Dr. Marco Ritter will zurück zu Gottes Wort / Streitbare Thesen in Brockum

„Es gibt Wichtigeres im Leben, als gesund zu sein“

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Nach dem Vortrag von Dr. Marco Ritter (links) bat Pastor Eckhart Schätzel die Tischpartner um kurze Besprechung und anschließende Fragen an den Referenten. Die Diskussion fiel aber viel zu kurz aus bezogen auf das Thema.

Brockum - Von Simone Brauns-Bömermann. Einige Gasthörer des Vortrages von Dr. Marco Ritter am Trio-Sonntag gestern in Brockum definierten vielleicht den Titel des Vortrages im Anschluss um. Aus „Was geht uns heute Martin Luther an?“ wechselten sie zu „Was geht mich heute Martin Luther an?“ bezogen auf die Person des Referenten.

Denn trotz des geschichtlich interessanten Kontextes, der Recherchearbeit und Quellenbezüge und des von Ritter angestrengten Versuchs eines Zeitvergleiches zwischen dem Heute und der Zeit um Luther, blieb eine teilweise Distanzierung von seinen Thesen spürbar im Raum. Was Luther den schwer erkrankten Zahnarzt Ritter angeht, machte er klar: „Mit meiner Erkrankung wurde deutlich, dass es Wichtigeres gibt im Leben, als gesund zu sein.“

Gott in Luthers Worten gefunden

Er suche jetzt, wer er und wer Gott sei und sei dabei in den kraftvollen und unschlagbaren Worten Luthers fündig geworden.

Die Zuhörer des Vortrages kamen aus Wagenfeld, Ströhen, Barnstorf und der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“. Dr. Marco Ritter hat seinen Vortrag verschriftlicht auf 39 Seiten und kam persönlich zu dem Schluss: „Luthers Leben ist eine Aufforderung, die Bibel als das zu nehmen, was sie ist – als Gottes lebendiges Wort.“

Ritter ist sich sicher, dass Luthers 95 Thesen ein Bußaufruf an alle Menschen seiner Zeit waren, im ursprünglichen Sinn aus dem Griechischen wörtlich übersetzt: Eine Herzenshaltung für das ganze Leben, innere Buße, aufrichtige Reue und sie definiere das Wesen der Reformation als das Ringen um den schriftgemäßen Wortsinn.

Luther: Eine literarische Einheit für das damals zersplitterte Deutschland

Viele Attribute, die Ritter für seinen Helden Luther anführte, waren nachvollziehbar: Sein Mut in Zeiten der Inquisition, der täglichen Bedrohung für Leib und Seele. Luther widersetzte sich mit dem eigenen Bibelstudium mit Kenntnis des Hebräischen und Griechischen gegen das System der mittelalterlichen Scholastik. Er befeuerte mit seiner Lutherbibel als damaliges Massenmedium die Bildungsoffensive, förderte Schreiben, Lesen und die Alphabetisierung. Ritter lehnte sich an Luthers Mut an: „Luther hatte ungeheuren Mut, der Feuer und Folter nicht scheute, weil Gottes Wort ihm das Wichtigste war“, zitiert er in seiner Schlusssequenz.

Ritter findet auch deutliche, umgangssprachliche Worte wie Luther: „Wie kam die katholische Kirche an die Kohle für den Petersdom? Durch den Ablasshandel, der handelte mit der Höllenangst der Menschen.“ Luther ist für ihn auch Komponist und Sprachschöpfer einer allgemein verständlichen Sprache. Nach Ritters Meinung gelang es Luther, dem politisch und territorial zersplitterten Deutschland eine literarische Einheit zu geben.

Zweideutiger Vortrag

Marco Ritters Zeitvergleich bezeichnet unsere Zeit als Zeitenwende mit Reformbedarf, er vergleicht mit der Zeit um Luther vor 500 Jahren. Seine These streitbar: „Beide Zeitalter sind von Angst, Bildungsfragen, Bibelübersetzungen, Flüchtlingsströmen und die Bedrohung durch den Islam gekennzeichnet.“ Ritter sieht sich in der Riege der kritischen Stimmen gegen die naive Bewunderung der „Islamisierung des Abendlandes“.

Auf die Frage aus dem Publikum: „Für mich ist Christentum Nächstenliebe auch an anders Gläubigen, wie soll ich mich im Alltag verhalten?“, antwortet Ritter: „Ich berichte nur, was ich wahrnehme, wenn ich zum Beispiel in Oberhausen am Bahnhof stehe.“ Das Gesetz der Nächstenliebe bliebe für ihn davon unberührt.

Eindeutig zweideutig sein Vortrag und seine schriftliche Auseinandersetzung. Interessant wird es, die Quellenangaben näher zu untersuchen und in den gedanklichen Kontext zu Marco Ritter zu bringen.

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