Ziel: Trendsport am Dümmer

Kiter setzen buntes Zeichen für ihren Sport

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Rund 70 Aktivisten und lokale Politiker setzten am Lembrucher Dümmer-Strand ein buntes Zeichen fürs Kite-Surfen.

Lembruch - Von Melanie Russ. Kite-Surfen und Naturschutzgebiet Dümmer – aus Sicht vieler Naturschützer passt das nicht zusammen. Doch Fans des Trendsports und Tourismusförderer wollen das nicht länger als gegeben hinnehmen und in einer Testphase prüfen lassen, ob wirklich beides unvereinbar ist. Einen Antrag zur dafür erforderlichen Änderung der Dümmer- und Steinhuder-Meer-Verordnung hat die FDP-Landtagsfraktion im Sommer eingebracht (wir berichteten). Am 28. November ist eine Anhörung im Ausschuss für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Hannover vorgesehen.

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, hatte die seit etwa einem Jahr aktive Initiative „Pro Kite“ im Vorfeld Politiker und Interessierte zu einem „Flashmob“ am Strand unweit des Segelclubs Dümmer (SCD) in Lembruch eingeladen. Etwa 40 in Herzform aufgestellte bunte Kite-Schirme machten am Sonntagnachmittag auf die Aktion aufmerksam.

Am Strand erläuterte Sprecher René Ufferhardt, warum das Kite-Surfen aus Sicht der Initiative für den Dümmer eine Bereicherung wäre. Es sei ein Angebot für die jüngere Generation, das den See attraktiver mache und zusätzliche Gäste anlocken könnte, betonte er vor dem Hintergrund, dass die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen seien.

Die möglichen Rahmenbedingungen fürs Kite-Surfen, erläuterte Ufferhardt in den Räumen des SCD, der laut Heike Hannker eine Kite-Sparte aufnehmen möchte. „Für uns ist wichtig, dass wir das Kite-Surfen sicher anbieten können“, betonte Ufferhardt und stellte zehn Grundregeln vor, die das garantieren sollen. Demnach wäre Kite-Surfen nur mit einem Befähigungsnachweis und nur in einer gekennzeichneten Zone erlaubt. Die soll sich vom Engländer Strand in Lembruch Richtung Westen erstrecken und im Abstand von etwa 200 Metern zu den Naturschutzbojen und den Hafenanlagen enden. Auch die Badezonen und der Schulungskorridor der geplanten Kite-Schule wären tabu. Die Surfeinsatzstelle Hüde soll den Windsurfern vorbehalten bleiben.

Die Aktion der Initiative von oben betrachtet.

Unterstützung bekommen die Aktivisten aus der Politik. Landrat Cord Bockhop, der auch während der Anhörung im Landtag für das Anliegen werben will, sprach sich klar für eine Testphase aus. Es gebe neben dem Naturschutz weitere Interessen am Dümmer, die ebenfalls Berücksichtigung finden müssten. Wenn sich herausstelle, dass das Kite-Surfen Probleme verursache, müsse man es wieder einschränken, aber zumindest testen solle man es.

Der hiesige CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann warnte ebenfalls davor, dem Naturschutz einen zu hohen Stellenwert beizumessen. In den vergangenen Jahren sei am Dümmer viel für den Naturschutz getan worden. „Aber wir müssen verschiedene Interessen abdecken“, sagte Scharrelmann mit Blick auf hohe private Investitionen im Bereich Tourismus, die auf ein attraktives Angebot angewiesen seien. Die rückläufigen Zahlen bei Seglern und Surfern ermöglichen aus seiner Sicht zumindest eine Testphase. „Man muss über zwei, drei Jahre schauen, wie sich die Vogelpopulation entwickelt“, so Scharrelmann. Dass man jede Möglichkeit nutzen muss, um den See attraktiver zu machen, betonte auch der SPD-Kreisvorsitzende Ingo Estermann und versprach, bei der SPD-Landtagsfraktion für das Vorhaben zu werben.

Tourismusverband und Samtgemeinde positiv eingestellt

Thorsten Finke vom Tourismusverband und die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde stehen dem Vorhaben ebenfalls positiv gegenüber. Finke verwies darauf, dass Kite-Surfer erst ab einer „gewissen Windstärke“ kommen, wenn viele Segler schon wieder den sicheren Hafen aufsuchen.

Joachim Pohl, Leiter der Surfeinsatzstelle Hüde, ist dagegen skeptisch – vor allem hinsichtlich der Sicherheit. Da der Deichweg sehr nah entlang des Ufers verläuft, befürchtet er, dass gerade Kite-Anfänger die Menschen auf dem Deich mit ihren Schirmen verletzen könnten. Und wenn sich die Kite-Surfer nicht an die Regeln hielten, dann gebe es niemanden, der die Befugnis habe, sie zu maßregeln. Europaweit, so Pohl, seien Kite-Zonen von anderen Wassersport-Bereichen getrennt, weil viel passieren könne. Robin Poetter, Betreiber der gleichnamigen Surfschule in Lembruch, widersprach: „Es gibt einige Reviere, in denen es sehr wohl funktioniert.“

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