Projekt „Luisa ist hier!“

Beim Feiern in Bedrängnis geratene Frauen erhalten dank Luisa-Code schnelle und diskrete Hilfe

Projekt „Luisa ist hier!“ startet in der Bar dü Mar (v.l.): Deniz Hoppe, Martin und Catherina Stybalkowski, Isabel Purnhagen, Manuela Grambart-Fiefeick und Silvia Lücke.
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Projekt „Luisa ist hier!“ startet in der Bar dü Mar (v.l.): Deniz Hoppe, Martin und Catherina Stybalkowski, Isabel Purnhagen, Manuela Grambart-Fiefeick und Silvia Lücke.

Hüde – Ein Tanzpartner, der zudringlich wird, ein Date, das aus dem Ruder läuft, eine penetrante Anmache – es gibt viele Gründe, warum sich Frauen in Clubs und Kneipen unsicher fühlen können. Häufig wissen sie nicht, wie sie sich solchen Situationen entziehen können. Im Landkreis Diepholz soll künftig Luisa diskrete und schnelle Hilfe bieten.

„Luisa ist hier!“ heißt das Projekt, das der Zonta-Club Diepholz-Vechta und die Beratungsstellen für Frauen und Mädchen des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt in Lokalitäten im Landkreis Diepholz etablieren wollen. Erster Teilnehmer ist die Bar dü Mar am Dümmer in Hüde.

Das Konzept ist denkbar einfach: Benötigt eine Frau Hilfe, wendet sie sich mit der Frage „Ist Luisa hier?“ ans Personal. Die entsprechend geschulten Mitarbeiter wissen dann sofort Bescheid und bieten der Frau zum Beispiel an, sich in einen Personalraum zurückzuziehen, ihr ein Taxi zu rufen, eine Freundin oder einen Freund zu kontaktieren oder ihre Sachen von ihrem Sitzplatz zu holen. Sie sorgen dafür, dass die Frau den Ort nicht alleine verlässt, verweisen gegebenenfalls die verursachende Person des Ortes oder rufen die Polizei. Welche Hilfemöglichkeit die Frauen in Anspruch nehmen möchten, entscheiden sie selbst.

Das Wesentliche an diesem Angebot: Dank des Codes „Ist Luisa hier?“ können Frauen um Hilfe bitten, ohne erklären zu müssen, was geschehen ist. Das Personal soll nicht danach fragen.

Das Projekt, das der Frauen-Notruf Münster 2016 initiiert hatte, wurde schon in vielen Kommunen Deutschlands umgesetzt, die Landkreise Diepholz und Vechta sind allerdings noch weiße Flecken. Das wollen der Zonta-Club, der die Finanzierung übernimmt, und die Beratungsstellen für Frauen und Mädchen nun ändern. „Wir sind vor zwei oder drei Jahren auf das Projekt aufmerksam geworden“, berichtet Zonta-Club-Präsidentin Isabel Purnhagen. Die Corona-Pandemie verlangsamte die Umsetzung ein wenig, doch jetzt wollen sie durchstarten.

Statistiken darüber, wie vielen Frauen in der Region in Bars, Discos oder bei Volksfesten bedrängt oder belästigt werden, gibt es laut Manuela Grambart-Fiefeick vom Netzwerk gegen häusliche Gewalt nicht. „Aber es ist immer wieder Thema in unseren Beratungsgesprächen.“

Die Mitarbeiter der teilnehmenden Lokalitäten erhalten eine etwa halbstündige Schulung, in der sie lernen, wie sie reagieren sollen, wenn sie die Frage „Ist Luisa hier?“ hören. Die erste dieser Schulungen erhielten in dieser Woche die Mitarbeiter der Bar dü Mar. „Wir fanden das gleich eine gute Sache“, sagt Chefin Catherina Stybalkowski. Auch wenn es in ihrer Strandbar – zumindest nach ihrer Kenntnis – bislang nicht zu Übergriffen gekommen sei.

Verbale Ausfälle gegenüber Mitarbeiterinnen gibt es laut Mitarbeiter Deniz Hoppe aber schon manchmal. Beispiel: Die Bedienung muss freundlich zu den Gästen sein. Der ein oder andere verstehe das falsch und meine, sie wolle was von ihm. Mit steigendem Alkoholpegel kämen dann schon mal unangemessene Sprüche, ist Hoppes Erfahrung. „Es wäre wünschenswert, dass weitere Gastronomen mitmachen“, so Stybalkowski.

„Wir freuen uns über so engagierte Gastronomen“, sagt Isabel Purnhagen und hofft, dass in den kommenden Monaten viele weitere diesem Beispiel folgen. Mit der Suche nach weiteren Teilnehmern haben Zonta-Club und Beratungsstelle gerade begonnen. „Ich glaube schon, dass Interesse da ist“, so Grambart-Fiefeick. „Für mich ist das ein Qualitätsmerkmal“, ergänzt Purnhagen. Es sei quasi ein Siegel, dass Frauen und Mädchen signalisiert, dass sie in einer Lokalität mit diesem Angebot sicher feiern können.

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