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Dem Ungeziefer auf der Spur

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Von: Carsten Sander

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Der schwarze Kasten sieht unscheinbar aus, aber schon der Aufkleber verrät: Er hat es in sich! Michael Napierala wird mit solchen Kästen zum Rattenfänger.
Der schwarze Kasten sieht unscheinbar aus, aber schon der Aufkleber verrät: Er hat es in sich! Michael Napierala wird mit solchen Kästen zum Rattenfänger. © Sander

Michael Napierala aus Lembruch kümmert sich „um alles, was im Haus so kreucht und fleucht“. Er ist zertifizierter Schädlingsbekämpfer

Lembruch – Einen Shop zum Vorzeigen hat er nicht. Braucht er auch nicht. Eine Werkstatt als Arbeitsplatz? Ist ebenfalls nicht vorhanden. Alles, was Michael Napierala benötigt, um seine Tätigkeit zu veranschaulichen, passt erst mal in eine mittelgroße Kunststoffbox. Rattenfalle, Köder, Kaltnebelgerät und ein paar Packungen, denen man schon ansieht, dass besser die Finger davon lässt, wer sich damit nicht auskennt: Gift, Insektizide. Oder genauer: Schädlingsbekämpfungsmittel. Auf diesem Gebiet hat sich Napierala – hauptberuflich Angestellter in der Land- und Viehwirtschaft – in den letzten Jahren kontinuierlich fortgebildet, um nun den Schritt in die Teil-Selbstständigkeit zu wagen. Als zertifizierter Schädlingsbekämpfer. Oder wie es der Lembrucher etwas salopp sagt: „Ich kümmere mich um alles, was im Haus so kreucht und fleucht.“

Vor allem natürlich um das, was da nicht kreuchen und fleuchen soll. Ratten eben, Mäuse, Kakerlaken, Mehlmotten, Brotkäfer – so manch einen schüttelt es schon, wenn er nur die Namen liest. Auf keinen Fall möchte man im eigenen Zuhause nähere Bekanntschaft mit diesen Tierchen machen. Napierala selbst kennt jedoch so etwas wie Ekel vor diesen Schädlingen nicht. „Nö, das ist wirklich kein Problem“, sagt der 38-Jährige. Logisch, würde er sonst tun, was er tut?

Napierala kennt sein Metier. In der Viehwirtschaft hat er es immer wieder mit Ratten, Mäusen etc. zu tun. Dass er deren Bekämpfung professionell anbietet, ist jedoch neu. Und obwohl der Beruf des Schädlingsbekämpfers längst ein Lehrberuf ist, könne man auch als Quereinsteiger alle nötigen Qualifikationen für den Job erlangen, sagt Napierala. Er hat es so gemacht, hat sich in Modulen beibringen lassen, was er wissen muss. Und zum Gespräch bringt er nicht nur seinen Kunststoffkasten mit, sondern auch schriftliche Ausführungen, was er wann wie gemacht und gelernt hat. Jetzt ist er beim Veterinäramt als Schädlingsbekämpfer angemeldet, besitzt zusätzlich die staatlich geprüfte Qualifikation als Desinfektor, der Räume, Ställe, Wohnungen, auch Arztpraxen und sogar Krankenhäuser professionell desinfizieren kann und darf. „Ich biete diese Dienstleistungen an, habe die volle Sachkunde“, erklärt er. Zu seinem Portfolio gehört auch die Hygieneberatung und Geruchsentfernung.

Michael Napierala weiß, dass er sich auf ein Gebiet wagt, in dem er es oft mit Do-it-yourself-Schädlingsbekämpfern zu tun hat. Ungeziefer in der Wohnung? Fix die Sprühflasche aus dem Supermarkt großzügig im Wohnraum verteilt! Ratten auf dem Gelände gesichtet: Schwups, liegen Giftköder in den Ecken! Oft ist das grundverkehrt, mahnt der Experte. Denn immer besteht die Gefahr der sogenannten Sekundärvergiftung – heißt: Das ausgebrachte Gift landet bei Tieren, für die es nicht gedacht war (Maus frisst Gift, Katze frisst Maus), oder sogar beim Menschen. Deshalb: Lieber jemanden rufen, der sich damit auskennt. Napierala: „Landwirte dürfen zum Beispiel einen Rattenbefall auf ihrem Gelände selbst bekämpfen, machen dabei aber oft kapitale Fehler. Wer das falsche Gift benutzt, riskiert, dass die Rattenpopulation Resistenzen entwickelt.“ Und dann werde es extra kompliziert. Auch bei Kakerlaken sei die Anpassungsfähigkeit „ganz extrem“.

Das beste Mittel gegen Schädlinge in Haus, Hof und Garten sei immer noch die Prävention, sagt Napierala und gibt einfache Tipps: Keine Essensreste auf dem Komposthaufen entsorgen! Schon gar nicht irgendwelche Tierkadaver! Mülltonnen gut verschließen! Und für Tierhalter: Futtersilos oder -behälter sauber halten! Speziell Ratten finden immer einen Weg zum Futter: „Die fressen alles, was sie kriegen können.“

Und Michael Napierala weiß, wie er Ratten kriegen kann. Die Tiere seien „Wandläufer“, deshalb werden Fallen alle 15 bis 20 Meter direkt an den Wänden aufgestellt. Die Fallen – sofern keine Schlagfallen, also Mausefallen in XXL – schnappen nicht zu, sondern sind mit vergifteten Ködern bestückt. Die Ratte nagt daran, geht weiter ihres Weges, stirbt aber wenige Tage später. Wird der Kadaver gefunden, sollte er fachgerecht entsorgt werden. „Auf keinen Fall im Garten vergraben“, erklärt Napierala, dann fände das Gift nur seinen Weg ins Grundwasser. Und das müsse ja nicht sein. Bei Ratten gilt übrigens: Wird ein Befall festgestellt, muss der Bestand bekämpft werden. Erste Hinweise auf eine Rattenansiedlung sind Kot- und Fraßspuren. Gewissheit bringt dann aber erst ein professionelles Monitoring durch den Schädlingsbekämpfer.

Zu dessen Business gehört auch eine Tätigkeit, die die befremdliche Bezeichnung „Entwesung“ trägt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als einmal Klarschiff zu machen. Etwa in Messi-Wohnungen, in denen besonders viel kreucht und fleucht. Dann kommen Menschen wie Michael Napierala und machen ihren Job.

Es gibt für den Lembrucher aber auch Grenzen – gesetzliche wie persönliche. Wespen und Marder lässt Napierala in Ruhe. Denn Wespen unterliegen dem Artenschutz, Marder dem Jagdrecht. Und Vogelabwehr bietet er auch nicht an. Dafür müsste er hoch hinaus, und das geht nicht. „Ich habe Höhenangst“, lacht er. Macht aber gar nichts, denn eine Leiter würde ohnehin nicht in seine Kunststoffbox passen.

Kontakt: Tel.: 05447/9999792 oder 01579/2516184, E-Mail: Michael.Napierala@hotmail.com

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