Originalgetreu bis zu schiefen Pfosten

Nachbau eines Lehmhauses aus der jungsteinzeitlichen Siedlung Huntedorf I entsteht am Dümmer-Museum

Das Aufstellen der Pfosten war Schwerstarbeit, denn die frisch geschlagenen Eichenstämme sind noch feucht.
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Das Aufstellen der Pfosten war Schwerstarbeit, denn die frisch geschlagenen Eichenstämme sind noch feucht.

Lembruch – Wer in diesen Tagen am Dümmer-Museum in Lembruch entlang schlendert, der wird etwas Neues entdecken. In den vergangenen zwei Wochen ist dort das Gerüst für ein 3,5 Meter breites und fünf Meter langes steinzeitliches Lehmhaus entstanden, das in den kommenden zwei Jahren etappenweise gemeinsam mit Schülern fertiggestellt werden soll.

Vorbild der originalgetreuen Nachbildung im Maßstab 1:20 ist das Haus Nummer vier aus der nördlich des Dümmers entdeckten Siedlung Huntedorf I aus der Trichterbecherkultur vor rund 5300 Jahren. Bei den ersten Arbeiten waren die Archäotechniker Thorsten Helmerking und Dr. Hans Joachim Behnke, der Schmied Bernard Haarmeyer und ihr Praktikant, Geschichtsstudent René Schütte, aber unter sich.

René Schütte und Bernard Haarmeyer (rechts) graben die etwa ein Meter tiefen Löcher für die Pfosten.

Wer genau hinschaut, wird erkennen, dass die Pfosten aus dünnen Eichenstämmen nicht ordentlich in Reih und Glied stehen, wie man es für einen sicheren Stand erwarten würde. Das ist allerdings kein Pfusch am Bau, sondern dem Original nachempfunden. Wie Helmerking erklärt, verwendeten die Steinzeit-Menschen die Baumstämme so, wie sie gewachsen waren. Sie wurden im oberen Bereich gerade ausgerichtet und im Boden so schief eingegraben, wie es der Wuchs erforderte.

Auch sonst legt das Team größten Wert auf Authentizität. „Wir arbeiten ausschließlich mit Holzverbindungen, die auch in der Steinzeit üblich waren“, betont Behnke. So kommen beispielsweise Zapfenverbindungen, Holznägel und im Dachbereich Überblattungen zum Einsatz.

Das Aufrichten der Eichenstämme war Schwerstarbeit. „Das hat uns schon gefordert“, gibt Helmerking zu. Denn die 10 bis 20 Zentimeter dünnen Eichenstämme wurden wie die Baumstangen aus Fichtenholz für den oberirdischen Haus- und Dachbau erst vor wenigen Wochen im Revier Maiburg im Nordkreis Osnabrück geschlagen und sind somit noch feucht und deutlich schwerer als Holzbalken, die man aus dem Sägewerk kennt.

Auch damit orientieren sich die Archäologen am historischen Vorbild, denn in der Zeit der Trichterbecherkultur wurde ebenfalls frisch geschlagenes Holz genutzt. Solange es noch feucht sei, könne es problemlos mit Steinwerkzeugen bearbeitet werden, so Helmerking.

Ein Teil der Pfosten wurde im unteren Bereich angeschwelt, um die Haltbarkeit zu verbessern.

Einige Stämme wurden im unteren Bereich angeschwelt, einige wurden unbehandelt etwa einen Meter tief eingegraben. „Dort, wo das Holz in die Erde kommt, ist der neuralgische Punkt“, erklärt Behnke. Dort verzehren Bakterien das Holz und sorgen dafür, dass es „fault“. Ziel des Anschwelens sei es, die Eiweiße zu denaturieren, den Zucker zu karamellisieren und den Bakterien damit die Nahrung zu nehmen, beschreibt Helmerking die Theorie. Ob das Anschwelen den erhofften Erfolg bringt, wollen die Archäologen in den kommenden Jahren beobachten. Wie es die Menschen am Dümmer vor rund 5300 Jahren gehandhabt haben, ist laut Helmerking aus den archäologischen Funden nicht ersichtlich.

Nach Fertigstellung des Gerüsts werden sich Behnke und Helmerking unter anderem der Materialbeschaffung widmen. „Wir brauchen sehr viel Weiden- und Haselruten.“ Die sollen nach Möglichkeit aus der Region kommen.

Im Sommer geht es mit dem Reetdach weiter, das nach historischem Vorbild mit Weiden und ganz ohne Draht aufgebunden wird. „Dafür haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht, was es nicht so oft zu sehen gibt“, deutet Helmerking an. Mehr will er noch nicht verraten. „Beim Dach wird’s experimentell, da werden wir eine Hypothese ausprobieren“, ergänzt Behnke.

Richtung See bekommt das Haus einen Rundgiebel (Walm), der es vor der Witterung schützt, auf der gegenüberliegenden Seite wird es einen überdachten, nach vorne offenen Arbeitsbereich haben. Ob die steinzeitlichen Häuser Fenster hatten, ist laut Helmerking nicht bekannt. Dass es die offenen Arbeitsbereiche gab, lasse aber vermuten, dass sie eher keine hatten. Im seeseitigen Bereich des Hauses wird eine zweite Ebene eingezogen. Von der erhöhten Position aus können die Besucher später den Dümmer sehen.

Ein Modell zeigt das Gerüst des Lehmhauses aus der Trichterbecherkultur.

Nach der Fertigstellung des Daches soll im September im Rahmen der archäologischen Erlebniswochen nach Möglichkeit gemeinsam mit Schülern weitergebaut werden. Unter anderen steht die Herstellung des Lehmbodens an. Die Ausfachung ist laut Museumsleiterin Sabine Hacke für nächstes Jahr geplant. Die Zwischenräume zwischen den Balken werden dann mit Haselruten ausgeflochten, Lehm ist auch das Material für die Wände.

Das gesamte Projekt wird laut Sabine Hacke mehr als 25 000 Euro kosten. Nach der Fertigstellung soll das Gebäude als Veranstaltungsraum dienen.

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