlegen. Jeweils mittwochs wird es einen Rundbrief geben, in dem die Mitglieder über aktuelle Entwicklungen und das Angebot am folgenden Abholtag informiert werden.

Wöchentlicher Abholtag wird der Freitag sein. Jacob und Franz wollen ihn wie einen Wochenmarkt gestalten. Die Waren werden ausgelegt, sodass sich die Mitglieder ihren Anteil in einem gewissen Rahmen selbst zusammenstellen können. So ist sichergestellt, dass niemand Gemüse bekommt, das er nicht mag. Laut Jacob gibt es pro Ernteanteil 300 Gramm Fleisch. Robert Franz wird in der Regel vor Ort sein, um Fragen zu beantworten und Verwendungstipps zu geben. Zum Auftakt am 3. April ist ein kleines Fest mit Grillen geplant. Und wenn das Wetter mitspielt, gibt es dann vielleicht schon das erste frische Gemüse.

Mitglied werden

Wer Teil der Solidarischen Landwirtschaft werden möchte, kann sich auf der Homepage informieren oder einfach auf dem Hof vorbeischauen.

www.hof-tomte.de

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