Langfristige Planung ist wichtig

Stemshorner Schäfer Michael Seel fordert mehr Wertschätzung

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Osterzeit ist Lammzeit: Schäfer Michael Seel hat auf seinem Hof in Stemshorn momentan alle Hände voll zu tun. Während die noch trächtigen Tiere draußen laufen, haben es die Muttertiere mit ihren Lämmern im Stall schön kuschelig.  

Stemshorn - Von Melanie Russ. Michael Seel ist ein Freund klarer Worte. Und davon hat der 49-jährige Schäfer reichlich auf Lager, wenn er über seinen Beruf und die Zusammenarbeit mit dem Landesumweltministerium spricht. Mehr als 1.000 Schafe hält er auf seinem Hof in Stemshorn und betreibt mit ihnen Landschaftspflege im Moor und auf den Deichen. Dafür zahlt ihm das Land einen Zuschuss – der ist nach Ansicht Seels aber weder hoch, noch zuverlässig genug.

Momentan werde er gar nicht bezahlt, berichtet der Schäfer. Seit vergangenem Mai verhandelten der Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Verein Naturraum Dümmerniederung über einen neuen Vertrag, der eigentlich bis Sommer habe fertig sein sollen. Es wurde Herbst und Winter – doch es passierte nichts. Plötzlich habe es geheißen, es sei eine Ausschreibung erforderlich. „Dann fing alles von vorne an“, ärgert sich der 49-Jährige.

Seit Jahresbeginn habe er keinen Vertrag und bekomme auch kein Geld für die Landschaftspflege, kritisiert Seel. Seine Arbeit verrichtet er trotzdem. Ganz neu ist die Erfahrung für den Schäfer nicht. „Wir unterschreiben die Verträge schon seit Jahren rückwirkend. Das ist eine Lachnummer. So kann man keine Landschaftspflege betreiben.“

Von der Landespolitik fordert der Stemshorner mehr Wertschätzung und eine stärkere Einbeziehung der Schäfer in die Verhandlungen – auch, wenn es um die Größe der zugewiesenen Pflegeflächen geht, nach der sich die Höhe der Zahlungen richtet. „Da wird was am grünen Tisch verhandelt, und dann kriege ich einen Vertrag vorgelegt, den ich unterschreiben soll. So läuft das nicht.“

Dabei geht es ihm auch, aber nicht nur um einen höheren Stundenlohn. „Unser Beruf ist Berufung. Das hat auch viel mit Leidenschaft zu tun. Die viele Arbeit ist darum keine Belastung. Eine Belastung ist, dass wir nicht langfristig planen können.“

Ordentliches Einkommen braucht Kreativität

Für die 300 Hektar, die seine Schafe pflegen, erhält Michael Seel nach eigenen Angaben 54.000 Euro pro Jahr. „Eigentlich brauchen wir 80.000 Euro, der Schafzuchtverband empfiehlt sogar 100.000 Euro.“ Das klingt erst mal nach viel Geld. Doch dem stehen hohe Kosten gegenüber: für die Infrastruktur, Zahlungen an die Tierseuchenkasse, Medikamente und vieles mehr. Allein 5.000 Euro jährlich zahle er für Wurmmittel. Viele Schäfer halten zudem Hütehunde, nicht zuletzt um Wölfe fernzuhalten. Allein die jährlichen Futterkosten pro Jahr beziffert Seel mit gut 1.000 Euro. Der Stemshorner Schäfer verzichtet Hütehunde und setzt stattdessen auf Schutzzäune. Bei den zahlreichen Besuchergruppen, darunter viele Kinder, seien Hunde viel zu gefährlich.

Alles in allem spricht Seel von rund 35.000 Euro Betriebskosten. Bleiben unterm Strich etwa 19.000 Euro für die Landschaftspflege. Wer ein auskömmlicheres Einkommen haben möchte, der muss kreativ werden – zum Beispiel wie Seel mit seinem Schäferhof-Café. Denn auch der Gewinn aus Fleisch und Wolle ist überschaubar.

„Man denkt heute viel zu kurzfristig“

Das nicht gerade üppige Einkommen bei langer Arbeitszeit ist nach Einschätzung 49-Jährigen ein wesentlicher Grund für den Nachwuchsmangel. „Das ist ein großes Problem“, sagt er und verweist auf das hohe Durchschnittsalter der Schäfer in Niedersachsen von 56 Jahren. Dem stünden nur 10 bis 13 Auszubildende gegenüber. „Man denkt heute viel zu kurzfristig. Uns läuft die Zeit davon“, sagt er mit Blick auf das Landesumweltministerium. „Die meinen immer noch, sie können uns mit diesen paar Kröten abspeisen.“ Der Stemshorner ist sicher, würden die Schäfer mehr Geld bekommen und dadurch mehr Mitarbeiter einstellen und sie besser bezahlen können, dann gäbe es auch mehr Nachwuchs.

Trotz des ganzen Ärgers liebt Michael Seel seinen Beruf – die Arbeit an der frischen Luft mit Tieren, die Abwechslung. „Ich bin Zimmermann, Naturschützer, Hebamme, Pflanzenkundler und Kaufmann“, zählt er auf. Ans Aufhören verschwendet er keinen Gedanken. Ganz im Gegenteil. „Ich würd's morgen wieder machen.“

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