Jugendausschuss informiert sich

Medienkompetenz wichtiges Thema bei Prävention von Jugendkriminalität

Der Jugendtreff 4You in Lemförde steht nicht allein für Spaß. Jugendpflegerin Martina Feldmann hat dort auch ein offenes Ohr für Jugendliche, die ein wenig mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Sie arbeitet dabei unter anderem mit dem Präventionsteam der Polizei und mit der Jugendgerichtshilfe zusammen.
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Der Jugendtreff 4You in Lemförde steht nicht allein für Spaß. Jugendpflegerin Martina Feldmann hat dort auch ein offenes Ohr für Jugendliche, die ein wenig mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Sie arbeitet dabei unter anderem mit dem Präventionsteam der Polizei und mit der Jugendgerichtshilfe zusammen.

Beim Thema Jugendkriminalität und Prävention von Straftaten in Lemförde arbeiten Polizei, Jugendgerichtshilfe und Jugendpflegerin Hand in Hand.

Lemförde – Jugendkriminalität und die Prävention von Straftaten junger Menschen standen im Mittelpunkt der Sitzung des Jugendausschusses der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“. Coronabedingt war es die erste Sitzung seit zwei Jahren. Andreas Müller vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Diepholz, Carina Stein von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Diepholz und Brigitte Lindemann, Leiterin des Fachbereichs Jugendkriminalität bei der Polizei, berichteten über ihre Arbeit und die Situation in der Samtgemeinde, sprachen über die große Bedeutung der Prävention und die Zusammenarbeit mit Martina Feldmann, Jugendpflegerin und Leiterin des Jugendtreffs 4You in der Samtgemeinde.

Einig waren sich alle vier darin, dass Prävention im Kampf gegen Jugendkriminalität eine bedeutende Rolle spielt und dass sie nicht von einer Organisation alleine leistbar ist, sondern nur im Zusammenspiel aller Beteiligten. Wie so vieles litt aber auch sie durch die Corona-Pandemie. „An Prävention ist relativ wenig passiert“, berichtete Andreas Müller, der zwar aktuell in einem anderen Fachkommissariat tätig ist, voraussichtlich im Oktober aber ins Präventionsteam zurückkehren wird. Anfang des Jahres seien an der Oberschule in Lemförde immerhin Online-Veranstaltungen möglich gewesen.

Als ein – zum Teil wohl auch unterschätztes – Problem machen alle vier Experten die fehlende Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern aus, insbesondere auch im Hinblick auf Kinderpornografie. „Das ist ein ganz wichtiges Thema. Da gibt es einen hohen Beratungsbedarf“, weiß Lindemann. Viele Jugendliche wüssten zum Beispiel gar nicht, dass entsprechende Sticker (kleine WhatsApp-Bilder) auf dem Handy schon strafbar seien.

Wie Müller berichtete, ist die Zahl der Vorfälle im Bereich Kinderpornografie in der Corona-Zeit gestiegen. Die Jugendlichen seien viel in WhatsApp-Gruppen unterwegs, bekämen unzählige Nachrichten und Sticker auf ihre Handys – auch mit strafbaren Inhalten. Eltern müssten die Handys ihrer Kinder kontrollieren, betont er.

Jugendpflegerin Martina Feldmann ist bei diesem Thema ebenfalls wachsam, hört genau hin, wenn Jugendliche im Jugendtreff von Nachrichten mit verdächtigen Inhalten berichten und sucht dann das Gespräch mit den Eltern.

Für Ratsfrau Heike Hannker ist in Sachen Medienkompetenz Prävention in den Schulen das A und O. Denn durch den Digitalpakt, beschleunigt durch die Corona-Pandemie, arbeiten selbst die ganz Kleinen schon mit Tablets. Sie seien aber nicht medienkompetent, und viele Eltern seien überfordert.

Für Dennis Brinkmann, Ratsherr und Polizist in Lemförde, kommt der Schule in einer weiteren Hinsicht eine bedeutende Rolle zu: „Das allerwichtigste ist, dass Schule stattfindet.“ Sobald der Präsenzunterricht ausgefallen sei, habe man beobachten können, wie der Schlendrian Einzug gehalten und einige Schüler, statt zu Hause zu lernen, mit den falschen Leuten in Kontakt gekommen seien.

Konkrete Zahlen zu Straftaten lieferten die Referenten zwar nicht, Brigitte Lindemann berichtete aber, dass die Jugendkriminalität in der Region in den vergangenen fünf Jahren auch dank der guten Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und Organisationen rückläufig gewesen sei. Zwar sei die Zahl der Straftaten in Lemförde im Zeitraum Ende 2020/Anfang 2021 etwas gestiegen, inzwischen sei sie aber wieder zurückgegangen.

Nach ihrer Erfahrung ist der richtige Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen für die Verhinderung weiterer Straftaten entscheidend. „Viele Jugendliche sind noch lenkbar“, weiß sie. Erzieherische Gespräche zeigten bei den meisten ihre Wirkung. Etwa 80 Prozent der Jugendlichen treten laut Lindemann nur einmal in Erscheinung.

Wer als Jugendlicher straffällig geworden ist, landet unter Umständen bei Carina Stein. Die Jugendgerichtshilfe begleitet junge Menschen im Alter von 14 bis 20 Jahren – und falls gewünscht deren Eltern – während des gesamten Gerichtsverfahrens. Stein erläutert Folgen einer Straftat, berät die Jugendlichen dabei, wie sie etwa mit der Teilnahme an sozialen Trainingskursen oder Beratungen eine Hauptverhandlung vermeiden können, und bietet Unterstützung bei Problemen in Schule, Ausbildung oder Familie an. Bei der Forschung nach den Ursachen einer Straftat arbeitet sie in Lemförde auch eng mit Martina Feldmann zusammen. Die Jugendpflegerin hilft auch immer wieder, einen Platz zu finden, an dem Jugendliche Sozialstunden ableisten können – unter anderem direkt im Jugendtreff. Denn leicht ist es laut Carina Stein nicht, entsprechende Stellen zu finden. „Ich muss viel Klinkenputzen.“

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