Michael Thiel, Direktor des Missionswerks Hermannsburg, spricht in Quernheim

„Wir sind Brückenbauer“

+
Michael Thiel spricht am Sonntag in Quernheim.

Quernheim - Die Kirchengemeinden Brockum, Burlage und Lemförde laden zu Sonntag, 31. Mai, 10.30 Uhr, zu einem gemeinsamen Regio-Gottesdienst ein. Nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich geht es bei der Veranstaltung im Kino Quernheim um Zusammenarbeit und partnerschaftliche Hilfe über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus. Michael Thiel, Direktor des Missionswerks in Hermannsburg, ist zu Gast und wird über die Zusammenarbeit zwischen deutscher Kirche und Partnergemeinden in afrikanischen Ländern sprechen. Im Interview mit unserer Zeitung äußert sich Thiel zu den Aufgaben des Missionswerkes.

Herr Thiel, was ist eigentlich ein Missionswerk?

Michael Thiel: Das Missionswerk in Hermannsburg entstand vor etwa 165 Jahren, weil die Menschen dort die Botschaft von Jesus geglaubt haben und diese Erfahrung auch mit Menschen in anderen Ländern teilen wollten – beispielsweise in Afrika. Inzwischen gibt es dort selbstständige lutherische Kirchen, mit denen wir als Missionswerk in Kontakt stehen. Heute ist es unsere Aufgabe, diesen Kirchen auf ihren Wunsch hin Unterstützung bei der Entwicklung zu geben, in diakonischen und Bildungsprojekten zusammen zu arbeiten und Partner nach Deutschland einzuladen, um von ihren Erfahrungen zu sammeln. Wir verstehen uns also als Brückenbauer zwischen Süd und Nord, Ost und West.

Das Wort „Mission“ ist vielen gar nicht vertraut. Ist es noch zeitgemäß?

Thiel: Mission kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: gesendet oder beauftragt sein. Wir verstehen das aber heute nicht mehr als einen Auftrag, der nur von Nord nach Süd erfolgt. Sondern als Auftrag an alle Christen. Wir müssen die Augen und Ohren dafür offen haben, welche Aufgaben und welche Menschen Gott uns in den Weg stellt. Das sind zum Beispiel die Aids-Waisenkinder in Addis Abeba oder Menschen, die unter Klimaveränderungen leiden, und natürlich auch die, die sich nach dem Sinn des Lebens fragen. Da es täglich neue Herausforderungen gibt, ist Mission immer ein zeitgemäßes Thema.

Was ist denn für Sie persönlich „Mission“?

Thiel: Von Gott in die Welt und zu den Menschen gesandt zu werden, um seine Botschaft dort wirksam und erfahrbar werden zu lassen ­- in allen Lebensbezügen.

Das Missionswerk beschäftigt sich doch in der Hauptsache mit der Arbeit im Ausland, zum Beispiel in Afrika und Lateinamerika, oder? Was hat Ihre Arbeit denn mit uns hier zu tun?

Thiel: Als Brückenbauer begleiten wir deutsche Gemeinden und Kirchenkreise in ihren Partnerbeziehungen. Wir bieten Kurse für Konfirmanden an, die die weltweite Kirche kennenlernen sollen. Wir vernetzen zum Beispiel Forstwirte von der Uni Eberswalde mit einem Aufforstungsprojekt in Äthiopien oder senden jedes Jahr 40 Jugendliche als Freiwillige in Partnerkirchen auf der ganzen Welt. Und wir laden die Menschen in den Partnerkirchen zu uns nach Deutschland ein, um voneinander zu lernen.

Der Kirchenkreis Diepholz hat eine Partnerschaft mit der Bibelschule Baboua in Zentralafrika. Das Land war gerade wieder mit Unruhen und Gewalt in den Schlagzeilen. Wie schätzen sie die Lage dort jetzt ein?

Thiel: Wir haben regelmäßigen Kontakt zu unseren Partnern dort. Die Lage hat sich etwas beruhigt. Sie ist aber noch nicht wieder so sicher, dass wir Mitarbeitende dorthin entsenden können. Aber wir haben wenigstens die Möglichkeit, über unsere Kontakte die Kirche vor Ort in ihren Aufgaben oder mit Geld zu unterstützen. So konnten sich Helfer zum Beispiel um Flüchtlinge kümmern, die auf dem Gelände der Kirche Zuflucht gesucht haben.

Warum predigen Sie am Sonntag beim Regio-Gottesdienst in Quernheim? Und worum wird es gehen?

Michael Thiel: Die Kirchengemeinde hat mich eingeladen, weil sie aus erster Hand etwas von der Arbeit des Evangelisch lutherischen Missionswerks in Niedersachsen hören möchte. Das tue ich gerne, weil wir auf das Netzwerk und die Unterstützung der Kirchengemeinden angewiesen sind, und weil ich gespannt auf das Gespräch mit den Menschen vor Ort bin. Inhaltlich wird es um den Predigttext aus Johannes 3, 1-8 gehen. Dort bespricht Jesus die Frage, was der Glaube für einen Menschen bedeuten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Kommentare