Schiedsmänner Reinhard Heider und Andreas Stasik schlichten Streitigkeiten in Wagenfeld

Meistens reicht ein Gespräch

Amtsübergabe im Rathaus (v.l.): Bürgermeister Matthias Kreye, Andreas Stasik, Reinhard Heider, Rolf Hespos, Wilfriede Wienbergen, stellvertretende Vorsitzende der Bezirksvereinigung Verden im Bund deutscher Schiedspersonen, Sven Schröder und Elke Grütter vom Ordnungsamt. Foto: Russ

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Es fängt oft mit Kleinigkeiten an. Ein Baum, dessen Zweige über die Grundstücksgrenze ragen, zu häufiger Grilldunst, zu laute Musik oder Hundegebell zur Unzeit – die Gründe, warum Nachbarn in Streit geraten, sind vielfältig. Läuft so ein Streit aus dem Ruder, weil keiner der Beteiligten einlenken will, dann kommen oft Schiedspersonen ins Spiel. Sie versuchen, mit allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung zu finden und im Idealfall den Gang vors Gericht zu vermeiden. In der Gemeinde Wagenfeld sind Reinhard Heider und Andreas Stasik in den kommenden fünf Jahren in solchen Fällen zur Stelle.

Für Heider, der in erster Linie für die Ortschaft Ströhen zuständig ist, beginnt am 1. Januar die zweite Amtszeit, für Stasik ist es die erste. Letzterer tritt in der Ortschaft Wagenfeld die Nachfolge von Jörg Hespos an, der nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stand. Bei Bedarf vertreten sich Heider und Stasik gegenseitig.

Es sind nicht ausschließlich Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen die Schiedspersonen vermitteln, aber häufig. Nach der Erfahrung von Heider und Hespos genügt meistens ein sogenanntes Tür-und-Angel-Gespräch, um einen Disput beizulegen. „Der Vorteil in einer kleinen Gemeinde ist, dass man die meisten Leute kennt und sie einen auch kennen. Da findet man leichter einen Weg, als wenn man es mit Unbekannten zu tun hat“, ist Reinhard Heider überzeugt. „Meistens erledigt sich die Sache mit ein paar Gesprächen.“ Rolf Hespos hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Wenn man die Leute kennt, lässt sich mancher Streit schnell ausräumen.“

Heider hat in seiner ersten Amtszeit nach eigener Aussage im Schnitt acht Verfahren pro Jahr betreut, die meistens in einem Tür-und-Angel-Gespräch ohne offizielles Protokollverfahren beendet wurden. „Zum einen spart man sich damit die Bürokratie, aber noch wichtiger ist mir, dass Frieden im Ort herrscht und dass die Menschen in Ruhe nebeneinander leben können“, betont Heider.

Manchmal scheitert dieses Ziel allerdings am mangelnden Willen der Streitenden. Viele hätten heute eine Rechtsschutzversicherung. Ihnen sei es dann egal, ob der Streit vor Gericht gehe, weil es sie ja nichts koste, hat Hespos beobachtet. „Manche wollen den Gegner unbedingt vor Gericht zerren. Dann kann man nichts machen.“

Insgesamt scheint die Gemeinde Wagenfeld im Vergleich mit den Verfahrenszahlen in Kommunen des nördlichen Landkreises aber ein friedliches Fleckchen zu sein. „Da kommen wir in Wagenfeld und Ströhen lange nicht ran“, so Heider. So gibt es in Wildeshausen derzeit einen ernsten Nachbarschaftsstreit um einen Walnussbaum.

Der Ströher ist inzwischen schon der Vierte in seiner Familie, der das Schiedsamt ausübt. Nach seiner Pensionierung hatte es der frühere Polizeihauptkommissar vor fünf Jahren von seiner Frau Irmgard übernommen.

Für Andreas Stasik ist die Arbeit als Schiedsperson eine ganz neue Aufgabe, aber auch er hat in Sachen Rechtsprechung einschlägige Erfahrung. Der 58-jährige Wagenfelder war mehrere Jahre Schöffe am Landgericht und an Verfahren von Wirtschaftskriminalität bis Totschlag beteiligt. „Dort wurde gerichtet, hier wird geschlichtet“, nennt er den wesentlichen Unterschied zu seiner neuen Aufgabe. „Ich bin sehr kommunikativ und werde versuchen, immer beide Parteien an einen Tisch zu bekommen.“

Bei der Vermittlung zwischen streitenden Parteien kann es nicht schaden, sich in die Beteiligten hineinversetzen zu können. Auch damit hat Stasik Erfahrung. Er habe bei Mediationen assistiert und in Vermittlungsgesprächen die Position des jeweiligen Gegners eingenommen, wenn sich die Streitparteien nicht an einen Tisch setzen wollten, berichtet Andreas Stasik.

Während der offiziellen „Amtsübergabe“ im Rathaus dankte Bürgermeister Matthias Kreye dem scheidenden Schiedsmann Rolf Hespos für dessen Dienste sowie Heider und Stasik für deren Bereitschaft, das Schiedsamt in den kommenden fünf Jahren auszufüllen. „Ich habe den größten Respekt vor dem, was ihr macht“, betonte er.

Die Kontaktdaten der beiden Schiedspersonen der Gemeinde Wagenfeld sind im Internet unter www.wagenfeld.de zu finden oder im Ordnungsamt bei Elke Grütter unter der Telefonnummer 05444/9881-26 zu erfragen.

Schiedspersonen

Schiedspersonen schlichten viele bürgerlich-rechtliche Streitigkeiten. Das sind vor allem Streitigkeiten zwischen Nachbarn oder Bekannten. Dabei möchten die Schiedsfrauen und Schiedsmänner nicht nur den Streit klären, sondern auch dazu beitragen, dass die Beteiligten wieder ein gutes Verhältnis miteinander pflegen. Für bestimmte Streitigkeiten ist ein Schiedsverfahren erforderlich, um vor Gericht eine Klage erheben zu können. Dazu zählen das Nachbarrecht, Ansprüche wegen Verletzung der persönlichen Ehre und einige Ansprüche aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Eine Klage vor dem Amtsgericht ist in diesen Fällen erst zulässig, wenn die Beteiligten zuvor versucht haben, den Streit in einem Schiedsverfahren beizulegen.

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