Zehntes und letztes Werkstattkonzert im Diakonissen-Mutterhaus Lemförde

Musik überwindet Wehmut

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Danielle Zenker (r.) gab zum letzten Mal das Seminar „Kammermusik mit Blockflöten“. Abgeschlossen wurde es wie immer mit einem Werkstattkonzert in der Kapelle des Diakonissen-Muttershauses in Lemförde.

Lemförde - Von Simone Brauns-Bömermann. „Alles hat seine Zeit“, gab Bernhard Zenker in der Kapelle des Diakonissen Mutterhauses Altvandsburg als Nachklang nach dem letzten Konzert einer großen Flötenfamilie mit auf den Weg. „Man muss immer bedenken, wann die rechte Zeit ist, aufzuhören“, die Wehmut, aber auch der große Dank klang mit.

Mit dem zehnten Werkstattkonzert, das für das Blockflötenseminar von Danielle Zenker im zehnten Jahr als Abschluss galt, verabschiedete sich der über Jahre gewachsene Kreis aus mehr als 30 Musikern von den Diakonissen im Mutterhaus, wo sie die wohl beste Unterkunft und Beherbergung samt geistigem Anschluss gefunden hatten. Und deshalb wurde aus dem Werkstattkonzert in der Kapelle de facto auch eine sinnliche Andacht mit Blicken zurück und dankenden Augen Richtung der Diakonissen. Es erklang Kammermusik eines Ensembles, das sich zum gemeinsamen Musizieren hier zum zehnten Mal traf von Kiel bis Köln. „Wir werden dieses hier alles sehr vermissen, aber der Zauber dieser Zeit ist in unseren Herzen fest verankert“, so Bernhard Zenker.

Das Ehepaar Zenker aus Bückeburg ist mit der Musik eine lebenslange Liaison eingegangen. Mit ihnen Blockflötenseminar-Teilnehmer, die alle entweder beruflich oder beeindruckend als Hobby das Musizieren pflegen. „Die Blockflöte im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten“ als Name klingt, entgegen dem was zu hören war, sehr technisch. Angetreten war eine große Flötenfamilie mit Weggefährten Fagott, Cembalo, Orgel, Posaune, Cello und Geige und: Den Stimmen der Instrumentalisten. Denn in der Böhmischen Hirtenmesse des Komponisten Jan Jakub Ryba brillierten die Flötisten als Gesangsakteure im Gloria, Graduale und Agnus Dei.

Auch sonst sah man den einen oder anderen Musiker zur zweiten Flöte greifen, statt Blockflöte die Querflöte, statt der riesigen Bassflöte die Posaune spielen oder wie Orchester- und Chorleiterin Danielle Zenker, die Orgel gegen die Flöte behänd getauscht, um im nächsten Stück wieder zu dirigieren. Dafür, dass sie im Vorfeld um Nachsicht gebeten hatte, dass man einige Stücke nur ein-, zweimal geübt hätte, entstand ein warmherziger Kammermusik-Abend mit Nachklang und Aussicht auf das in großen Schritten auf die Menschen zueilende Weihnachtsfest.

„Wer spielt mit mir den Haydn?“

Was im Tutti, also als Gesamtorchester mit der Rodrigo Suite von Georg Friedrich Händel groß begann, endete in der Zugabe und dem zum zweiten Mal zitierten Stück solidarisch im Tutti. Zwischendrin war Umorientieren angesagt, wer mit wem denn nun was spielen würde. „Wer spielt mit mir den Haydn?“, fragte das Fagott, schnell gesellten sich die Flöten und die Geige zum vierten Lirenkonzert zum Andante.

Doch das Konzert sollte nicht Trübsal blasen, Zenker hatte interessante Musikliteratur im Original für Flöten oder für sie umgeschrieben gefunden. Das Ensemble hatte geprobt und der Auftritt klappte mit Bravour. Das Scherzo aus der „Petite Symphonie“ von Charles Gounod wiegend, fließend, ein wenig an Kirmes-Reigen-Musik anmutend. Piccolo- bis „Brummel“bass-Flöte hatte ihren Auftritt, Basso continuo (Generalbass) oder obligates Fagott durften glänzen.

Das Fagott einmal mit eigener Stimme bedacht, statt nur als Begleitung, bei Georg Friedrich Händels Concerto D-Dur, Sätze Contento und Allegro. Trost sang Bernhard Zenker dem Publikum entgegen mit Martin Mayers „Fürchtet Euch nicht“. Wie fröhlich die Hirten in der tschechischen Weihnachtsmesse das Christuskind begrüßen und eine fröhliche Zeit ins Haus steht, unterstrich die Hirtenmesse von Ryba. Das Gloria, Graduale und Agnus Dei als Spiegel für Freude, Aufbruch, Schlaflied und Freudengesang. Freude und Wehmut lagen dicht beieinander beim letzten Konzert, die Musik überwand letzteres.

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