Baujahr 1956, aber fast wie neu

Brockumer Edmund Uhe sieht Lanz Bulldog seiner Familie nach mehr als 60 Jahren wieder

Unerwartetes Wiedersehen: Oldtimer-Fan Paul Zegers (links) aus Nordenham hat den Lanz Bulldog, Baujahr 1956, mit dem Edmund Uhe vor über 60 Jahren über Brockums Äcker fuhr, restauriert.
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Unerwartetes Wiedersehen: Oldtimer-Fan Paul Zegers (links) aus Nordenham hat den Lanz Bulldog, Baujahr 1956, mit dem Edmund Uhe vor über 60 Jahren über Brockums Äcker fuhr, restauriert.

Brockum – „Der sieht genauso aus wie früher“, sagt Edmund Uhe mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Den alten Lanz Bulldog, Baujahr 1956, der am Abend auf seinen Hof rollte, hat der 84-jährige Brockumer vor mehr als 60 Jahren zuletzt gesehen – und nie einen Gedanken daran verschwendet, dass er ihn jemals wiedersehen würde. Vier Jahre stand der Traktor in Diensten des Lohnunternehmens Anton Uhe, das Edmund Uhe 1961 von seinem Vater übernahm.

Vor knapp zwei Jahren entdeckte Paul Zegers aus Nordenham, Oldtimer-Freund und Mitglied des Vereins „Die Rostheuler“, den Bulldog in einem Schuppen, restaurierte ihn und machte den ursprünglichen Eigentümer ausfindig. Über dessen ersten Anruf im vergangenen Dezember staunte Edmund Uhe nicht schlecht. Schnell war klar, dass sie sich irgendwann treffen müssen.

Für sein Alter ist der kleine Lanz Bulldog gut in Schuss. Neben modernen Landmaschinen würde er heute fast wie ein Spielzeug wirken, doch 1956 war er das Modernste, was es in der Region gab, erinnert sich Edmund Uhe. „1953, 54 gab es hier die ersten Trecker.“ Doch an die 28 PS von Uhes Bulldog reichten sie nicht heran. „Das war zu der Zeit ein Riesentrecker.“ Er sei auch der erste mit hydraulischer Ackerschiene gewesen. So habe er zum Beispiel alleine Kartoffeln roden können, weil er die Höhe der Schiene von seinem Sitz aus habe verstellen können, während bisher immer zwei Personen notwendig gewesen seien, erklärt der 84-Jährige.

Die im Laufe der Zeit völlig verblasste Aufschrift des Lanz Bulldog von Anton Uhe wurde ebenfalls aufgefrischt.

„Der Bulldog ist auf allen Äckern in Brockum schon mal gefahren“, erzählt Edmund Uhe. Und er – beim Kauf 1961 gerade 19 Jahre alt – saß dabei ziemlich oft hinter dem Steuer. Jedes Jahr seien gut 480 Morgen (120 Hektar) Getreide mit dem Bindemäher geerntet und etwa 320 Morgen (80 Hektar) Kartoffeln gerodet worden. Außerdem habe der Bulldog Tag für Tag die Milch der örtlichen Landwirte transportiert.

1800 Fahrtstunden seien sicherlich jedes Jahr zusammengekommen, rechnet Edmund Uhe zusammen. Der Trecker machte nach kleinen Anlaufschwierigkeiten im ersten Jahr alles klaglos mit. Doch der extrem trockene Sommer 1959 war zu viel für ihn. Es habe so stark gestaubt, dass der Motor nach der Ernte überholungsbedürftig gewesen sei, erinnert sich der 84-Jährige. „Der war total ausgelutscht.“ Also entschloss sich Uhes Vater, den Trecker wieder an den Bremer Händler Tiemann zurückzuverkaufen und sich eine modernere Maschine zuzulegen.

Erfordert Muskelkraft: Blick auf die Lenkung des Lanz Bulldog, Baujahr 1956, der einst Anton Uhe aus Brockum gehörte.

„Danach hat der Bulldog nicht mehr viel arbeiten müssen“, weiß Paul Zegers. Vom Händler kam der Trecker über eine weitere Station zu einem Freund seines Bruders in Gummersbach. „Da hat er 35 Jahre lang nur gestanden“, so Zegers. Im November 2019 kam er schließlich zu ihm.

„Wir haben ihn dann erst mal ganz auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt“, berichtet der Oldtimer-Fan. Zegers Club-Kollege Karlheinz Kalies kennt sich mit der Restaurierung alter Fahrzeuge aus und hat sich unter anderem um die Elektrik gekümmert. „Die musste natürlich komplett erneuert werden“, erzählt Zegers. Der Zylinder wurde ebenfalls ausgetauscht, was nicht ganz einfach war, weil Ersatzteile nach so langer Zeit schwer zu finden sind. Der Originalzylinder habe einen Frostschaden gehabt, der erste Ersatz sei auch kaputt gewesen, der zweite – entdeckt in Rothenburg – funktionierte schließlich. Das Dach hat der gelernte Tischler Zegers selbst originalgetreu nachgebaut. „Und seit sechs Wochen hat er Tüv.“

Die erste große Fahrt mit seinem Bulldog führte ihn und Karlheinz Kalies am Donnerstag zum ersten Besitzer. Gut sieben Stunden tuckerten sie mit Wohnwagen im Schlepptau und maximal 25 km/h von Nordenham nach Brockum, wo sie von Edmund Uhe und seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Clemens herzlich empfangen wurden. Clemens kann sich ebenfalls noch gut an den Bulldog erinnern, auch wenn er selbst ihn nur selten fuhr. Beide freuten sich sehr über das unerwartete Wiedersehen und die Gespräche über Traktoren und die guten alten Zeiten. „Da werden viele Erinnerungen wach.“

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