„Apfelpapst“ Eckart Brandt referiert auf dem Stemshorner Schäferhof zur Obst-Geschichte und historischen Sorten

„Obstbau ist eine gärtnerische Kultur“

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„Apfelpapst“ Eckart Brandt versorgte seine Zuhörer mit allerlei wissenswerten Informationen rund um das Thema Äpfel.

Stemshorn - Zufrieden und mit vielen guten Tipps und Anregungen versorgt verließen am Dienstagabend nach gut zweieinhalb Stunden etliche „Apfelfreunde“ das Kommunikationsforum „Alter Schafstall“ am Schäferhof in Stemshorn. Dort hatte auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg, die durch ihren Geschäftsführer Dr. Marcel Holy vertreten wurde, und Schäfermeister Michael Seel, Deutschlands „Apfelpapst“ Eckart Brandt rund um das Thema „Apfel“ referiert.

„Michael Seel war der Ideengeber. Eingebettet haben wir das Ganze in ein kleines Projekt, das die Bingo Umwelt-stiftung fördert“, erläuterte zur Begrüßung Marcel Holy. Dazu habe auch ein Obstbaum-Schnittkurs gehört, so Holy, der signalisierte, dass die Fortsetzung wohl im November stattfinde.

Eckart Brandt, der von vielen nur liebevoll „Apfelpapst“ genannt wird, ist Pomologe (Obstbaumkundler) und Autor, hat sich der Zucht und dem Erhalt historischer Apfelsorten verschrieben. Im Laufe von über 30 Jahren entstand so eine mehr als 800 Sorten umfassende Sammlung. Im Alten Land, dem größten Obstbaugebiet Deutschlands, ist der Ökobauer Zuhause. Mitgebracht nach Stemshorn hatte Brandt auch etliche Apfelbäume, von denen zum Beispiel Margaretha Strahmann aus dem Diepholzer Bruch gleich zwei erwarb. Lachend meinte sie: „Hätte ich einen Hänger gehabt, hätte ich noch mehr mitgenommen.“

„Wenn die Leute von Obst reden meinen sie in Deutschland zu 80 Prozent die Äpfel“, stellte Brandt, der seit 1983 als Bio-Obstbauer tätig ist, zu Beginn seines Vortrags heraus. Lange habe man gedacht: „Dass unsere Äpfel von dem hiesigen Wildapfel abstammen. Aber der hiesige Wildapfel ist weitgehend verschwunden“, veranschaulichte der Referent. Die größten noch vorhandenen Vorkommnisse gebe es östlich des Erzgebirges.

Dabei habe man entdeckt: „Dass der relativ wenig mit unseren modernen Äpfeln verwandt ist. Die haben alle einen anderen Stammbaum und stammen von asiatischen Wildäpfeln ab.“ Das habe man, so der Pomologe, aber erst vor etwa 13 Jahren durch molekulargenetische Untersuchungen dingfest gemacht. „Praktisch ein DNA-Abdruck unserer Apfelsorten, wo festgestellt wurde, dass die den Wildäpfeln in Kasachstan und im Westen Chinas ähneln“, verdeutlichte der Autor zahlreicher Bücher, der weiter erklärte: „Offensichtlich ist das Gebiet dort die genetische Wiege des Apfels.“ Auch die Vielfalt sei in der Gegend sehr groß, da sich das über Millionen von Jahren entwickeln konnte.

Neue Sorten aus dem kasachischen Apfelwald

„Im Apfelurwald in Kasachstan entstehen immer wieder neue Sorten. Das ist spannend, dass dort eine unendlich genetische Vielfalt herrscht“, schwärmte der Referent. Ab 1990, nach der Grenzöffnung, habe man begonnen, sich an dieser Apfelvielfalt zu bedienen. „Denn dort haben sich viele Resistenzen entwickelt“, betonte der 66-Jährige.

Ernst nehmen müsse man, so Brandt weiter, ob die Sorten bestäubungsmäßig zusammen passen. Denn: „Es sind so gut wie alle Sorten mit sich selber unfruchtbar“, machte er deutlich. Ein Thema, das sich auch wie ein roter Faden durch seinen Vortrag zog, war der Schorfpilz; kleine, runde, dunkle Flecken, die sich ausdehnen können. „Für den Erwerbs-Obstbau eine existentielle Frage.“ Manchmal würden 20 bis 30 Spritzungen pro Jahr herauskommen, „nur, um den Schorfpilz in Schach zu halten“, sagte der gebürtige Zevener. Da sei es schon interessant, neue Sorten zu züchten, „die dieses Problem nicht haben.“ Hier stellte er die Möglichkeit dar, einen Wildapfel in einen modernen Tafelapfel hinein zu kreuzen – natürlich Schorf resistent. Je nach Anbauregion, seien auch die Sorten unterschiedlich. Brandts Tipp: „Erkundigen Sie sich, was früher dort gewachsen ist.“

Weiter ging Eckart Brandt auf die geschichtliche Seite des Apfels ein, aber auch den Klimawandel und die damit verbundenen Folgen. Oder, dass immer mehr Menschen eine Apfelallergie haben. „Der BUND Lemgo schätzt, dass 10 bis 15 Prozent der Deutschen eine Apfelallergie haben, Tendenz zunehmend“, unterstrich Brandt, der zusammenfassend sagte: „Wir müssen diese genetischen Ressourcen erhalten. Ich sehe diese Sorten als kulturelles Erbe an. Die Sorten, die unsere Vorfahren über Jahrhunderte gefunden, gezüchtet und erhalten haben – eine Bereicherung der Esskultur, sie zu erhalten.“ Und: „Der Obstbau ist auch eine gärtnerische Kultur.“ Damit machte er deutlich, dass die Bäume geschnitten werden müssen. Brandt: „Nach zehn Jahren fangen sie an, zu vergreisen. Wir bieten auch Schnittkurse an.“

cb

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