Lemförde

Kabarettist Stefan Waghubinger gastiert im Amtshof

Begeisterte im Amtshof: Kabarettist Stefan Waghubinger.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Steuererklärung! Das ist dieser Berg, der einen vom Leben trennt‘“, seufzte Stefan Waghubinger am Sonntagabend auf der Bühne im fast ausverkauften Lemförder Rittersaal. Auf Einladung des KulturBunts Lemförde gastierte der Kabarettist dort. Deshalb kann dieser Berg leicht zur „Außergewöhnlichen Belastung“ werden – der Titel seines zweiten Soloprogramms.

Seit 1997 schreibt der studierte Theologe aus Österreich, der aber seit 1993 in Stuttgart lebt, Cartoons und Kinderbücher. Mittlerweile ist er sechs Jahre als Kabarettist unterwegs, was ihm offensichtlich liegt, wie seine zahlreichen Preise beweisen.

„Ich bin schon den ganzen Monat an der Steuererklärung am Arbeiten; ich habe noch nicht mal angefangen“, gestand Stefan Waghubinger sehr zur Erheiterung des Publikums mit der entsprechenden Mimik. Woran das liege, wisse er nicht. „Vielleicht das Unterbewusstsein, das es wegtreibt; der Mensch besteht ja aus unheimlichem Unterbewusstsein“, meinte der 48-Jährige, der resigniert sagte: „Ich mache mir mal einen Kaffee – das kann ich wenigstens.“ Man müsse ja nur noch den Knopf drücken, erklärte er mit Blick auf seinen Wasserkocher. Dieser Knopf, den man auch im Leben oftmals drücken müsse, zog sich dann wie ein roter Faden ebenso durch sein Programm, wie, dass ihn seine Frau verlassen habe. Nur die Steuererklärung funktioniere nicht per Knopfdruck. Aber seine Frau sei auch so etwas wie ein Wasserkocher. „Mit Knöpfchen! Nur wenn man zu viel drückt, kocht sie über.“

Seine Oma sei ein bisschen wie ein Kaffeeautomat gewesen. „Wenn ich mich von etwas überfordert fühle, trinke ich Kaffee; sie hat mir immer Kaffee gemacht. Was ich in den letzten Tagen an Kaffee gesoffen habe“, bemerkte er lakonisch, um kurze Zeit später in der Vergangenheit zu schwelgen. Seine Schwerelosigkeit, „ich wäre gerne Raumfahrer“, habe er in der Badewanne geübt. „Da brauchte man noch einen Holzofen und die Bildzeitung als Brandbeschleuniger.“

„Ich könnte mal meinen Geburtstag eintragen. Das ist am einfachsten, das bleibt jedes Jahr gleich“, blickte er wieder zu den Formularen seiner Steuererklärung, von denen er das Gummiband abzog. „Wenn der Gummi reißt, ist es vorbei. Manches Leben fängt da erst an.“ Damit philosophierte er über seine Kindheit. Früher habe er mit Schrott gespielt. Waghubinger: „Wenn man nicht viel Geld hat, was bleibt einem? Der Glaube!“ Als Kind wollte er unbedingt Captain Kirk sein. Seine Mutter strickte ihm zu Weihnachten dann einen Star Trek-Pullover aus Schafwolle, der bei ihm ein beträchtliches Trauma auslöste. „Gehst als Captain Kirk ins Badezimmer, aber aus dem Spiegel schaut Biene Maja“, schilderte er mit sympathischer Selbstironie.

Im Zeitraffer nahm er das Publikum in gut zwei Stunden mit zu Themen wie der Müll von früher, Sklaverei, Tierhaltung, Moral, Wünsche, Natur, Kindererziehung, Selbstfindung – immer mit einem Schuss Sarkasmus gewürzt, oftmals auch zweideutig. Zwischendurch telefonierte er dann mit seiner Mutter...

Als er sich noch einen Kaffee mit seinem Wasserkocher kochen möchte, bekommt er einen Stromschlag. Ihm stehen die Haare zu Berge, als er mit Gott ein Zwiegespräch führt: „Du hast dich seit dem Urknall aus dem Staub gemacht. Aber die Kirchensteuer habe ich immer bezahlt!“ Am Ende ist kein einziges Formular seiner Steuererklärung ausgefüllt. Dafür erlebten die Besucher einen tiefschwarzen, bissigen und trotzdem irgendwie liebevollen Blick auf den Sinn und Unsinn des Lebens. Bleibt die Frage: Ist dieses Leben eine außergewöhnliche Belastung oder ist es außergewöhnlich schön? Mit der Zugabe wurde es aus steuerrechtlichen Gründen schwierig. Trotzdem las Stefan Waghubinger noch eine Geschichte zur Freude der Zuhörer, die einen amüsant-intelligenten Kabarettabend genossen hatten.

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