Musikverein „Altes Amt Lemförde“ lädt zum Winterkonzert / Rittersaal des Amtshofs platzt aus allen Nähten

Kammermusik trifft Tina Turner

Musik auf höchstem Niveau zeigte das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“.
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Musik auf höchstem Niveau zeigte das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Mit der Frage an die Damen: „Würden Sie den Totenschädel Ihres hoffentlich heute gesunden, neben Ihnen sitzenden Ehemannes, Lebensgefährten oder Freundes nach dessen Ableben auf Ihrem ‚Nachtisch‘ platzieren?“, eröffnete Pianist Dr. Matthias Henseleit das traditionelle Winterkonzert des Orchesters des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ im aus allen Nähten platzenden Rittersaal des Amtshofes in Lemförde.

Der Nachtisch war natürlich ein Versprecher, der sogleich für allgemeine Erheiterung sorgte. Henseleit, der im Verlauf des Abends für eine launige Moderation sorgte, meinte logischerweise den Nachttisch. Damit war das Auditorium mitten im Programm. „Denn die Witwe des Komponisten Michael Haydn – die tat es so; er muss ein liebenswerter Mann gewesen sein“, sagte der Tierarzt schmunzelnd. Drei Sätze aus Haydns Divertimento G-Dur ließ nun die Kammermusik-Abteilung im kongruenten Zusammenspiel erklingen. Funkelnde Juwelen in der für Michael Haydn typischen Experimentierfreude.

„Ich bin heute etwas platt, dass wir alle Sitzmöbel dieses Hauses verarbeitet haben, einschließlich der Tische. Wir sind glücklich, dass der Saal so voll ist“, zeigte sich Vorsitzender Dr. Karl-Wilhelm Meyerrose in seiner offiziellen Begrüßung begeistert von der immensen Resonanz. Sein Dank galt der Samtgemeinde, „dass wir in diesem wunderschönen Saal spielen dürfen“, Dirigent Stephan Flore, „der uns wieder geknechtet hat, dass wir dieses Konzert zusammen bekommen haben. Besonders freute sich Meyerrose: „Dass inzwischen etliche junge Musiker dem Orchester angehören.“ Neu sei Cellistin Henrieke Robohm aus Diepholz dabei.

Um es vorweg zu nehmen: Wieder einmal glänzte das Orchester durch hohes musikalisches Niveau und anspruchsvolle Arrangements. Das über zweistündige Musikmenü weckte auch in diesem Jahr vielfältige Emotionen im Publikum. Wie verbunden sich alle mit den Musikern fühlten, belegte der begeisterte Beifall, der sich jedem Stück anschloss.

In die Welt des Kinos entführte das Ensemble im Big Band-Sound weiter mit der Musik zum weltberühmten Heldenepos „Backdraft“ von Hans Zimmer zum gleichnamigen Film von 1991. Eine Freude für Augen und Ohren bildete das Flötenkonzert g-moll von Johann Joachim Quantz.

Ein Hauch

von Broadway

Im Dialog mit dem Orchester brillierte Flötistin Ciara Nolte hier solistisch. Mit „Tchaikovsky´s Greatest Hits“ war man unter dem kompetenten und euphorischen Dirigat Stephan Flores in der Epoche der Romantik angekommen. Im präzisen Hornsolo überzeugte er sodann mit „Air Poetique“ von Ted Huggens, stellte eindrucksvoll sein Können unter Beweis. Durch das Medley aus dem Musical „My Fair Lady“ – nun unter dem engagierten Dirigat von Stephan Klöpzig – zog zur Pause ein Hauch von Broadway in den Rittersaal.

Mit „Perfidia“ von Alberto Dominguez konnte die Zuhörerschaft zu Beginn des zweiten Teils lateinamerikanische Rhythmen aus den 1930er Jahren genießen, sodass es schon vielen in den Beinen zuckte. Sollte man ein Tänzchen wagen? Doch auch das anschließende „Swiss Whistle“, eine Bläserkomposition von Gilbert Tinner, die Swing mit Jazz-Elementen verbindet, erinnerte an die 1930er-Jahre. Mit der „African Symphony“, einer heiteren, lebendigen Komposition des amerikanischen Komponisten Van McCoy, bot das Orchester mit Gastmusiker Jan Meyerrose an der neuen Conga ein kraftvolles und temporeiches Klangerlebnis, sodass man allen die Spielfreude förmlich ansah. Weiter ging´s mit Ohrwürmern wie „Goldeneye“, „Proud Mary“, „Private Dancer“ oder „We Don´t Need Another Hero“ von Tina Turner. Hier entfalteten die Instrumentalisten die ganze Macht und Power der Rockmusik. Den krönenden Abschluss sollte „Hitsville USA“ bilden. Was folgte war ein Riesen-Applaus – und zwei weihnachtliche Zugaben: „Es wird scho glei dumpa“ und „Stille Nacht“. Wer das Konzert verpasst hat: Das Orchester gastiert in Kirchen am Sonntag, 24. Januar, in Mariendrebber, am Sonntag, 14. Februar, in Hunteburg sowie am Sonntag, 28. Februar, in Burlage jeweils um 18 Uhr.

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