Dümmer-Museum

Ausstellung „Traumtrümmer“ von Dr. Michael Wirth eröffnet

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Dr. Michael Wirth stellt seine Werke noch bis Sonntag, 22. Oktober, im Dümmer-Museum aus.

Lembruch - Von Simone Brauns-Bömermann. Kurt H. Möller zieht einen kleinen Block aus dem Jackett und liest: „Traumtrümmer, Zeichen des Lebens, durch Welt und Zeit, träumendes Leben wird Wirklichkeit. Realität vermischt sich zum Traum“, sagt der Dichter aus Freistatt zum bildenden Kollegen Dr. Michael Wirth, als er seine Werke zur Vernissage betrachtet. „Michael, es sei mir gestattet, ich konnte nicht anders“, eine der vielen direkten Reaktionen auf die Hängung.

Um zu erforschen, was hinter dem Titel „Traumtrümmer“ der neuen Ausstellung des Barnstorfer Malers steckt, waren rund 50 Gäste nach Lembruch ins Dümmer-Museum gekommen. Dass Spielraum für viele eigene Interpretationen blieb, freute den einen, ließ andere fragend zurück. Eines einte die Besucher: Mit dem Besuch ließ Michael Wirth einen tiefen Blick in seine Seele zu und in sein zweites Leben. Wie aus dem Geologen, der die gesamte Welt bereiste und in unwirklichen Gegenden arbeitete ein Maler wurde, hing als Antwort im lichtdurchfluteten Multifunktionalraum des Museums.

Neugier auf Metamorphosen

Die weiteren Bilder im Obergeschoss gingen wie von selbst die Symbiose mit der archäologischen Ausstellung, dem „Digging“ nach den Wurzeln ein. Wer Michael Wirth kennt, weiß, dass sein Kopf das jedes Mal tut, wenn er sein Atelier betritt. Zu dem Schluss kam auch Laudator und Bildhauerkollege Gert Schröder aus Weyhe. „Aus dem Geologen Dr. Michael Wirth ist der ,MalerMichl‘ geworden, wie er sich selbst auf seiner Homepage nennt“, zitiert Schröder. „Die Eindrücke seines Berufslebens scheinen sich tief in sein Gedächtnis eingegraben zu haben“, denn Schröder erkenne in vielen seiner Motive Gesteinsformationen.

Doch bevor Wirth zur Abstraktion mit Tiefgang kam, bestach er in der ersten Phase seines zweiten Lebens mit Personen-Portraits, dessen Charakter erkennbar war. „Das ist nicht leicht und gelingt längst nicht jedem Künstler“, so Schröder. Er nähert sich den Bildern von Wirth als Bildhauer und erkennt, dass gerade die freien Formen zu entwickeln, die Schwierigkeit sei. „Der Malprozess entwickelt sich wie eine Metamorphose, das Motiv verändert sich bis zur Fertigstellung mehrmals.“ Die Neugier auf diese Metamorphosen ist die Triebfeder von Wirth, der von Berufswegen geschult war, ständig auf Neues unerwartetes zu stoßen, aber auch zielgerichtet auf ein Ergebnis hinzuarbeiten. Schwierig und widersprüchlich, aber dennoch machbar.

Eingriff des Menschen in die Natur sichtbar gemacht

Wie weit sein Berufsleben in sein zweites Leben als Künstler, dass vor 18 Jahren begann mit der Pensionierung, greift, spiegeln die Titel: Gesteinsknolle geöffnet, Steintermite, Tektonik, Yellowstone und Au u.a. (Au für Element Gold im Periodensystem) zeugen davon. Die Auseinandersetzung mit dem Eingriff des Menschen in die Natur reflektiert Wirth mit Bildern, denen er Arbeitstitel wie „Welt ohne Menschen“, „Bis in den Tod“, „Naturbelassen“ und „Natur nimmt sich alles wieder“ gibt.

Laudator Schröder versucht die Trümmer in den Bildern zu detektieren, „…doch ich finde in Wirths Oeuvre keine Trümmer, sondern eine lebhafte, fantasiereiche Kreativität“, sein Fazit. Vielleicht bezieht sich Traum aber gar nicht auf einen gewesenen, erlebten Traum, sondern auf eine Vision, einen Wunsch, auch als Traum bezeichnet? Die Trümmer sind eventuell als „Berufskrankheit“ zu verstehen, denn hinter Trümmern steht etwas extern Zerschlagenes, Zertrümmertes, manchmal sogar durch einen Unfall. Die Chance, Dr. Wirth zu befragen, nutzten einige Gäste und Schröders Laudatio kommentierte der Künstler wieder aus tiefem Herzen: „Ich könnte dich küssen.“

Wirth widmet sein Schaffen seiner Frau

Zwei Ergänzungen erbat sich Wirth trotzdem und die malten den tiefschürfenden Wirth: „All das hier, gilt meiner Frau Sabine. Ohne sie wäre ich kein Künstler geworden, sie sah wie ich abglitt in Computer-Frust.“ Zu einem Werk erläuterte er so, dass der Klos im Hals größer wurde: „Mein Bild ,Sorry‘ ist mein Bestes. Es zeigt einen dem Tode geweihten Soldaten in der afrikanischen Wüste zur Kolonialzeit mit zwei Kugeln im Gewehrlauf. Was sie nicht sehen, sind der feindliche Soldat und einen Kameraden kurz vor dem Tod am Boden. Die Kugeln widmet er den beiden, für ihn bleibt keine übrig.“

Das Paradoxe an dem Bild, zu dem alle Gäste ins Obergeschoss stürmten, ist der strahlend blaue Himmel im Kontext zum Stahlhelm tragenden Soldaten zwischen Hass und Emotion, Leid und Schmerz. Ein Himmel, den Wirth erträumt hatte, aufstand und das Bild begann. Dann fügte sich das menschliche Leid hinzu – unter dem strahlenden Himmel. Traum und Trümmer liegen eng beieinander.

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