Lemförder Oberschüler statten Schäferhof in Stemshorn einen Besuch ab

Begreifen, fühlen, riechen, sehen

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Mit großer Begeisterung widmeten sich die Mädchen und Jungen dem Trockenfilzen.

Stemshorn - „Wir haben im Unterricht bereits das Thema ‚Von der Baumwolle zum T-Shirt‘ besprochen. Jetzt haben wir den anderen Rohstoff ‚Von der Wolle zum gefilzten Gegenstand‘. Ziel ist auch, dass die Kinder den Schäferhof in Stemshorn kennenlernen, denn viele kannten ihn noch gar nicht“, erläuterte Sabrina Stärk, Fachleiterin „Deutsch“, die Beweggründe, warum Sechstklässler und Schüler des Wahlpflichtkurses sowie der Näh-Arbeitsgemeinschaft der Von-Sanden-Oberschule Lemförde an diesem Morgen zu Gast bei Familie Seel in Stemshorn waren.

Neben Sabrina Stärk war auch ihre Kollegin Sarah Schwermann, die ebenfalls wie Stärk Textil-Lehrerin ist, mitgefahren. „Wir wollen dem Textilbereich neues Leben einhauchen“, betonte Schwermann. Angekommen auf dem Hof erzählte Schäfermeister Michael Seel zum Auftakt den 33 Schülern die Geschichte der gesamten Anlage. Wo heute das Kommunikationszentrum untergebracht sei, „war früher ein Schafstall“, so Seel, der weiter den Kindern verdeutliche, dass der gesamte Neu- und Umbau etwa 500000 Euro gekostet habe. Neben den Stallanlagen erkundeten die Sechstklässler zudem die Streuobstwiese, das Storchennest, an dem inzwischen eine Kamera installiert wurde, da im vergangenen Jahr Jungstörche ertranken. Dass er insgesamt etwa 600 Schafe mit Lämmern, Nachzucht, Jährlingen (die Lämmer vom Vorjahr) hat, ließ Michael Seel ebenfalls nicht unerwähnt, wie auch, dass er unterschiedliche Sorten Hühner züchtet. Weiter bestaunt wurden aber auch die Ponys oder die Kaninchen – und Hütehund Leopold begleitete die Kinder, die alles ganz spannend fanden.

Nach der Hofbesichtigung starteten die Schüler mit den beiden Lehrerinnen und unter Anleitung von Andrea Seel das Trockenfilzen im Kommunikationszentrum. Dazu stellte Seel den Kindern erst einmal verschiedene Vorlagen wie einen Apfel, eine Eule oder eine Maus vor. Die jedoch frei entscheiden konnten, was sie kreieren wollten – mit gewaschener und kardierter Moorschnuckenwolle. „Wenn die Schafe geschoren sind, schicke ich die Wolle nach Sassen in die Behindertenwerkstatt. Die waschen und kardieren sie für mich“, definierte Andrea Seel, die im selben Moment auf Wolle zeigte, die in Naturfarbe gelb eingefärbt wurde. „Die könnte man auch zum Verspinnen oder zum Stricken nehmen“, hob sie hervor. Damit den Kindern auch Farben wie Grau oder ein warmer Rot-Ton (für Äpfel) zur Verfügung standen, kauft sie diese von Merinoschafen zu. „Die ist auch viel weicher“, weiß Seel zu schätzen.

So ausgestattet entstanden unter den kreativen Händen der Mädchen und Jungen Blumen, Schafe oder Weihnachtskugeln. „Das macht Spaß, das finde ich gut“, meinte Hagen, der emsig filzte und diese Arbeit ganz und gar nicht als Mädchensache ansah. „Ich mache einen Weihnachtsmann für meine Familie. Den stellen wir auf unser Regal; das ist dann ein schöner Anblick“, sagte René begeistert.

„Wie fühlt sich die Wolle an, die noch ein bisschen fettig ist? Und was kann man mit dieser Wolle herstellen?“ Fragen, die Sabrina Stärk aufwarf, der wichtig war: „Dass die Kinder selbst aktiv werden und begreifen, fühlen, riechen, sehen.“ Alle Sinne wurden an diesem Morgen also vereint und aktiviert. Doch das Ganze hat sogar noch einen Nachklang: Die Schüler erstellen eine Anleitung zum Trockenfilzen. „Weil wir das in der Schule fortführen möchten; so können die nächsten Schüler diese Anleitung verwenden“, freute sich die Fachlehrerin. Und: „Die Kinder sollen sich zum Schäferhof ein Quiz überlegen. Um zu sehen, was haben sie behalten, was hat sie interessiert – mit Fragen und Antworten“, zeigte Stärk die Schritte dieser besonderen Nachbereitung auf.

cb

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