„Moorschutz ist eine Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse“

Deutscher Grünlandtag 2017 auf dem Schäferhof in Stemshorn

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Vorsitzender des Deutschen Gründlandverbandes, Dr. Hans Hochberg (rechts), scheute das Spannungsfeld „Wie funktioniert Grünlandwirtschaft an Moorstandorten?“ nicht.

Stemshorn - Auf die Rede des Niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer warteten die Teilnehmer des Deutschen Grünlandtages 2017 im Kommunikationszentrum „Alter Schafstall“ auf dem Schäferhof in Stemshorn (Gastgeber Naturraum Dümmerniederung) am Freitag vergeblich.

Sein Vertreter Thomas Dosch aus dem Landwirtschaftsministerium in Hannover nahm stattdessen an der Tagung teil.

Zu der zweitägigen Fachtagung hatten sich auf Einladung des Deutschen Grünlandverbandes (DGV) zahlreiche Vertreter aus Kammern, Landesbetrieben, Ämtern, dem Naturschutz, Wissenschaft und Forschung und Landvolk eingefunden. Der Veranstalter DGV ist Fach- und Interessenvertretung der deutschen Grünlandwirte in Auseinandersetzung mit den Erwartungen des Naturschutzes und bringt die Positionen der Grünlandwirte in Bundes- und Länderebenen ein, um besseren agrarpolitischen Einfluss geltend zu machen.

Bereits in seiner Eröffnung und Einführung stellte Vorsitzender des DGV, Dr. Hans Hochberg, fest: „Unser Thema ,Standortangepasste Grünlandwirtschaft als Beitrag zum Moor- und Klimaschutz’ offenbart das Spannungsfeld und Zielkonflikte.“ Damit die auf Moorböden wirtschaftenden Landwirte ökonomisch weiter bestehen könnten, müssten sie unterstützt werden. Moorschutz sei eine Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse geworden. „Wir fordern deshalb ein entsprechendes Bundesprogramm zum Schutz der Moore und der Erhaltung einer tragfähigen Landwirtschaft auf den Mooren“, so Hochberg.

Der Entwurf des Positionspapieres lag vor, es wird diskutiert und den Bundesministerien Landwirtschaft und Umwelt vorgelegt werden. Wie das letztlich auch praktisch und fachlich richtig auf Moorstandorten umsetzbar ist, dieses diskutierten die Referenten.

Grundlage für Tourismus und Erholung

Thomas Dosch unterstrich die prekäre Situation der Grünlandwirte: „Wenn Ackerland immer noch dreimal so viel wert ist wie Grün- oder Weideland, dann wird weiter umgebrochen.“ Er forderte einen Paradigmenwechsel, damit das noch vorhandene Grünland in seiner Vielfalt nachhaltig und langfristig bewahrt wird. „Der Landwirt muss Anreize spüren, das Dauergrünland als Ressource zu erhalten, darauf müssen sich Förderungen konzentrieren.“

Einig über die Eigenschaft des Grünlandes als „Multitalent“ waren sich Hochberg und Dosch, der Landwirt und Jäger am Steinhuder Meer ist. Das Dauergrünland sichere die Biodiversität, den Erhalt des Landschaftsbildes, sei Grundlage für Tourismus und Erholung und „bietet eine Vielzahl gesellschaftlich erwünschter nicht am Markt handelbarer Leistungen“, so Hochberg. Sein Fazit: „Nur wenn das naturschutzfachlich besonders wertvolle Grünland durch Agrar- und Umweltpolitik unterstützt wird, ist es letztlich zu erhalten für alle Beteiligten.“

Ab 2018 Tierwohlprämien vorgesehen

Er sah die Politik in der Pflicht, die gesellschaftlichen Erwartungen in Regionen mit Dauergrünland zu erfüllen, und die Bewirtschaftung zu honorieren. „Appelle allein helfen da nicht, die Ökonomie muss ins Boot.“ Vernunft sei das Gebot der Stunde: „Keine Silage aus Betontrögen, sondern Förderung der Weidetierhaltung“, so Dosch. „Wir haben ausgerechnet mit einem Discounter ein Weidelabel auf den Weg gebracht, bilden Coaches zu Weidehaltung aus und beteiligen uns an alternativen Projekten zur Vermarktung von Weidetierprodukten“, so Dosch. „Ab 2018 sind Tierwohlprämien in Höhe einer Gesamtinvestition von 30 Millionen Euro vorgesehen, 60 Euro pro Rind und 20 pro Schaf und Ziege.“ 

Die Förderung des extensiv genutzten Grünlandes beziehe sich auf verschiedene Grünlandarten, darunter auch feucht-nasse bis intensiv genutzte Böden. Dosch bat mit Blick ins Publikum um ein gemeinsames Anpacken des Problems: „Nur wenn wir die gemeinsame Arbeit von Landwirten und Politik als Win-Win-Situation verstehen, werden wir die Standorte erhalten können.“ Minister Meyer setze dabei auf ein für Beihilfe rechtliches System. Die Forschung beschäftige sich intensiv damit, wie eine ökonomische Nutzung von Moorstandorten ohne Emittierung von Kohlendioxid möglich sei.  J sbb

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