Oberschul-Angestellter Axel Danzer lernt Fliegen in Bohmte

Der fliegende Schulassistent

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Geschafft! Axel Danzer (2.v.r.) mit Fluglehrer Christian Kolthoff (r.) und Flugkameraden.

Lemförde/Bohmte - Von Friedrich Lüke. 56 Jahre alt musste Axel Danzer werden, um seinen Traum vom Fliegen auf dem Bohmter Flugplatz zu verwirklichen. Die Geschichte ist nicht so geradeaus erzählt, denn es hat ein paar Zufälle gegeben, die den aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern stammenden Danzer auf den Bohmter Flugplatz verschlagen haben.

Bei einem Ausflug von Lemförde nach Bohmte entdeckte er ein Hinweisschild zum Bohmter Flugplatz. Wobei Lemförde schon seit 13 Jahren aus beruflichen Gründen sein Zuhause ist. An der Von-Sanden-Oberschule bekleidet er die Stelle eines Schulassistenten und fährt nur jedes zweite Wochenende in seine Heimat zur Familie.

„Da war diese Stelle ausgeschrieben und somit bin ich dann in Lemförde gelandet“, so der verheiratete Familienvater mit einem Kind. Das Interesse an der Fliegerei war immer da, wurde bereits vor 40 Jahren geweckt, wo er als Jugendlicher in der DDR in der Gesellschaft für Sport und Technik in Laucha mit dem Segelfliegen begonnen hatte. Das dauerte allerdings nur kurze Zeit, denn kleine Flugplätze wurden wegen der Zentralisierung des Segelfliegens auf wenige Flugplätze, geschlossen. Gern erzählt Danzer auch aus der Zeit, wo er zehn Jahre in der Nationalen Volksarmee in Peenemünde in der Luftwaffe zuletzt als Truppführer an der Elektro-Spezialausrüstung der MIG 23 gearbeitet hat.

Fliegerisch so vorbelastet saß er vor zwei Jahren als stiller Gast am Segelflugstart mit auf der Wartebank auf dem Bohmter Flugplatz, sah dem Flugbetrieb zu, kam ins Gespräch.

Selbstgebackener

Kuchen bricht das Eis

Der erste Kuchen aus seinem Lemförder Backofen des „Scheinjunggesellen“ machte die Runde. Prädikat: Lecker, weiter so, auch wenn dieser Leckerbissen nur alle 14 Tage zu erwarten ist. Aus einem Gastflug wurde schnell ein Schnupperflug, dann kam seine Unterschrift auf den Aufnahmeantrag des Luftsportvereins.

Nun war jedes Wochenende zwischen den Familienbesuchen in der alten Heimat mit vielen Fahrkilometern der nahe Flugplatz in Bohmte das Ziel. Sein selbsternannter Auftrag: Die Erlangung der Segelfluglizenz. So wird sich mancher fragen: Mit 56 Jahren noch das Segelfliegen anfangen? Ist jemand da noch fit genug, um mit den 14- bis 16-Jährigen mitzuhalten? „Ja, es stimmt, wenn man älter wird, sind die Lerngeschwindigkeiten anders, es dauert ein wenig länger“, wissen die Fluglehrer zu berichten.

Und da sind dann die Landungen, die aus etwa 150 Meter Höhe beginnend den Segelfluglandeplatz wie ein „schmales Handtuch“ aussehen lassen. „Auf dieser gepachteten Wiese muss die Kiste schön weich hingesetzt werden“, war oft der fromme Wunsch des Autors und anderer Fluglehrer. „Ruumms, das war ein Angriff auf die Bandscheiben, die Landung war für‘n Arsch nicht so toll“, kommt aus dem hinteren Sitz. Aber so sind alle angefangen, je nach Veranlagung und Alter dauert es, bis der sogenannte Abfangbogen, also der Übergang vom Sinkflug zum parallelen Ausschweben über der Grasnabe perfekt sitzt.

Auffällig wurde Axel Danzer zwischendurch nicht nur durch seinen Kuchen, sondern auch durch seine aktive Mithilfe in allen Dingen, die der Luftsport so mit sich bringt. Eine Bereicherung für den Luftsportverein. Auf seine Initiative haben auch schon Schulklassen seiner Schule den Physikunterricht in Sachen Technik und Aerodynamik einen Vormittag auf den Flugplatz in Bohmte verlegt. Der letzte Augustsamstag entwickelte sich zum ruhigen „A-Wetter“, wie die Flieger sagen. „Heute wird sein Tag“, waren sich die diensthabenden Fluglehrer Christian Kolthoff und Friedrich Lüke einig. „So Axel, die Anschnallgurte rödeln wir hinten zusammen, mit dir will im Moment keiner mehr mitfliegen“, so die Ansage. Kaum Wind, die Sonne schon tief am Horizont startet Danzer zu seinen ultimativen Flügen. Alles gut gemacht, keine Zitterpartie für alle Beteiligten.

Zum Schluss gibt es traditionsgemäß so richtig den Hintern voll, für einen aus „Meck-Pomm“, mit Wohnsitz in Westfalen, der auszog, um in Niedersachsen das Fliegen zu lernen.

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